Dernbach / Flemlingen
Burg Neuscharfeneck wird zur Großbaustelle im Pfälzerwald
Wer in den vergangenen Tagen im Pfälzerwald zwischen Dernbach, Ramberg und Burrweiler unterwegs war, der hat vielleicht schon das metallische Klappern vernommen. Die Burgruine der Neuscharfeneck wird gerade in einen Mantel aus Stahlgerüst gehüllt. Der Startschuss für die lang ersehnten Sicherungsarbeiten an der Burg, die seit vier Jahren für die Öffentlichkeit gesperrt ist. Denn das Mauerwerk ist mittlerweile so marode, dass immer wieder Steine herunterknallen. Umfangreiche Arbeiten sind nötig, bevor Besucher die imposante Burg im Pfälzerwald wieder betreten dürfen.
Das Eingangsportal mit dem Torturm und die Ecke der Südflanke wurden bereits eingerüstet, wie Volker Lahr, Vorsitzender des Scharfeneckvereins, berichtet. Im Inneren der Vorburg seien Portal, Turm und Südmauer ebenfalls mit Baugerüst versehen worden. In dieser Woche sei der Felsenerker am Durchgang zur Oberburg dran. Dieser habe sich in den vergangenen fünf Jahren immer weiter vom Zentralfelsen entfernt, wodurch die Mauerausbrüche schlimmer geworden seien. „Der Sturz am Eingang zur Wendeltreppe liegt nur noch minimal auf“, schildert Lahr. Deswegen erfordere der Gerüstbau dort sehr viel Gefühl. „Der Oberbau des Erkers muss vor Erschütterung geschützt werden. Eine Verankerung in diesem Bereich ist wohl nicht möglich.“
Einer der schönsten Fernblicke des Pfälzerwalds
Diese besonders gefährdeten Abschnitte der Burg sollen nun zügig gesichert werden. Auch wenn es bisher immer wieder Verzögerungen wegen des Wetters, Behördenabstimmungen und Co. gegeben habe, würden die Arbeiten nun „definitiv im Laufe des Monats Mai“ beginnen, verspricht der Vereinsvorsitzende. Um die Burg wieder für Besucher fit zu machen, sind 1,64 Millionen Euro veranschlagt. 90 Prozent davon tragen Bund und Land. Alleine könnte die Gemeinde Flemlingen, der diese gehört, solch eine Großbaustelle im Wald niemals finanziell stemmen. Der Ort und der Scharfeneckverein teilen sich hälftig in die verbleibenden zehn Prozent, wobei der Vereinsanteil zum Großteil von der Adrienne-und-Otmar-Hornbach-Stiftung erbracht wird.
„Wenn die Arbeiten ohne Probleme voranschreiten, sollten diese Bereiche bis Herbst gesichert sein“, gibt Lahr den Zeitplan vor. Die Gerüste würden dann zur Südseite des Zentralfelsens umgesetzt, um das freiliegende Kernmauerwerk zu sichern und somit den ständigen Abgang von Steinen zu stoppen. Dann heißt es Daumendrücken, denn die Witterung werde maßgebend über den Fortgang der Arbeiten entscheiden. Aber es gibt auf jeden Fall einen anvisierten Termin: „Vorgesehen ist, die Burg in der zweiten Jahreshälfte 2025 teilweise für die Öffentlichkeit zu öffnen“, kündigt Lahr an. Besucher sollen dann den Durchgang und die obere Plattform der Schildmauer wieder betreten dürfen. „Und damit können Besucher endlich wieder einen der schönsten Fernblicke des Pfälzerwalds genießen“, freut er sich. Der nördliche Bereich mit Palas-Fassade, Gewölbekeller und Burghof bleibe gesperrt. „Die Arbeiten dort lassen sich dann aber von der Schildmauer herunter aus toller Perspektive beobachten.“ Die Ausgrabungsstätte am Auffangbecken der Rossberg-Quelle soll für Besucher sichtbar konserviert und gesichert werden.
Zweite Bauphase wird teurer
Nach der Sicherung des Mauerwerks ist eine umfangreiche Sanierung der Burg geplant. Die Ortsgemeinde habe bereits eine Förderung in Höhe von knapp drei Millionen Euro bei Bund und Land beantragt, um einen nahtlosen Übergang der Arbeiten zu ermöglichen, so Lahr. Weitere Arbeiten seien dringend notwendig, denn beim Befreien der Schildmauer von Grünbewuchs Anfang des Jahres hatten die Höhenarbeiter gesehen, in welch desolatem Zustand diese schon ist.
„Das 60 Meter breite, 22 Meter hohe und bis zu 12 Meter dicke einzigartige Bollwerk des späten Burgenbaus ist durch jahrzehntelanges Eindringen von Wasser und durch Frost so zerrüttet, dass ein unkontrollierter Abgang von Steinen möglich ist“, sagt Lahr. Diese Außensubstanz der Burg wieder auf Vordermann zu bringen, werde der aufwendigste und teuerste Teil. Die Ortsgemeinde und der Verein müssten dann jeweils knapp 150.000 Euro beisteuern, um diese zweite Bauphase in Angriff nehmen zu können.
