Kreis Südliche Weinstraße RHEINPFALZ Plus Artikel Aktion Südpfalz-Biotope möchte Biotopverbunde schaffen

Kurt von Nida präsentiert eine Streuobstwiese, die sich zwischen dem Kaltenbach und dem Hochstadter Lössriedels befindet. Auch S
Kurt von Nida präsentiert eine Streuobstwiese, die sich zwischen dem Kaltenbach und dem Hochstadter Lössriedels befindet. Auch Streuobstwiesen könne als Wanderlinie für Tiere dienen. Foto: Iversen

Die Aktion Südpfalz-Biotope unterstützt Kommunen dabei, Flächen so zu pflegen, dass die Artenvielfalt gefördert wird. Kurt von Nida und seine Mitarbeiter von der Zentrale in Kleinfischlingen möchten Biotope nun durch Wanderkorridore für die Tiere miteinander verbinden. Was soll das bringen?

Im Frühjahr 2014 gegründet, geht es der Stiftung zum Schutz von Landschaft und Natur längst nicht mehr darum, ökologisch wertvolle und naturnahe Landflächen zu erwerben und zu betreuen, um sie für den Naturschutz oder die Landschaftspflege nutzbar zu machen. Seit Januar verfolgt die Stiftung mit der Aktion Südpfalz-Biotope das Ziel, öffentliche Flächen zu Biotopen umzuwandeln. Dadurch soll die Artenvielfalt gefördert werden. Die Verantwortlichen unterstützen die Kommunen, indem sie Seminare anbieten. Dabei wurden bislang 250 Vertreter aus zahlreichen Gemeinden zum Thema Naturschutz geschult. Nun soll das Ganze auf eine neue Ebene gehoben werden.

Neue Lebensräume entstehen lassen

Kurt von Nida und sein Team möchten im nächsten Schritt Biotope miteinander verbinden, indem sie Wanderkorridore für die Tiere schaffen. „Das könnten beispielsweise Blühflächen oder Ackerrandstreifen sein“, erklärt von Nida. Auf die Frage, wieso das nötig ist, erklärt der Naturschützer: „Die Landschaft ist nicht mehr so vielfältig, wie sie früher einmal war. Es gibt heute bis zu 25 Hektar große Weinbergs- beziehungsweise Landwirtschaftsflächen, die die Lebensräume der Tiere einschränken, sie sozusagen in einzelne Bereiche isolieren. Das wollen wir verhindern.“

Die Wanderkorridore sollen dazu dienen, dass Insekten, Amphibien und Vögel in neue Bereich vorstoßen und dort auf Nahrungssuche gehen. Sie sollen sich weiter ausbreiten, indem sie neue Lebensräume für sich entdecken. Für die Entstehung der Wanderlinien kämen nicht nur Flächen infrage, die in kommunalem Besitz sind, sondern auch jene, die von Landwirten als ökologische Vorrangflächen bewirtschaftet werden. Die Umsetzung des Projekts soll zudem in Zusammenarbeit mit den Landwirten geschehen.

Es kann auch kontraproduktiv gehandelt werden

Martin Entling von der Universität Koblenz-Landau forscht unter anderem zu den Themen Biodiversität und Ökosystemanalyse. Er hat sich im wissenschaftlichen Bereich bereits mit dem Thema Biotopverbunde befasst, unter anderem in der Schweiz. Dort seien solche Vernetzungen weit verbreitet. „Das kann sicherlich helfen, die Artenvielfalt zu fördern“, sagt Entling. Während seiner Forschungsarbeit sei er zum Ergebnis gekommen, dass vor allem Vögel und Spinnen von solchen Wanderlinien profitieren. „Ich kann mir gut vorstellen, dass es auch für Amphibien förderlich sein kann.“

Wie die Wanderkorridore am besten gestaltet sein sollten, sei vom Einzelfall abhängig. Es könne nämlich auch kontraproduktiv gehandelt werden. „Offenlandarten wie die Feldlerche brauchen in der Agrarlandschaft keine Korridore. Sie meiden Bäume, Hecken und Waldränder“, sagt der Wissenschaftler. Umgekehrt seien Hecken und Baumreihen für viele andere Arten der Agrarlandschaft essenziell, beispielsweise für Neuntöter, Goldammern und Grasmücken. „Auch für waldbewohnende Vögel wie Meisen und Spechte können sie als Korridore dienen.“

Eine Datenbank wurde eingerichtet

Um einen Überblick über das Landschaftsbild zu bekommen, wurde eine Datenbank eingerichtet. Sie wird mit Daten gefüttert, die Kommunen, Kirchen und private Grundstücksbesitzer an von Nida weiterleiten. „Sie geben an, welche Flurstücke sie in den Gemarkungen ihrer Gemeinde haben. Wir ermitteln, ob es sich beispielsweise um Böschungshecken, Wegränder oder Graswege handelt.“ Die Behörden könnten Einsicht in die Datenbank nehmen, um Planungen und Entscheidungen, zum Beispiel hinsichtlich künftiger Ausgleichsmaßnahmen, zu optimieren.

Die Stiftung, die vor fünf Jahren vom Naturschutzverband Südpfalz gegründet wurde, ist im Besitz von rund 1000 Flächen. Sie haben zusammengerechnet eine Größe von 200 Hektar. „Die Grünflächen und das Gehölz sind teilweise an Landwirte verpachtet, um die Streuobstwiesen kümmern wir uns selbst“, erklärt von Nida, der beim Thema Naturschutz auch die öffentlichen Flächen im Blick hat.

Ausschau nach Fördermitteln

„Die Kommunen verfügen in ihren Gemarkungen über Wegränder, Gräber, Böschungshecken und Grünland. Bei der Gestaltung, Pflege und Nutzung dieser Flächen wird das ökologische Potenzial meist wenig beachtet“, sagt von Nida. Diese Bereiche bezeichnet er als Dorfgemeinschaftsbiotope, weil alle Bürger sich dazu berufen fühlen sollten, die Situation aus Liebe zur Umwelt zu verbessern. Dies soll durch neue Konzepte und Strategien gelingen, die über die Aktion Südpfalz-Biotope an die Behörden weitergegeben werden. Dabei wird mit den Landkreisen Südliche Weinstraße und Germersheim sowie der Stadt Landau zusammengearbeitet, mit denen ein Kooperationsvertrag besteht. Dies eröffnet von Nida und seinem Team die Möglichkeit, Fördermittel in die Südpfalz zu holen.

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