Kusel
Seit 50 Jahren hat Kusel einen Autobahnanschluss
Der Wetterbericht hatte Schneeschauer prognostiziert für jenen Montag vor 50 Jahren, an dem der Autobahnabschnitt der A 62, die damals noch A 76 hieß, von Glan-Münchweiler bis Kusel eröffnet wurde. Doch zumindest während Staatssekretär Heinrich Holkenbrink, der von 1971 bis 1985 unter den Ministerpräsidenten Helmut Kohl und Bernhard Vogel das Amt des rheinland-pfälzischen Ministers für Wirtschaft und Verkehr bekleidete, und der in Kusel geborene Regierungspräsident Hans Keller am 28. Dezember 1970 das quer über die Fahrbahn gespannte Band durchschnitten, fielen keine Tropfen.
Es war ein großer Auftrieb, viele waren gekommen, um die Inbetriebnahme der ersten Autobahnstrecke zu feiern, die durch ein nennenswertes Stück des Landkreises Kusel führte. Zumindest RHEINPFALZ-Fotograf Kurt Drumm aus Rutsweiler war aber noch nicht über die brandneue, rund neun Kilometer – die Zubringer eingerechnet, sind es rund vier Kilometer mehr – lange Trasse gefahren. Er kam, wie er sich erinnert, über die Landstraßen.
Reichweiler folgt 1972
Knapp drei Jahre hatte der Bau des Abschnitts zwischen den Anschlussstellen Glan-Münchweiler und Kusel gedauert und 46 Millionen D-Mark gekostet. Das entspricht rund 23,5 Millionen Euro. Der Abschnitt setzte die A 62 nach Norden fort, nachdem die Strecke vom Kreuz Landstuhl-West bis Glan-Münchweiler am 6. September 1966 für den Verkehr freigegeben worden war. Am 26. Juli 1972 folgte die Freigabe der weiteren 33,3 Millionen D-Mark teuren rund sechs Kilometer bis zur Anschlussstelle Reichweiler.
Die Bezeichnung A 62 – im Verwaltungsdeutsch korrekt Bundesautobahn (BAB) 62 – erhielt die Strecke erst mit Jahresbeginn 1975. Damals wurde das Nummerierungsschema der Trassen in der gesamten Bundesrepublik reformiert. Komplett fertiggestellt wurde die A 62 erst 1991 mit der Freigabe des Abschnitts zwischen Landstuhl-West und Weselberg in der Südwestpfalz. Die nördliche Strecke von Landstuhl bis Nonnweiler, der Lückenschluss zwischen der A 1 und der A 6, war 1988 durchgehend befahrbar.
„Ungewöhnlich ist die Abfahrt Freisen in Richtung Birkenfeld“ hält Kurt Drumm fest. Diese weist nicht nur einen Verzögerungsstreifen, sondern auch noch einen sehr breiten Standstreifen auf. Militärkolonnen auf dem Weg ins nahe Baumholder können dort parken, falls es bei der Abfahrt zum Stau kommt.
30 Jahre lang geplant
Der Bau der Autobahn von Landstuhl nach Trier wurde bereits vor 1945 begonnen. Die nationalsozialistische Diktatur wollte mit der Trasse das Rheinland mit den Zentren im Südwesten verbinden. Bereits 1939/40 waren deshalb zwei mächtige Brückenpfeiler bei Quirnbach errichtet worden. Nach dem Krieg und dem Untergang des „1000-Jährigen Reiches“ wurde jedoch neu geplant.
Zum einen wurde die Streckenführung auf die Straßenplanungen des Saarlandes abgestimmt, nachdem dieses 1957 wieder zur Bundesrepublik gekommen war. Zum anderen hatte die ursprüngliche Planung zu steile Abschnitte und zu enge Kurven vorgesehen – nicht kompatibel mit einem moderneren Verkehrsaufkommen.
So wurde in der Regie des Straßenneubauamts Kaiserslautern – den Landesbetrieb Mobilität gab es noch nicht – auch die Henschtalbrücke bei Quirnbach neu konzipiert. Die beiden alten Pfeiler waren überflüssig geworden, sie wurden im August 1968 gesprengt. „Im Beisein von vielen Schaulustigen“, wie Kurt Drumm sich erinnert, der auch dieses Ereignis im Bild festgehalten hat.