Lauterecken RHEINPFALZ Plus Artikel Opfer der NS-Zeit: Stolpersteine und Broschüre verdeutlichen Schicksale

 Angelina Fritz (links) und Sarah Kriese legen weiße Rosen zur Erinnerung an Familie Spiegel an der Lauterecker Schlossapotheke
Angelina Fritz (links) und Sarah Kriese legen weiße Rosen zur Erinnerung an Familie Spiegel an der Lauterecker Schlossapotheke nieder.

Stolpersteine sollen unter anderem in Lauterecken und Relsberg an die Schicksale der Opfer der NS-Zeit erinnern. Verlegt wurden diese kleinen Mahnmale bereits 2014 und 2015. Die Biografien der Betroffenen wurden ebenfalls in einer Begleitbroschüre aufbereitet und sind nun auch digital verfügbar.

Es war am 27. Januar 1945, als die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz befreit hatte. Anlässlich des Holocaust-Gedenktages wurde ein vor drei Jahren in Lauterecken gestartetes Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt, das an die Schicksale von NS-Opfern erinnern soll.

Simone Schnipp vom Projekt Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Kusel schilderte, dass die Arbeiten am Projekt durch die Corona-Pandemie verzögert wurden, jetzt jedoch Informationen zu den Stolpersteinen in Lauterecken und Relsberg auch digital verfügbar seien. Sie betonte, aus der Geschichte zu lernen, sei dieser Tage wichtiger denn je. Die Erinnerungsarbeit sei ein wichtiger Baustein, um Antisemitismus und Rechtsextremismus vorzubeugen und die Demokratie zu fördern. „Das ist lange her“, „was tangiert mich das heute noch?“ sind Aussagen, mit denen auch Lautereckens Stadthistoriker Jan Fickert immer wieder konfrontiert werde – und die er so nie stehen lassen will.

Viele Mosaiksteine zusammengetragen

Vor elf Jahren hat Fickert das Stolpersteine-Projekt ins Leben gerufen – seither wurden insgesamt 19 dieser Steine in den Boden eingelassen. Mithilfe von Bürgern und Zeitzeugen, dank zahlreicher Dokumente und Nachforschungen in Archiven wurden „Mosaiksteine zusammengetragen, um die Biografien zu vervollständigen“, sagte er. In das Gemeinschaftswerk können auch weiterhin neue Infos eingepflegt werden, ergänzt Fickert.

Rosen an den Stolpersteinen.
Rosen an den Stolpersteinen.

Großen Anteil am Projekt haben die 21-jährige Angelina Fritz und die 20-jährige Sarah Kriese. Als das Vorhaben startete – damals besuchten beide die elfte Klasse am Veldenz-Gymnasium –, reinigten beide die Stolpersteine, um sie zu fotografieren. Ihre Putzaktion blieb damals nicht unbemerkt, erinnern sich beide. Kriese erläuterte, das Reinigen der Steine habe sich zunächst etwas seltsam angefühlt, doch „während des Putzprozesses wandelte sich das zu Stolz“.

Verhältnis zu einer Deutschen bedeutet Todesurteil

Beim Einsatz hätten sie zwar keine negativen Erfahrungen mit Passanten gemacht, einige hätten jedoch scherzhaft gefragt, was sie verbrochen hätten, um diese Arbeit verrichten zu müssen, erinnerte sich Fritz. Dabei sei das Reinigen sowie das Erzählen der Geschichten ein Privileg, erzählen die jungen Frauen, die in Landau Erziehungswissenschaften studieren. Als spannend, aber auch sehr emotional beschreiben sie das Eintauchen in die Schicksale der NS-Opfer.

Zu diesen Opfern gehörten „Halbjude Walter Nesseler“, der mit nur 17 Jahren im Arbeitslager Lenne in Niedersachsen sein Leben verlor, sowie der in Einöllen eingesetzte, polnische Zwangsarbeiter Johan (Jan) Lichowski. Lichowski hatte ein Verhältnis mit einer Deutschen und wurde deshalb im Lauterecker Steinbruch gehängt. Die Lebensläufe der Familien Loeb und Frank, die in die USA flüchteten, sowie jene der ehemaligen Apothekerfamilie Spiegel aus Lauterecken, und der Familie Herz aus Relsberg wurden ebenfalls recherchiert und so aufbereitet, dass ihre Schicksale auch für Jugendliche greif- und nachvollziehbar sind.

Info

Die Broschüren, die zahlreiche Dokumente und Bilder enthalten, werden in Lauterecken und Umgebung ausgelegt. Digital sind die Infos unter https://stolpersteine-guide.de und auch kostenlos mittels App „Stolpersteine-Guide“ bereits verfügbar.

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