Kreis Kusel
Interview mit Aktivist Bastian Drumm: „Nicht nur auf die Straße gehen, wenn es gerade bequem ist“
Seit Jahresbeginn gab es immer wieder Demonstrationen von Menschen, die für Demokratie einstehen. Auch im Kreis Kusel. Das müsste Ihnen doch sehr gefallen.
Natürlich. Wir waren da auf einem sehr guten Weg, hatten mehrere Solidaritätswellen gegen Rechts. Der Hype flacht allerdings gerade wieder ab. Da im Juni Wahlen anstehen, braucht’s diesen Rückhalt gerade umso mehr. Unterm Strich habe ich aktuell schon das Gefühl, dass sich die Menschen mehr für die Themen Demokratie und Kampf gegen Rechts interessieren. Und gerade vor der Kommunalwahl gibt’s besonders viele supermotivierte Leute ...
... die sich jetzt als Demokratieverfechter hervortun?
Die zumindest die Gelegenheit nutzen, sich darzustellen. Natürlich ist jede Demonstration wichtig, aber zu jedem Zeitpunkt im Jahr. Und nicht nur, wenn es gerade bequem ist, auf die Straße zu gehen. Noch wichtiger ist der Aufbau von langfristigen, antifaschistischen Strukturen sowie Demokratiefeinde klar zu benennen.
Und zwar?
Die AfD ist eine gefährliche, rechtsextreme Partei. Das Treffen in Potsdam, die Nähe zur Neuen Rechten und der Identitären Bewegung und das Personal in AfD-Spitzenpositionen – da ist die politische Ausrichtung doch offensichtlich. Traurig, dass das viele nicht sehen. Gerade in Deutschland sollten wir doch wissen, wie schnell eine Demokratie verschwindet, wenn ihre Feinde an die Macht kommen.
Warum positionieren sich nicht mehr Menschen klar gegen Rechtsextremismus?
Das verstehe ich auch nicht. Wir bemerken aber, dass rechte Meinungen in den vergangenen Jahren immer mehr im Mainstream angekommen sind, was sehr bedenklich ist. Außerdem ist es den Demokratiefeinden gelungen, dass es mittlerweile beinahe ein Schimpfwort ist, als „links“ abgestempelt zu werden. Viele Menschen haben mehr Angst als „linksradikal“ in der Gesellschaft anzuecken, als letztendlich gegen Nazis aufzustehen.
Gehen Sie mit AfD-Anhängern ins Gespräch?
Nein, das hilft ja nicht. Die AfD versteht es, alle Aussagen so zu nutzen, dass es ihr nützt. Entweder schlüpfen ihre Anhänger in die Opferrolle oder behaupten, es ja schon immer gesagt zu haben. Dabei ist es teilweise albern, was die AfD so sagt, um aufzufallen. Ich muss da immer an Bingo denken, wo die verschiedenen populistischen Phrasen abgehakt werden können.
Davon mal abgesehen, halte ich es natürlich für sehr wichtig, zu sprechen. Infoveranstaltungen sind ein tolles Mittel, um Menschen zu erreichen, die noch nicht völlig abgerutscht sind. Information ist das A und O im Kampf für eine bessere Welt. Deshalb engagieren wir uns auch so stark und starten im April die Aktionstage in Kusel. Und beim „Kein Bock auf Nazis“-Festival sind Workshops und Vorträge wichtige Eckpunkte.
Sie ermuntern also dazu, klar Position gegen Rechts zu beziehen?
Auf jeden Fall. Es ist ultrawichtig, dass die Leute verstehen, um was es geht. Nämlich darum, Menschen, Grundrechte und demokratische Werte zu schützen. Da ist toll, wenn das jemand bei einer Demonstration zeigt. Besser noch ist, wenn jemand bei Wahlen rechtsextremen Parteien keine Stimmen gibt. Und am besten ist, wenn jemand auch im Alltag den Mut hat, rechten Parolen etwas entgegenzusetzen und klare Kante zeigt. Wie die Bürgerrechtlerin Angela Davis schon sagte:„Ich akzeptiere nicht länger die Dinge, die ich nicht ändern kann. Ich ändere die Dinge, die ich nicht akzeptieren kann.“
Zur Person
Bastian Drumm, Jahrgang 1982, engagiert sich seit Jahrzehnten im Kampf gegen Rechtsextremismus und für eine vielfältige Gesellschaft. Für sein Engagement ist der Sozialarbeiter in der Kontaktstelle Holler bereits mehrfach ausgezeichnet und mehrfach bedroht worden. Zu den Auszeichnungen zählt unter anderem der von der Stiftung Auschwitz-Komitee verliehene Hans-Frankenthal-Preis.
Info
Die Alternative Gegenkultur Kusel startet im April die Aktionstage „Gemeinsam gegen Rechts“. Los geht’s Dienstag, 9. April, 19 Uhr, mit einem Vortrag von Alex Wißmann „Die AfD in Rheinland-Pfalz“. Am Montag, 15. April, folgt um 19 Uhr „Aktuelle Entwicklung & Inhalte der AfD“ mit Andreas Kemper und am Freitag, 19. April, wird der Film „Eine deutsche Partei“ gezeigt. Anschließend gibt’s die Gelegenheit, dem Regisseur Fragen zu stellen (Beginn: 19 Uhr). Alle Veranstaltungen finden im Bioladen Ursprung in Kusel statt. Bereits am Freitagabend, 5. April, 19 Uhr, gibt es von der Kontaktstelle Holler organisiert einen Vortrag „Gegen das Vergessen“ von Frank Rech über das Konzentrationslager Natzweiler-Struthof, ebenfalls im Bioladen, Bahnhofstraße 36.