Glan-Münchweiler
Geldautomat gesprengt: Flucht im Kombi über die Autobahn
Laut Polizei wurde der Alarm um 3 Uhr ausgelöst. Die Täter seien in einem dunklen Kombi, möglicherweise einem Audi A 6, in Richtung Autobahn 62 geflüchtet. „Die Kennzeichen des Fluchtfahrzeugs sind nicht bekannt. Eine sofort eingeleitete Fahndung verlief ergebnislos. Die Diebe konnten unerkannt entkommen“, heißt es im Polizeibericht.
Die Kriminalpolizei in Kaiserslautern ermittelt. Beim Landeskriminalamt in Mainz gibt es zudem eine Sondereinheit, die sich um gesprengte Geldautomaten kümmert.
Keine großen Schäden am Gebäude
Zuletzt war in der Region im April in Homburg ein Automat ausgeraubt worden. Im Vorjahr gab es zwei Anschläge in Kaiserslautern, die einen hohen Sachschaden anrichteten. Im Ortsteil Mölschbach war nach der Detonation sogar das Gebäude einsturzgefährdet.
„Wir haben kaum Schäden am Gebäude, die wussten genau, wie sie an die Geldfächer kommen“, berichtet Käfer. So gesehen habe die Kreissparkasse, die zum ersten Mal Opfer einer solchen Straftat wurde, noch Glück gehabt. Die Geschäftsstelle sei am Mittwoch geöffnet gewesen, der zweite Geldautomat voll funktionsfähig. Käfer geht davon aus, dass die Versicherung den Schaden begleicht.
Bundesweit über 17 Millionen Euro erbeutet
Die Zahl der Geldautomatensprengungen steigt in Deutschland deutlich. 2020 hat es 414 entsprechende Attacken gegeben und damit 18,6 Prozent mehr als im Jahr 2019, wie aus dem vom Bundeskriminalamt in Wiesbaden herausgegebenen Lagebericht hervorgeht. Dies ist der höchste Wert seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 2005. Allerdings blieb es in den meisten Fällen (256) beim Versuch des Gelddiebstahls.
Insgesamt erbeuteten die Täter den Angaben nach 17,1 Millionen Euro. Der von ihnen angerichtete Sachschaden liegt laut Polizei deutlich höher, und zwar in einem „mittleren zweistelligen Millionenbereich“. Für die Sprengungen würden vor allem Gasgemische verwendet, von den Tätern in die Geldautomaten an genau den richtigen Stellen eingeleitet und gezündet. Hohe Gebäudeschäden verursachten oft Täter, die weniger professionell vorgingen und die Sprengkraft falsch einschätzten.
Verdrängungseffekt aus den Niederlanden
In Rheinland-Pfalz gab es im Vorjahr 35 Geldautomatensprengungen. 2019 standen 22 solcher Taten in der Statistik. „Ein Verdrängungseffekt aus den Niederlanden ist seit Jahren erkennbar“, stellt das Landeskriminalamt fest. Dies sei das Ergebnis präventiver Anstrengungen niederländischer Banken. Sie setzten neue Sicherungstechnik ein und bauten viele Geldautomaten ganz ab.
Die Polizei macht aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben zur Schadenshöhe in Glan-Münchweiler. Sie bittet Zeugen, die in der Nacht zum Mittwoch etwas Verdächtiges beobachtet haben oder Hinweise zu den Tätern oder dem benutzten Fluchtwagen geben können, sich unter der Telefonnummer 0631 3692620 bei der Kriminalpolizei Kaiserslautern zu melden.