Lauterecken RHEINPFALZ Plus Artikel Finnischer Schulleiter am VGL: „Wir haben es mit der Digitalisierung etwas übertrieben“

 Ismo-Olav Kjäldman und Stefan Weber (rechts) schauen sich auf dem Tablet Fotos der Schule in Finnland an.
Ismo-Olav Kjäldman und Stefan Weber (rechts) schauen sich auf dem Tablet Fotos der Schule in Finnland an.

Schüleraustausche kennt jeder. Aber es gibt auch Schuldirektorenaustausche: Ismo-Olav Kjäldman aus Finnland ist in dieser Woche am Veldenz-Gymnasium und verrät, wieso man es mit der Digitalisierung besser nicht übertreiben sollte.

„Hyvää ruokahalua“, sagt Stefan Weber, Direktor der Lauterecker Schule, etwas angestrengt und lacht. „Das ist das Einzige, was ich auf Finnisch sagen kann: Guten Appetit.“ Immerhin – denn die Muttersprache seines Gastes klingt für pfälzische Ohren doch arg exotisch. Im Alltag des Schulleiteraustauschs wird also Englisch gesprochen. Die beiden Schulen, das Veldenz-Gymnasium und die Highschool im finnischen Espoo in der Metropolregion Helsinki, verbindet eine gemeinsame Partnerschaft über das europäische Austauschprogramm Erasmus Plus.

„Wir haben eine Schule gesucht, die in einem Land liegt, das an die Ostsee angrenzt“, berichtet Ismo-Olav Kjäldman, denn eine Maxime in seiner Schule sei Nachhaltigkeit – man wolle unnötig weite Reisen möglichst vermeiden: „Eine Schule in Italien wäre für uns nicht infrage gekommen.“ Schon der Frühling in der Pfalz sei für ihn „wie ein kleiner Sommerurlaub“. In der Heimat dominiere noch immer das Grau des Winters: „Wir haben da lange, lange Winter mit viel, viel Schnee.“

Der Blick ins Grüne gefällt

Besonders gefallen ihm in Lauterecken die großen Fenster, durch die die Schüler und Lehrer aus den Klassensälen Grün sehen: „So in die Natur zu blicken, das tut der Psyche gut.“ Seine Schule in Espoo mit rund 600 Schülern, Tendenz stark steigend, liege dagegen mitten in der Stadt. Ein altes Bürogebäude wurde dort umgebaut und zur Schule – auf Fotos sieht das Gebäude aus, wie man sich moderne IT-Start-ups vorstellt: viel offene Fläche, farbenfrohe Möbel und zahlreiche Sitzgelegenheiten. „Wir merken aber an vielen Ecken, dass das Gebäude nicht als Schule entworfen wurde“, räumt Kjäldman ein.

Er habe schon öfter Schulen im Ausland besucht und dabei immer wieder festgestellt: „Die Probleme und Herausforderungen sind überall ähnlich.“ Als Beispiel nennt er zunehmende Verwaltungsaufgaben, die Schulleiter längst nicht nur in Deutschland immer stärker beschäftigten. „Zu wissen, dass man damit nicht alleine ist, das macht es etwas erträglicher“, sagt Kjäldman lachend.

„Wir hatten die Ausstattung und haben losgelegt“

Aber warum kommt gerade ein Schulleiter aus Skandinavien – die Region wird oft als Vorzeigestandort für moderne Schulen genannt – ausgerechnet nach Deutschland, um sich zu informieren? „Wir haben es mit der Digitalisierung etwas übertrieben“, sagt der 60-jährige Besucher, „nur noch wenige Kollegen nutzen im Unterricht Hefte und Stifte mit ihren Schülern.“ Meist werde mit den vom Staat gestellten Laptops gearbeitet. „Das ging bei uns alles so schnell, wir hatten die Ausstattung und haben losgelegt“, berichtet Ismo-Olav Kjäldman. Doch ein pädagogisches Konzept habe lange Zeit gefehlt – dabei sei das sehr wichtig. „Bei uns läuft gerade die Diskussion, dass wir ,überdigitalisiert’ sind.“ Zudem sei es – wie überall an Schulen – eine Herausforderung, als Lehrer im Digitalen mit den Schülern Schritt zu halten.

In Finnland sei es, zumindest für alle, die studieren wollen, wichtig, eine Tageszeitung zu lesen, erzählt Kjäldman: „Bei Aufnahmetests wird an den Universitäten viel aktuelles Wissen abgefragt. Da ist es wichtig, auf dem aktuellen Stand zu sein.“ Dabei helfe die Zeitung. „Wir haben eine Vereinbarung mit unserer Lokalzeitung, dass die Schüler die Nachrichten und Artikel auf ihren Mobilgeräten lesen können. Die Schule zahlt dem Verlag eine Pauschale dafür.“

Ein Schüler darf – womöglich – zu den Olympischen Spielen

Neben dem Gymnasium in Lauterecken hat sich Kjäldman am Dienstag das Heinrich-Heine-Gymnasium in Kaiserslautern angesehen, das wie seine Schule einen Sportzweig hat. Und nicht ohne Stolz erzählt er, dass einer seiner Schüler wohl die Chance bekommt, bei den Olympischen Spielen im Sommer für Finnland im Tischtennis anzutreten. Wie es sich für einen Austausch gehört, steht dann im Mai der Gegenbesuch von Weber in Helsinki an – in der Woche vor den Pfingstferien.

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