Fussball
Der Käpt’n: Johannes Sorg - kampfstarker Feuerwehrmann
Bei gutem Wetter auf dem schönstgelegenen Fußballfeld dieser Region zu spielen, bereitet beileibe nicht nur den Hausherren Vergnügen. Auch Gästen der TSG Burglichtenberg muss das Kicken im Stadion zur Burg ganz einfach großen Spaß machen. Die Freude aber wird vor allem Stürmern schnell getrübt, sobald sie beim Vorstoß in „Däler“ Gefilde auf den Mann mit der Nummer 3 treffen. An dem hat sich so mancher Offensivakteur bereits die Zähne ausgebissen.
Bälle streicheln und bei Standards zwirbeln, das Zaubern mit dem Spielgerät, das ist nicht eben seine große Stärke. Das weiß er selbst nur zu gut. „Technisch bin ich nicht so stark“, räumt Johannes Sorg gern ein. Ausdrücklich nach Stärken – und Schwächen – gefragt, nennt der 28-Jährige übrigens im Gespräch die „Baustellen“ mit Verbesserungsbedarf zuerst: Dass Sorg seine Schwächen beleuchtet, ehe er auf Stärken zu sprechen kommt, auch dies sagt ja so einiges aus ...
Das zeugt von der Fähigkeit zur Selbstkritik, von gewisser Bescheidenheit, von Reflexionsvermögen; mithin Eigenschaften, die Sorg wohl keiner absprechen wollte. Nicht von ungefähr haben die Mannschaftskameraden den Defensivakteur des in der A-Klasse spielenden Klubs wiederholt zu ihrem Spielführer gewählt.
Die TSG ist ein Stück Heimat
Beruflich ist Sorg bei Wipotec in Kaiserslautern tätig – einem Hightech-Unternehmen für Wäge- und Prüftechnologie, das international agiert und etwa mit selbst entwickelten Anlagen für die Inspektion und Qualitätskontrolle von allen erdenklichen bereits verpackten Produkten sogar zu den Weltmarktführern zählt. Der sichere und gute Job bringt es mit sich, dass Sorg werktäglich pendeln muss. Das wird so bleiben, denn der Reichweilerer gehört zu den Bodenständigen, hat in seinem Heimatort ein Haus gekauft, wie er sagt. Auch das erfordert Zeitaufwand: Während der Pandemie-Zwangspause war es Sorg jedenfalls nicht langweilig.
Jetzt aber „wird’s wirklich Zeit“, dass der Ball wieder roll. „Hofft doch jeder, oder?“, sagt der 28-Jährige, der mit der TSG wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen ist. Thallichtenberg betrachtet der Reichweilerer als seine sportliche Heimat. Seit Junioren-Tagen ist Sorg schon für die „Däler“ am Ball. „In Reichweiler war ja nichts mehr“, in der Folge war die Jugend des einstigen SV Blau-Weiß im Nachbarort Pfeffelbach am Ball, bis auch der FC an einer Jugendspielgemeinschaft nicht mehr vorbeikam und mit den Thallichtenbergern ins Boot stieg.
Schluss mit Hauruck-Fußball
Im letzten Junioren-Jahr war Sorg teilaktiviert worden – und dann mal in Reihen der Zweiten Mannschaft im Einsatz. Aber nicht lang. Schnell stieg der Abwehrmann in die Erste auf, zählte bald zum Stammpersonal. Auf die Idee, den Klub zu wechseln, ist er nicht gekommen – die TSG ist für Sorg seither sportliche Heimat.
Die größten Schritte habe er damals bei Sebastian Strauß gemacht. „Hauruck und Hauptsache, die Bälle weg“ – diese Maxime habe ihm der damalige Spielertrainer Strauß ausgetrieben, sagt Sorg rückblickend. Statt nur das Tor zu verteidigen auch mal was für den Aufbau zu tun, hatte der Coach gefordert – und in dieser Hinsicht habe er sich merklich verbessert. „Ich könnte aber bei Ballbesitz noch ruhiger werden“, bekennt der heutige Käpt’n lachend.
Seine Stärken aber sind es, die Sorg die ungemeine Konstanz verleihen, die er seit Jahren an den Tag legt: Er beißt sich rein, kann über seine stete Kampfbereitschaft auch mal an einem weniger guten Tag ins Spiel finden – und damit der Mannschaft helfen. „Das sieht dann nicht immer elegant aus“, weiß er selbst am besten, „ist aber effektiv“. Klar: Stehen die Techniker und die Schönwetterkicker mal mit dem falschen Fuß auf, stehen sie eben oft auch bis zum Schlusspfiff auf verlorenem Posten. Das gilt für die Kämpfer weniger.
Teamgeist schreibt Sorg groß
Während der Pandemie-Pause hat der sonst fitte Sorg nicht zuletzt wegen der Arbeit am Haus ein bisschen geschlampt, wie er zugibt – obwohl er normalerweise schon oft Laufen geht, sich für solche Sonderschichten nicht aufraffen muss. Sich fit zu halten, beim Laufen oder auch mit Krafttraining, nimmt einen Teil seiner Freizeit ein.
Eine andere wichtige Beschäftigung trägt zum Schutz der Mitmenschen bei: Sorg ist bei der Feuerwehr – und beweist dabei Einsatzbereitschaft immer dann, wenn’s wirklich zählt. Angesichts der Tragweite möglicher Gefahren-Szenarien, mit denen Wehrleute so konfrontiert werden können, sind brenzlige Szenen im Strafraum ja geradezu unbedeutend. Doch auch wenn’s im Burglichtenberger Strafraum brenzlig wird, haut der Innenverteidiger alles raus. Der Unterschied: Auf dem Platz muss er nicht erst aus- und anrücken, sondern ist meistens schon da.
Bei Feuerwehr wie Fußball gilt: Einer allein bewältigt die Herausforderungen nicht. Funktionieren kann es nur im Team. Teamgeist schreibt der 28-Jährige ohnehin groß. In der Mannschaft hat sein Wort gewicht. Da kann er übrigens auch mal laut werden, wie er bekennt – „auf dem Platz sowieso, aber auch in der Kabine“. Klar, dort hat Trainer Fabian Schmidt das Sagen. Aber Sorg sieht es als seine Aufgabe an, ebenfalls den Mund aufzumachen, wenn’s denn nicht so läuft.
Auch in Halbzeit drei gefragt
Seine Art kommt an. „Ich habe schon immer gerne mit Älteren zusammengesessen“, bekennt Johannes Sorg – und pflegt bis heute die Gewohnheit, sich nach Spielschluss mit Altgedienten früherer Spielergenerationen, mit engagierten Mitgliedern, mit Fußballfreunden des Vereins zusammenzusetzen und die „dritte Halbzeit“ zu begehen. Auch dieses integrative Wirken passt einfach bestens zu diesem „Däler“ Mannschaftskapitän, der beileibe nicht nur auf dem Feld als Mister Zuverlässig gilt.
Die Serie: Der Käpt’n
Sie gelten häufig als verlängerter Arm des Trainers auf dem Platz, übernehmen Verantwortung, setzen sich besonders für ihre Mannschaft ein, auch, wenn es brenzlig wird: die Kapitäne. In der Serie stellen wir die Männer und Frauen mit der Binde am Arm – auch abseits des Rasens – vor.