Vor der Wahl
Blick in die Ortsgemeinden (IV): Welche Ortsbürgermeister machen weiter?
St. Julian. Das ging damals schnell: Zum Nikolaustag – fast exakt ein halbes Jahr nach der anstehenden Kommunalwahl, jährt es sich zum zehnten Mal, dass Philipp Gruber das Amt des Ersten Beigeordneten angetreten hat. Schon vier Monate später, Anfang April 2015, wurde er zum Ortsbürgermeister St. Julians ernannt. Nun wird Gruber, wie er schon beim Neujahrsempfang verkündet hatte, erneut antreten. Mit ihm wollen, so jüngst der Stand, zehn Mitglieder des Rats erneut Verantwortung übernehmen. Insgesamt haben auf einer Liste 21 Personen Interesse bekundet, sich bei der zweiten Personenwahl nach 2019 wählen zu lassen. Gruber blickt nicht ohne Stolz auf die zehn Jahre zurück. Vieles sei angepackt und verwirklicht worden – glücklich macht ihn der barrierefreie Mehrgenerationenplatz, der sich – nach acht Jahren von der Idee bis zur Umsetzung – großer Beliebtheit erfreue. Eines will Gruber versprechen: „Da sind wir noch lange nicht fertig ...“
Wiesweiler. Ingfried Klahr macht nun wahr, was er schon nach seiner Wahl vor fünf Jahren angekündigt hat. Nach 35 Jahren in der Kommunalpolitik und davon nicht weniger als 30 im Amt des Ortsbürgermeisters sieht er die Zeit gekommen, den Staffelstab weiterzugeben. An wen, das sei noch völlig offen. Doch geht Klahr davon aus, dass auch ohne Urwahl-Kandidat das Amt nicht unbesetzt bleiben wird. Auf einiges blickt Klahr mit Stolz zurück, betont jedoch, dass dabei stets der Rat hinter ihm gestanden habe. Er habe das Glück gehabt, Unterstützung zu erfahren und sich auf meist einstimmige Beschlüsse stützen zu können. So sei es gelungen, alle Gemeindestraßen mit wiederkehrenden Beiträgen weitgehend zu sanieren. Geklappt habe auch die Sanierung der gemeindeeigenen Glanbrücke samt Radwegeverbindung nach Lauterecken. Dabei hat sich die Gemeinde 600.000 D-Mark an Kosten für eine Notbrücke sparen können. Die Gaststätte sei zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut, ein Hochwasserschutzkonzept erstellt worden. Angestoßen sind Freiflächen-Photovoltaik auf Gemeindeareal, die Sanierung des Ortskerns und – ein Pfund – das Nahwärmenetz in Kooperation mit den Stadtwerken Kusel. Ab Spätsommer 2025 sollen die ersten Bürger mit Nahwärme heizen können. Ärgerlich sei unter anderem, dass sich ein Neubaugebiet mit Unterstützung eines Privatinvestors nicht wie erhofft gestalte. Eine Sache für die Nachfolger – auch zwei Ratsmitglieder scheiden aus –, die in Personenwahl bestimmt werden.
Kreimbach-Kaulbach. „Als Bürgermeister ist man sieben Tage die Woche im Dienst und immer Ansprechpartner für alle Anliegen“: Ob er diese hohe Belastung mit nun 65 Jahren noch fünf Jahre durchhalten würde, mag Werner Gillmann bezweifeln. Das sei der Grund, warum er nicht noch einmal antritt für ein Amt, das mehr als einem Halbtagsjob gleichkomme. 25 Jahre war Gillmann gefordert, davon fünf Jahre lang als Ortschef und zehn als Beigeordneter. In seiner Amtszeit seien zwei Ortsstraßen saniert worden, die Erdaushub-Deponie stehe vor der Fertigstellung. Eine Photovoltaik-Freiflächenanlage ist am Netz, ein Windrad folgt. Weitere sind bereits in der Genehmigungsphase – so lasse sich die finanzielle Lage der Gemeinde etwas verbessern. An fehlenden Mitteln sei indes das große Vorhaben gescheitert, die Gemeinschaftshalle energetisch zu sanieren. Von einem Nachfolgekandidaten ist dem scheidenden Ortsbürgermeister bislang nicht bekannt. Aus dem Rat verabschieden sich wohl fünf Personen, drei neue Kandidaten stehen parat. Wer bei der reinen Personenwahl gewählt werden möchte, darüber informiert im Ort eine Liste.
Nußbach. „Ich habe noch einiges vor als Ortsbürgermeister“, sagt Ronald Schwarz – und bekundet damit nur zu deutlich, dass er sich im Juni ein weiteres Mal der Wahl stellen wird. Es wäre seine zweite Amtsperiode als Bürgermeister. Vor 2019 hatte Schwarz bereits 15 Jahre lang im Rat Verantwortung mitgetragen. Als Erfolg wertet der Ortschef, dass ein Lebensmittelgeschäft im Ort gehalten wurde. Gelungen war dies, indem die Gemeinde das Gebäude kaufte, das das Geschäft beherbergt. Seit 2022 sei Nußbach wieder Maßnahmenschwerpunkt-Gemeinde in der Dorferneuerung. Was Schwarz weniger freut: Ein Projekt aus dem Maßnahmenkatalog – ein Mehrgenerationenplatz – sei abgelehnt worden. In Nußbach ist Personenwahl vorgesehen, was Schwarz nach eigenem Bekunden sehr begrüßt.
Theisbergstegen. Stefan Klein wirft nach zehnjähriger Amtszeit als Ortsbürgermeister von Theisbergstegen seinen Hut nicht mehr in den Ring – er wird nicht zur Wahl am 9. Juni antreten. Das hängt dem 60-Jährigen zufolge überwiegend mit privaten Gründen zusammen. „Die finanzielle Knebelung der Kommunen durch die Landesregierung, die uns quasi keinerlei Handlungsspielraum mehr lässt, hat mich in meiner Entscheidung noch bestärkt.“ Einen Nachfolgekandidaten beziehungsweise -kandidatin gebe es nach seinem Kenntnisstand derzeit noch nicht. Etwa die Hälfte der aktuellen Ratsmitglieder hätten ihm gegenüber Bereitschaft signalisiert, sich wieder zur Wahl zu stellen. Stolz ist Klein vor allem auf ein Projekt aus seiner Amtszeit: „Die Befestigung der Wege auf dem Friedhof und der Glasfaserausbau in der Gemeinde, obwohl der noch nicht ganz abgeschlossen ist.“ Was ihn noch immer etwas wurmt: „Ich hätte gerne einen Bolzplatz für die Kinder errichtet und ein neues Neubaugebiet erschlossen“, teilt der Ortsbürgermeister mit.
Rathsweiler. Siegmund Steiner möchte gerne Ortsbürgermeister von Rathsweiler bleiben. Der 59-Jährige steht seit 2016 an der Spitze der 143 Einwohner zählenden Gemeinde in der Kreismitte. Das Amt bereite ihm Freude, zudem wolle er nicht, dass die Gemeinde verwaltet werde, teilt Steiner seine Beweggründe für den erneuten Antritt zur Wahl mit. Andere Kandidaten stehen ihm zufolge nicht zur Verfügung, jedoch wollten auch die aktuellen Ratsmitglieder weitermachen. Die derzeit laufende Dorfmoderation entwickele sich ganz gut, sagt der Rathsweilerer. Zudem versuche die Ortsgemeinde, in der es eine reine Personenwahl gibt, eine Photovoltaik-Anlage zu erhalten. Projekte, bei denen er sich geärgert habe, dass sie nicht geklappt haben, gibt es dem Ortsbürgermeister zufolge keine.
Dittweiler. Winfried Cloß feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Jubiläum als Dittweilerer Ortsbürgermeister. Mit dieser runden Zahl an Amtsjahren soll aber noch nicht Schluss sein. Der 68-Jährige will am 9. Juni erneut zum Ortsoberhaupt gewählt werden. In einer Dekade sind einige Projekt zusammengekommen, auf die Cloß stolz zurückblickt. Zum einen konnte unter anderem das Bürgerhaus samt Außengelände barrierefrei ausgebaut werden, zum anderen entstand ein Mehrgenerationenplatz am Römerweiher. Das Wanderwegenetz „Rund um Dittweiler“ entstand ebenfalls in seiner Amtszeit. „In eigener Regie!“, wie Cloß betont.
Selchenbach. Dieter Edinger wird seinen Hut nicht mehr in den Ring werfen, für den 70-Jährigen ist nach fünf Jahren als Ortsbürgermeister von Selchenbach Schluss. Er habe schon länger darüber nachgedacht, nach dieser Amtsperiode aufzuhören. Die politische Entwicklung in den vergangenen Wochen und Monaten habe ihn letztlich in diesem Entschluss bestärkt. Ortsbürgermeister und Ratsmitglieder stünden schließlich an vorderster Linie, müssten manche Dinge erklären, die sie selbst nicht gut finden. Zwei Ratsmitglieder wollten ebenfalls aufhören, bei den anderen wisse er es noch nicht. Die Projekte, die er in seiner fünfjährigen Amtszeit angestoßen habe, seien noch nicht abgeschlossen. Was ihn aber noch immer wurmt: dass die geplante Windkraftanlage wegen eines Grundstücks nicht zum Abschluss kommt. „Da hängen wir seit zwei Jahren in der Luft“, sagt Edinger. „Dabei ist das Geld, das der Kommune sehr helfen würde.“
Breitenbach. Breitenbachs Ortsbürgermeister Johannes Roth will im Juni zum zweiten Mal zum Ortsoberhaupt gewählt werden – trotz all des Stresses. „Es ist schon viel, das muss man ehrlich sagen. Ich kann verstehen, wenn das jemand nicht mehr will“, sagt Roth über das zeitintensive Ehrenamt. In seiner seit 2019 laufenden Amtszeit konnte Roth einige Projekte in seiner Gemeinde vorantreiben und umsetzen. Besonders stolz ist er, dass viele davon durch die Unterstützung von Ehrenamtlichen möglich waren. So seien beispielsweise Pflanzaktionen und Verkehrssicherungen an Bäumen durchgeführt worden, ohne dass es die Ortsgemeinde Geld kostete. „Ich bin froh um jeden, der im Dorf hilft und sich engagiert“, betont der Ortsbürgermeister.
„Ich bin auch froh, wieder jemanden für unsere Gaststätte gefunden zu haben“, ergänzt Roth. Über gescheiterte Pläne ärgere er sich nicht, allerdings bringe mittlerweile alles einen sehr großen bürokratischen Aufwand mit sich.

Wahlen Rheinland-Pfalz 2024: So hat die Pfalz gewählt
Verfolgen Sie live den aktuellen Stand der Auszählungen in unseren interaktiven Karten und Grafiken: Oberbürgermeister, Bürgermeister, Gemeinderäte, Kreis- und Stadträte, Bezirkstag - bei den Wahlen am 9. Juni könnte die Kommunalpolitik in Rheinland-Pfalz umgekrempelt werden. Foto: dpa /Jacob Schröter