Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Steuererhöhung bereitet Gastronomen Sorgen

Auf einen Besuch im Lieblingslokal werden ab Januar womöglich einige Gäste verzichten.
Auf einen Besuch im Lieblingslokal werden ab Januar womöglich einige Gäste verzichten.

Ein Restaurantbesuch könnte im kommenden Jahr teuer werden. Dann endet die befristete Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen. Nicht nur Kunden sind betroffen. Vor allem Gastronomen leiden unter der Besteuerung. Droht vielen sogar das Aus?

„Uns stehen schwierige Zeiten bevor“, glaubt Norbert Brueggemann, Restaurantleiter des HotelsPfälzer Hof in Enkenbach-Alsenborn, mit Blick auf die kommenden Monate. Er ist einer von vielen Gastronomen aus dem Kreis Kaiserslautern, die sich mit der möglichen Mehrwertsteuererhöhung auf Speisen auseinandersetzen müssen. Noch ist die Erhöhung zwar keine beschlossene Sache, aktuell deutet aber vieles darauf hin, dass die zur Corona-Krise eingeführte Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen in Restaurants und anderen Lokalitäten nicht verlängert wird.

Aus sieben Prozent werden dann wieder 19. Für viele Restaurants und Gastronomiebetriebe könnte das das Aus bedeuten, glaubt Anna Roeren-Bergs, Landesgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). So weit will Brueggemann nicht gehen, dennoch befasst er sich bereits jetzt mit den möglichen Auswirkungen auf seinen Betrieb.

Höhere Kosten für Gastronomen

„Es ist wie ein Hamsterrad. Wir haben bereits Pesonalmangel, eine Baustelle vor der Tür und im kommenden Jahr steigen dann die Energiekosten und die Mehrwertsteuer“, sagt der Restaurantleiter. Steigende Kosten für die Gastronomen bedeuten gleichzeitig höhere Preise für Kunden. Frank Fischer, Betreiber des Hotels und Landgasthauses Pfeifertal in Eulenbis stellt erste Rechnungen auf: „Wenn eine Rechnung vorher 100 Euro betrug, dann wird der Gast zukünftig 115 bis 120 Euro zahlen.“

Ein Schnitzel werde wohl 1,50 Euro oder zwei Euro teurer werden, glaubt Fischer. Der Gastronom war glücklich über die Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen auf sieben Prozent. Dadurch habe er viele Arbeitnehmer halten und auch das schleppend anlaufende Geschäft 2021 und die Corona-Krise überstehen können.

Trotz Corona erfolgreich

Jens Schmitt-Zöllner, Koch und Betreiber des LandgasthausesPörrbacher Hof, kann sich indes nicht über zahlende Kundschaft beklagen. Im Gegenteil. Sein Restaurant sei jeden Tag ausgebucht, berichtet er. „Seit Corona habe ich das Doppelte an Geschäft. Die Konkurrenz ist weniger geworden und die Gäste haben vielleicht auch Angst vor einem neuerlichen Lockdown und kommen dann gerne“, berichtet er.

Schmitt-Zöllner selbst habe trotz der Senkung auf sieben Prozent Mehrwertsteuer mit 19 Prozent kalkuliert und deswegen auch keine Sorgen. „Ich mache mir da nicht so viele Gedanken im Vorfeld“, sagt er. Weder seine Mitarbeiter müssten sich um die Zukunft fürchten, noch die Gäste ob einer Preiserhöhung. „Die Preisaufschläge werden sich im Rahmen halten“, meint Schmitt-Zöllner.

5000 Arbeitsplätze auf der Kippe

Anderen Gastronomiebetrieben droht hingehen Schlimmes. „Aus unseren Umfragen wissen wir, dass es allein in Rheinland-Pfalz zu einem Aus für 1000 Betriebe und damit einem Verlust von 5000 Arbeitsplätzen führen wird“, erklärt Roeren-Bergs. Um eine mögliche Welle der Entlassungen zu verhindern, werde es wohl zu vermehrten Preissteigerungen kommen und die Gäste werden die zwölf Prozent ausgleichen müssen, vermutet die Landesgeschäftsführerin der Dehoga.

Auch die Betreiberin des Landgasthofs Zum Schwan in Trippstadt, Anne Schmitt, wird die Preise für das Essen anziehen müssen. „Aber wir versuchen, die Steigerung gering zu halten“, sagt Schmitt. Die Qualität solle nicht darunter leiden. Daher könne es sein, dass im Landgasthof vermehrt auf Regionalität gesetzt und die Speisekarte verkleinert werde, erläutert sie. Dass Schmitt kreativ sein kann, hatte sie bereits während der Corona-Krise bewiesen.

Essen zum Mitnehmen

„Das Essen-to-go hat funktioniert und ist zum Teil sogar geblieben“, berichtet Henzelmann, Rezeptionistin im Landgasthof Zum Schwan. Burger, die jeden Samstag frisch gemacht werden, kämen nach wie vor gut an. Anders sehe es bei den Gänsen aus. „Wir haben weniger Gans verkauft. Die Preiserhöhung war enorm“, so die Rezeptionistin.

Nicht nur die Erhöhung der Mehrwertsteuer, auch die Mindestlohnerhöhung mache dem Restaurant und Hotel zu Schaffen, sagt Schmitt. „Der Lohn muss natürlich dann auch für alle angepasst werden, sonst wäre das unfair“, betont Schmitt. Ihre Mitarbeiter müssten trotzdem keine Angst um ihre Jobs haben. Drei Festangestellte und eine selbstständige Köchin werden sicher bleiben. Circa zehn Aushilfen, die als Midi- oder Minijobber arbeiten, seien vermehrt im Sommer – zu den Stoßzeiten – im Einsatz und bei Bedarf.

Straßenausbau macht Probleme

Ganz andere Gedanken macht sich derzeit Franca Montelione. Sie ist Betreiberin des italienischen Restaurants Da Rosario in Hochspeyer. „Der Straßenausbau vor der Tür von Hochspeyer sorgt dafür, dass viele aus der Richtung Fischbach und Frankenstein nicht mehr nach Hochspeyer fahren, um bei uns Essen zu gehen“, berichtet Montelione. Dies sei auch mit ein Grund, warum die Umsätze zuletzt nach unten ginge.

Nun kommen die Erhöhung der Mehrwertsteuer und die des Mindestlohnes hinzu. Montelione muss kreativ werden – und das versucht sie auch. Eine Anhebung der Preise kommt für Montelione aktuell nicht in Frage. „Es bleibt mir nichts anderes übrig, als die Portionen zu verkleinern. Die Qualität soll bleiben“, erklärt sie.

Nicht nur Restaurants betroffen

Die Erhöhung der Mehrwertsteuer betrifft nicht nur Restaurants, sondern alle Betriebe, die Speisen anbieten, die vor Ort verzehrt werden können. Dementsprechend wird auch das Essen in Kantinen, Alten- und Pflegeheimen sowie in Krankenhäusern und Schulen mit 19 Prozent besteuert werden. All denen empfiehlt Anna Roeren-Bergs zu einem offenen Umgang mit den Preisen. „Die Betriebe sollten transparent gegenüber dem Gast sein.“

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