Mehlingen RHEINPFALZ Plus Artikel Steinewerfer: Warum eine Sperrung der Brücke nicht in Frage kommt

An dieser Brücke über die A63 bei Mehlingen gab es in den vergangenen neun Jahren zehn Wurfattacken.
An dieser Brücke über die A63 bei Mehlingen gab es in den vergangenen neun Jahren zehn Wurfattacken.

Dass es an der Brücke über die A63 bei Mehlingen immer wieder zu gefährlichen Wurfattacken kommt, treibt die Menschen in der Gemeinde um. „Es ist einfach nur furchtbar, wenn man die Leute nicht schützen kann“, sagt Ortsbürgermeisterin Monika Rettig. Doch resigniert hat sie (noch) nicht.

Insgesamt zehnmal seit 2013 wurden an der Mehlinger Autobahnbrücke bereits Verkehrsteilnehmer durch Steinewerfer gefährdet – zuletzt mit schlimmen Folgen. Während es in den Vorjahren immer wieder zu Unfällen mit teils hohen Sachschäden kam, weil Hölzer, Steine, ja sogar mal eine Sitzbank auf der Autobahn landeten, wurde am 27. April erstmals ein Mensch durch die Attacken schwer verletzt: Ein 38-jähriger Motorradfahrer sah sich am späten Abend bei seiner Fahrt in Richtung Kaiserslautern an der Brücke plötzlich mit 20 Rundhölzern konfrontiert, die vor seiner Maschine auf der Fahrbahn lagen. Der Biker konnte dem plötzlichen Hindernis nicht mehr ausweichen, stürzte und zog sich mehrere Knochenbrüche zu.

Versuchter Mord

Die Staatsanwaltschaft ermittelt seither nicht mehr wie in der Vergangenheit nur wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, sondern hat den Fall rechtlich nun zum versuchten Mord hochgestuft. Doch erst muss sie der Täter habhaft werden. Trotz mehrerer Zeugenaufrufe gibt es nach Aussage des Polizeipräsidiums Westpfalz keine neuen Erkenntnisse, wer da an der Autobahnbrücke sein Unwesen treibt.

Zwar keine heiße Spur oder gar Beweise, aber den ein oder anderen Verdachtsmoment gebe es schon, sagt Ortsbürgermeisterin Monika Rettig. Sie vermutet, dass „es sich um Jugendliche aus dem näheren Umkreis“ handeln könnte. Im Ort gebe es auch immer wieder Sachbeschädigungen, etwa auf Spielplätzen. An der Mehrzweckhalle seien zudem neue Scheiben zertrümmert worden – für die ohnehin nicht reiche Gemeinde entstand ein Sachschaden von über 8000 Euro. Ob es da einen Zusammenhang zu den Vorfällen an der Autobahnbrücke gebe, kann Rettig freilich nicht sagen. Die SPD-Politikerin will aber gemeinsam mit dem Jugendsozialarbeiter der Verbandsgemeinde verstärkt den Kontakt zu Jugendlichen suchen: „Da gibt es offenbar viel Frust, aber die finden den Weg nicht zu uns“, bedauert sie und möchte herausfinden, „was der Jugend fehlt, dass sie so dummes Zeug macht.“

Die wiederholten Wurfattacken von der Brücke seien „natürlich ein Thema im Ort“. Bei Zusammenkünften werde sie immer wieder darauf angesprochen, berichtet die Ortsbürgermeisterin. „Doch wir wissen leider nicht, wie wir das Problem in den Griff kriegen sollen.“ Gemeinsam mit ihrem Mann fahre sie öfter an der Brücke „Streife“, ebenso das Ordnungsamt und auch die Polizei. „Wir sind alle sensibilisiert für das Thema“, betont Rettig und hofft wie die ermittelnden Beamten auf Hinweise aus der Bevölkerung auf die Täter. „Auch anonyme Hinweise sind willkommen“, sagt sie.

Warum eine Sperrung der Brücke nicht in Frage kommt

Die Brücke ist nur einen Katzensprung vom Mehlinger Gewerbegebiet entfernt und Teil des Heidewegs. Der rund vier Kilometer lange Rundweg startet auf dem Parkplatz des Entsorgungsunternehmens Jakob Becker GmbH, führt über die Autobahnbrücke und danach am alten jüdischen Friedhof vorbei, immer der Markierung „Eule“ folgend durch das Naturschutzgebiet Mehlinger Heide. „Die Heide ist unser touristisches Highlight“, betont Rettig, dass eine Sperrung der Brücke nicht in Frage komme. Und von den Besuchern, die gerade zur Heideblüte im August scharenweise den früheren Truppenübungsplatz durchstreifen einmal abgesehen, ist die Brücke auch wichtig für die Sicherheit im Mehlinger Ortsteil Baalborn, berichtet Rettig: „Falls die L401 gesperrt ist, ist die Brücke Teil der Notzufahrt für Feuerwehr und Sanitätsdienst.“

Daher müsse eine andere Lösung gefunden werden, sagt die Ortsbürgermeisterin. „Wildkameras zur Überwachung wären toll.“ Doch eine Kameraüberwachung hatte die Staatsanwaltschaft aus datenschutzrechtlichen Gründen bereits ausgeschlossen, wie die Polizei im Mai auf RHEINPFALZ-Anfrage mitteilte. Rettig versteht dies nicht: „Der Datenschutz geht hier zu weit“, findet sie und fragt: „Wer schützt die Autofahrer, wenn wieder was passiert?“

Bundesverkehrsministerium prüft und bleibt Antwort schuldig

Darauf ist das Bundesverkehrsministerium in Berlin bislang eine Antwort schuldig geblieben. Wie der Sprecher der dem Ministerium unterstellten Autobahn GmbH Niederlassung West, Klaus Kosok, bereits Mitte Mai mitteilte, werde intensiv juristisch geprüft, was machbar sei. Ob und was dabei konkret herausgekommen ist, konnte die RHEINPFALZ trotz mehrfacher Anfragen aber auch nach vier Wochen nicht in Erfahrung bringen. Offenbar wird noch immer geprüft, denn am Mittwoch kam schließlich eine E-Mail mit folgender Aussage: „Wir sind hierzu im Austausch mit der Polizeiautobahnstation Kaiserslautern und prüfen, welche Sicherheitsmaßnahmen am Bauwerk kurzfristig möglich und geboten sind.“

Die Brücke ist Teil des Wegs durch die Mehlinger Heide, den touristischen Anziehungspunkt der Gemeinde.
Die Brücke ist Teil des Wegs durch die Mehlinger Heide, den touristischen Anziehungspunkt der Gemeinde.
„Es ist einfach nur furchtbar, wenn man die Leute nicht schützen kann“, sagt Ortsbürgermeisterin Monika Rettig.
»Es ist einfach nur furchtbar, wenn man die Leute nicht schützen kann«, sagt Ortsbürgermeisterin Monika Rettig.
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