Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Schwimmunterricht an Schulen: Oft nicht möglich

Es fehlt an Wasserfläche: Schwimmunterricht wird in vielen Schulen nicht angeboten, obwohl er laut Bildungsministerium „zum Kano
Es fehlt an Wasserfläche: Schwimmunterricht wird in vielen Schulen nicht angeboten, obwohl er laut Bildungsministerium »zum Kanon des Sportunterrichts« gehört. Grund sind lange Strecken zum nächstgelegenen Bad oder fehlende Wasserzeiten.

Schwimmen zu können, kann Leben retten. Früher gehörte es dazu, dass Kinder die Technik, sich sicher im Element Wasser bewegen zu können, von ihren Eltern oder im Schwimmkurs beigebracht bekamen. Heutzutage haben auch Schulen den Auftrag, Schwimmunterricht zu geben. Diesem aber können sie oft nicht nachkommen.

Die Schwimmstunde der Schüler der Hans-Zulliger-Schule in Enkenbach-Alsenborn beginnt mit einer Taxifahrt. Zehn Minuten dauert der Transport von der Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen bis zum Lehrschwimmbad der Polizei im gleichen Ort. Nach dem Umziehen und bevor es wieder zurück zur Schule geht, bleiben 45 Minuten im Wasser. „Wir sind froh, dass wir die haben“, sagt Schulleiterin Silke Steig-Flick.

Denn seit dem Schuljahr 2019/20 konnten die Enkenbacher bis jetzt gar keinen Schwimmunterricht mehr anbieten. Erst habe die Corona-Pandemie sie ausgebremst, dann die Anforderungen der Polizei. Diese habe nämlich gefordert, dass die Sportlehrer, die mit den Kindern in das Polizeibad kommen, das Deutsche Rettungsschwimmerabzeichen in Silber haben müssten, das nicht älter als zwei Jahre sein dürfe. Vor allem die Aktualität sei der Knackpunkt gewesen. Mittlerweile aber hätten drei Kollegen ihre Kenntnisse wieder aufgefrischt – in ihrer Freizeit übrigens – und das Abzeichen erneut abgelegt, sodass ab diesem Schuljahr wieder Schwimmen auf dem Stundenplan der Hans-Zulliger-Schule steht. Davon profitieren bis zu den Herbstferien zunächst die Fünftklässler, bis zum Schuljahresende sollen aber alle 100 Schüler, verteilt auf neun Klassen, einmal ins Wasser gekommen sein.

Gerade für die Förderschüler sei Bewegung enorm wichtig, macht die Schulleiterin klar, dass der Sportunterricht generell und das Schwimmen insbesondere einen hohen Stellenwert an ihrer Einrichtung habe.

Schüler sollen zu sicheren Schwimmern werden

Grundsätzlich gehört „Schwimmunterricht in allen Schularten zum Kanon des Sportunterrichts“. Das stellt das Bildungsministerium in Mainz auf eine Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Marcus Klein (CDU) aus Ramstein-Miesenbach klar. „Schwimmen ist eine lebensrettende motorische Fertigkeit“, heißt es dort zur Begründung, warum das so ist. Auf RHEINPFALZ-Nachfrage erläutert das Bildungsministerium die Ziele des Schwimmunterrichts in Grundschulen: Alle Schülerinnen und Schüler sollen dort die Befähigung zum sicheren Schwimmen vermittelt bekommen. Auch Klein findet, dass alle Kinder schwimmen lernen sollten. Er weiß aber auch, dass die meisten Schulen Schwimmen nicht anbieten. Und dies nicht, weil sie es nicht wollen, sondern weil sie es nicht können. „Die Schulen und die Lehrkräfte würden es gerne anbieten, so sind zumindest die Rückmeldungen, die ich habe. Es scheitert aber an organisatorischen Dingen – es fehlen Schwimmbäder, insbesondere Hallenbäder in erreichbarer Entfernung, mit ausreichend Wasserfläche für die Schulen“, so Klein.

Das deckt sich mit den Angaben, die die Schulen selbst machen. Von 28 Grundschulen im Landkreis Kaiserslautern haben gerade einmal sechs im vergangenen Schuljahr Schwimmunterricht anbieten können. Von den übrigen 22 nennt die Hälfte eine zu große Entfernung zu einem Schwimmbad als Grund für den Ausfall. Zweithäufigster Grund ist fehlende Wasserzeit.

Fehlende Wasserzeit ist ein Problem

Dass dem so ist, weiß Klein aus eigener Erfahrung als Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach, die mit dem Freizeitbad Azur das einzige verbliebene Hallenbad im Landkreis betreibt. „Wir könnten deutlich mehr Schulen ein Angebot machen, haben aber keine verfügbaren Zeiten mehr“, berichtet Klein. Auch schwimmsporttreibenden Vereinen und Anbietern für Wassergewöhnungskurse, die bei ihnen anfragten, müssten sie regelmäßig Absagen erteilen. „Wir platzen aus allen Nähten.“

Freibäder zu nutzen, von denen es noch deutlich mehr in der Region gibt, sei insbesondere für die Schulen nur eingeschränkt möglich, gibt Klein zu bedenken und nennt als Stichworte die Ferienzeit, die sich mit der Hauptsaison der Bäder deckt, und die fehlende Planbarkeit aufgrund des Wetters. Dem widerspricht das Bildungsministerium: „In der Jahreszeit, in der Schwimmunterricht in Freibädern erfolgen kann, wird von den Schulen hiervon rege Gebrauch gemacht“, heißt es aus Mainz.

Im Kreis Kaiserslautern aber ist das die absolute Ausnahme. Nur in Miesau und Trippstadt wurde im vergangenen Schuljahr im Freibad geschwommen. Es müsste also mehr überdachte Wasserfläche zur Verfügung stehen. Aber ein Schwimmbad zu betreiben, ist kostspielig. Die oftmals hoch verschuldeten Gemeinden können sich das immer seltener leisten, denn Bäder gehören zu den freiwilligen Leistungen. Genehmigt die Aufsichtsbehörde den Haushalt einer Kommune nicht, müssen diese Leistungen als erstes gestrichen werden.

Initiative für Schwimmbäder gefordert

In Ramstein-Miesenbach ist das bislang nicht notwendig. Das Azur jedoch müsste dringend grundlegend saniert werden. Dafür hoffte die Verbandsgemeinde auf großzügige Förderungen durch das Land Rheinland-Pfalz, die bisher aber ausblieben. Um sich nicht maßlos zu verschulden, reicht das in Aussicht gestellte Fördervolumen von drei Millionen Euro in Kombination mit den eigenen Mitteln nur für eine abgespeckte Sanierungsvariante. Mehr Kapazitäten für mehr Schwimmunterricht kann damit vermutlich nicht geschaffen werden.

Vor diesem Hintergrund fragt Klein: „Wo bleibt die Unterstützung für die verbliebenen Hallenbäder und Schwimmbäder allgemein?“ Er bemängelt, dass „das Land etwas in den Lehrplan schreibt, von dessen Sinnhaftigkeit es offenbar ja überzeugt ist und trotzdem seit vielen Jahren genau weiß, dass es nicht umgesetzt werden kann“. Er würde sich in diesem Zusammenhang eine „Initiative zur Sanierung und dem Ausbau vorhandener Hallenbäder, auch unter Beteiligung des Bildungsministeriums“ wünschen, wobei er explizit nicht nur das Azur meint. Ihm sei bewusst, dass nicht alle gerettet werden könnten und auch durch eine größere Kapazität in der Halle zwar mehr Schulen, aber nur bis zu einer gewissen Entfernung versorgt werden könnten. „Aber hier hätten wir einen Träger, der ein Konzept in der Schublade hat und der mit dem kompletten VG-Rat dahinter steht“, spricht er dann doch noch einmal als Ramstein-Miesenbacher.

Land setzt auch auf Schwimmprojekte in den Ferien

Dass das Land zu wenig für den Erhalt der Bäder tue, möchte das Innenministerium so nicht stehen lassen. Rheinland-Pfalz sei im bundesweiten Vergleich bei den zur Verfügung stehenden Schwimmbädern gut aufgestellt. „Um diesen Schwimmbäderbestand zu erhalten, wurden in den Jahren 2007 bis 2022 für den Bau und die Sanierung von 114 Bädern rund 130 Millionen Euro an Zuschüssen gewährt.“ Außerdem fördere das Land Ferienprogramme, bei denen auch Schwimmkurse angeboten würden, heißt es ergänzend aus dem Bildungsressort.

In einem Flächenland könne allerdings nicht davon ausgegangen werden, dass in jedem Landesteil die gleiche Schwimmbäderdichte gewährleistet sei, gibt das Innenministerium zu bedenken. Aber auch dort, wo das nächstgelegene Schwimmbad für eine Schule nicht in günstiger Entfernung liege, würden Gespräche mit den Verantwortlichen vor Ort geführt, um mögliche Organisationsmodelle zum Schwimmunterricht zu finden, etwa in Form von Blockunterricht oder durch Schwimmprojekte in den Ferien.

Alles, was helfen könnte, die Situation zu verbessern, sollte in Betracht gezogen werden, findet Klein. Er weist noch auf ein weiteres Modell hin, nämlich den Einsatz von mobilen Schwimmcontainern, der Mitte September bei einer Anhörung im Landtag vorgestellt worden sei. Der CDU-Mann findet, dass auch darüber ernsthaft nachgedacht werden sollte, denn: „Wenn man das Thema ernst nimmt, reichen warme Worte nicht.“

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