TRIPPSTADT RHEINPFALZ Plus Artikel Saatguternte: Wie der Wald fit für trockeneres Klima werden soll

Auf dem Antonihof bei Trippstadt werden die Bucheckern gewaschen.
Auf dem Antonihof bei Trippstadt werden die Bucheckern gewaschen.

Der Wald hat 2020 enorm gelitten. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute lautet: Das Forstliche Genressourcenzentrum in Trippstadt konnte eine der größten Saatguternten einfahren. Die Saat wird in diesen Tagen auch für den Pfälzerwald der Zukunft aufgearbeitet.

Im Wald wird nicht nur Holz, sondern auch – und zwar streng gesetzlich reglementiert – Saatgut geerntet. Der Forst, genauer das Forstliche Genressourcenzentrum (FoGZ) mit Sitz in Trippstadt-Antonihof (Landkreis Kaiserslautern) ist dafür zuständig.

Saatguternte im Wald? Klingt ein wenig exotisch. Wirft so ein Baum seine Früchte nicht herab und verjüngt sich dadurch von ganz alleine? Macht er! Reicht aber nicht. Und schon gar nicht in Zeiten, in denen der Klimawandel dem Wald schwer zu schaffen macht.

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„Der Bedarf an Saatgut ist gewaltig“, spricht Patrick Lemmen, stellvertretender Leiter am FoGZ, die notwendige Wiederbewaldung der geschädigten Flächen an. Dass Hitze und Trockenheit und mit ihnen einhergehend Schädlinge wie der Borkenkäfer viel zu viele Bäume niedergestreckt und leere Flächen geschaffen haben, das ist für jeden zu sehen. Hier sät oder pflanzt der Forst nach, allerdings nur mit Saatgut oder Baumpflänzchen, die nachweislich auf regional zugelassene Bäume zurückgehen.

Kastanien-Saatgut ist derzeit sehr gesucht

Womit die Esskastanie ins Spiel kommt. Hat sich die Baumart doch selbst im vergangenen Jahr von der Witterung ziemlich unbeeindruckt gezeigt. „Mit über fünf Tonnen Erntegut wurde die größte jemals gelesene Menge bei uns eingefahren“, verweist Lemmen auf Kastanien-Saatgut, das im Zuge des Klimawandels sehr gesucht ist und innerhalb kürzester Zeit von den Sammelstellen zur Aussaat an die Baumschulen ging.

Die Ernte der „Keschde“ lief im Herbst zunächst aber nicht so rund. Früchte hingen reichlich auf den vom Gutachter-Ausschuss zugelassenen und mit einer offiziellen Registernummer versehenen Bäumen am Haardtrand und im Wasgau. „Bis kurz vor der Ernte in Eiche, Esskastanie und Rotbuche war es unsicher, ob uns genug Erntehelfer zur Verfügung stehen“, spricht Lemmen durch das Coronavirus verursachte Probleme an.

Es klappte dann doch. Der beauftragte Unternehmer hat die 20 meist türkischstämmigen Erntehelfer rechtzeitig schicken können. Sie füllten ihre Eimer – und wurden ob der vollen Eimer angepöbelt. Schließlich darf der gemeine Wanderer die „Keschde“ ja auch nicht eimerweise abschleppen. Die offiziellen Erntehelfer durften natürlich. „Die Polizei war dreimal zu Besuch“, sagt Lemmen.

Das meiste Kastanien-Saatgut ist mittlerweile, genau wie die im Pfälzerwald sowie die in Cochem an der Mosel gesammelten Traubeneichen, bereits an Baumschulen in Rheinland-Pfalz angeliefert und in die Beete gebracht worden. Einige Forstämter haben zudem Saatgut zur Direktaussaat erhalten. Das Anliefern und Aussäen in den Baumschulen wird von Patrick Lemmen und seinem Team begleitet und kontrolliert: Es darf nur das wachsen, was zuvor gezielt gesammelt wurde. Selbst die Kastanie aus Oberotterbach muss als solche gekennzeichnet wachsen, genau wie jene aus Dörrenbach, auch wenn da nur wenig Distanz zwischen diesen beiden südpfälzischen Sammelstellen liegt.

Dahinter steckt das Forstvermehrungsgutgesetz. Es verlangt, dass der Wald mit hochwertigem Samen aus garantierter Herkunft in seiner genetischen Vielfalt erhalten und verbessert wird. Oder anders formuliert: Der Forst soll Bäume nachpflanzen, die mit dem geänderten Klima besser zurechtkommen und die bestmöglich bereits in der Region wachsen. „Um hohe genetische Vielfalt zu gewährleisten, wird in verschiedenen Regionen des Landes geerntet“, erklärt Lemmen.

Außerdem werden zunehmend auch Arten gepflanzt, die gut mit der Trockenheit zurechtkommen. Dazu zählen etwa Wildobstarten, Mehlbeere, Speierling und seltenere Arten wie etwa der Französische Ahorn. Erfreulicherweise gab es davon im vergangenen Jahr eine gute Ernte. Wobei Wildobst, Speierling und Elsbeere im Raum Kusel geerntet wurden.

Bucheckern werden mit Folien gesammelt

Während Eicheln und Kastanien vom Boden gesammelt werden, wird unter ausgesuchten Buchen eine Folie gespannt, um an die Buchecker zu kommen. 2020 mussten laut Lemmen teilweise Alternativflächen ausgewählt werden, weil an manchen Standorten die Trockenheit den Buchensamen nicht ausreifen ließ. „Die gewaschene Saat liegt ausgebreitet in einem angemieteten Gewächshaus in Elmstein und wird dort täglich umgeschaufelt“, berichtet Lemmen.

Sehr viel Handarbeit gibt es auch bei der Ernte der Zapfen, die von Baumsteigern aus der Krone geholt werden. „Wir betrügen die Natur“, nennt Lemmen das Pflücken der Zapfen vor der Reife. Nur so könne sichergestellt werden, dass die kleinen Samen anschließend vom richtigen Baum auch zur Verfügung stehen. Vom Zapfen zum Samen ist der Weg dann aber mühsam. Lagern, trocknen, umschaufeln und mehrfach reinigen sind die notwendigen Arbeitsschritte, bis die winzigen Samen von Tanne, Fichte oder Douglasie vorliegen und ausgesät werden können. Die enorm hohe Samenbildung in 2020, einem Jahr mit hoher Hitze und Trockenheit, war laut Lemmen für die Bäume eine gewaltige zusätzliche Kraftanstrengung. Es bleibe abzuwarten, wie sich die Saatgutmenge 2021 entwickelt.

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