Trippstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Pferd aus Güllegrube gerettet [mit Video]

Nach 21 Stunden in der Grube ist die Stute „Fee“ wieder auf dem Hof ihrer Besitzerin.
Nach 21 Stunden in der Grube ist die Stute »Fee« wieder auf dem Hof ihrer Besitzerin.

21 Stunden steckte die Stute Fee in einer dunklen Grube im Wilensteiner Hof in Trippstadt fest. Rund 50 Helferinnen und Helfer der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks sorgten dafür, dass das Pferd befreit wurde.

Rettungsaktion geglückt. Um 13.47 Uhr am Mittwoch war es soweit: Die Stute Fee streckte ihren Kopf aus der Güllegrube im Wilensteiner Hof und lief auf den Hof ihrer Besitzerin, Jutta Draxinger. Dem Pferd geht es gut. Die Erleichterung darüber war Draxinger anzumerken. Nun konnte sie ihre 26 Jahre alte Stute wieder streicheln. „Es ist schrecklich. Ich habe die Nacht kaum geschlafen. Der Tag heute ist schlimm. Jede Minute fühlt sich wie eine Stunde an“, hatte Draxinger zuvor gesagt.

Sie war es auch, die miterleben musste, wie das Tier am Dienstagnachmittag aus ihrem Stall hinunter in die Grube gefallen war. „Irgendwie hat sie (das Pferd, Anm. d. Red.) den Deckel von der Grube aufbekommen und ist durch die schmale Öffnung – mit dem Hinterteil zuerst – in die Grube gefallen“, beschreibt die Halterin des Pferdes den Vorfall.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Tierärztin vor Ort

Gehört habe sie das Tier zwar noch, da sich in der Grube jedoch Wasser staute, konnte Draxinger die Stute nicht mehr sehen. Ein erster Versuch, das Wasser aus der Grube herauszupumpen, misslang. Ein Nachbar hatte sein Güllefass angeschlossen, doch dieses habe nicht mehr funktioniert, so Draxinger. Die alarmierten Einsatzkräfte der Feuerwehr schlossen dann Schmutzwasserpumpen an und pumpten die Grube leer, sodass Fee wieder frei stehen konnte.

Hinzu gesellte sich noch am Abend Tierärztin Katrin Antes aus Waldfischbach-Burgalben. „Nachdem überprüft wurde, dass die Luft dort unten so ist, dass ich runter kann, habe ich das Tier in Augenschein genommen“, berichtete Antes. Verletzungen oder Probleme mit der Atmung hatte sie an der Norwegerstute nicht feststellen können. Doch befreit war das Tier damit natürlich noch nicht – und das sollte auch noch einige Stunden lang so bleiben.

Ein Feuerwehrmann leistete dem verunglückten Tier während der Rettungsaktion Gesellschaft.
Ein Feuerwehrmann leistete dem verunglückten Tier während der Rettungsaktion Gesellschaft.

Erdreich muss abgetragen werden

Schließlich mussten sich die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk (THW), welches ebenfalls zur Einsatzstelle kam, erst einmal einen Überblick über die Gegebenheiten verschaffen, um herauszufinden, wie sie an die Grube kommen. „Es war schon überwältigend, da es eine recht tiefe Grube ist und wir Erdreich abtragen mussten, um überhaupt an diese Wand zu kommen“, erklärte der Sprecher des THW, Phillip Braune.

Auch andere Stellen der 30 Meter langen Grube wurden von der Feuerwehr und dem THW begutachtet. Die Retter entschieden sich letztendlich für die Bohrung auf der Stirnwand in Richtung Hofseite des Grundstücks. „Die andere Stelle war schwer anfahrbar. Sowohl für Bagger zum Heben als auch für Rettungsmittel der Feuerwehr“, sagte Braune.

Feuerwehrmann beim Tier

Nachdem die Wand frei von Efeu und anderem Gestrüpp war, starteten die Hilfsteams mit den Bohrungen und den anschließenden Sägearbeiten an der Betonwand. „Die Wand ist aber fast einen halben Meter dick. Daher war es klar, dass die Aktion einige Zeit dauern wird“, erläuterte der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr der Verbandsgemeinde Landstuhl, Thomas Jung. Damit es dem Tier auch während der lauten und dreckigen Arbeiten weiterhin gut geht, gesellte sich Feuerwehrmann Thomas Frank zu Fee.

THW-Mitarbeiter sägen an der Betonmauer um das Pferd zu befreien.
THW-Mitarbeiter sägen an der Betonmauer um das Pferd zu befreien.

Einige Stunden harrte der Feuerwehrmann und Pferdefreund an der Seite der 26 Jahre alten Stute aus, ehe er an der Seite Fees die Grube verließ. „Ich kenne das Pferd. Wir hatten Mal ein Pferd hier stehen und ich kenne mich damit aus. Es war sehr wichtig, dass jemand bei der Stute war, denn sie wollte immer nach vorne gehen“, erklärte Frank. Auch für den Feuerwehrmann war die Zeit in der dunklen, nassen Grube kein Vergnügen.

21 Stunden in der Dunkelheit

Nach gut 21 Stunden, die das Pferd in der Grube und Dunkelheit verbracht hatte, war es dann endlich soweit. Die letzten Sägearbeiten waren beendet. Nun lag es am Baggerführer des Technischen Hilfswerks, das aufgesägte Loch mit der Schaufel zu vergrößern und den letzten Betonbrocken herauszuziehen. Dann ging alles ganz schnell und das Tier trat an der Seite von „Pferdeflüsterer“ Frank auf den Hof.

Tierärztin Katrin Antes untersuchte das Pferd dann noch einmal und stellte fest: „Ihr geht es gut. Sie hat nur eine ganz kleine Verletzung über dem Auge.“ Zusammen mit Frank und Draxinger wusch sie das Pferd noch. Ein Bild mit allen Rettern durfte dann natürlich nicht fehlen. Geholfen hatten rund 50 Personen aus den Freiwilligen Feuerwehren Krickenbach, Schopp, Trippstadt, Stelzenberg, Teile der Freiwilligen Feuerwehr Landstuhl und der Berufsfeuerwehr Kaiserslautern sowie das THW das mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Ortsverbände Pirmasens, Kaiserslautern und Landau vor Ort war.

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