Sembach
Mord in Sembach: So reagierte der Tatverdächtige bei seiner Festnahme
Beim Eintreten in den Gerichtssaal bedeckte der Angeklagte sein Gesicht mit einer Zeitschrift. „Ich schäme mich“, sagte der Mann, nachdem er Platz genommen hatte. Er drehte seinen Körper vom Zuschauerraum weg. Schluchzend hörte er die Anklageverlesung. Der Handwerker aus der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn (Kreis Kaiserslautern) muss sich wegen Mordes in Tateinheit mit einem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr vor dem Schwurgericht des Landgerichts Kaiserslautern verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, im Februar 2023 in seine Ehefrau getötet zu haben. Hierfür habe er sich illegal eine Pistole besorgt. Sie habe sich im Herbst 2022 endgültig von ihm getrennt. Seitdem habe er Unterhaltszahlungen für den gemeinsamen Sohn leisten müssen.
Seine Ehefrau habe Angst vor ihm gehabt. Das von ihr und dem Sohn weitergenutzte Einfamilienhaus sei nach seinem Auszug mit Überwachungstechnik ausgerüstet worden. Daher habe er beschlossen, sie außerhalb des Hauses in eine Falle zu locken. Hierzu habe er sich am 23. Februar mit seinem Auto am Straßenrand der Sembacher (Kreis Kaiserslautern) Hauptstraße positioniert. Er habe gewusst, dass seine Frau den gemeinsamen Sohn zur Schule bringen würde.
Frau noch vor eintreffen der Rettungskräfte gestorben
Tatsächlich sei seine Frau gegen 8 Uhr auf dem Rückweg auf dieser Straße gefahren. Als der Angeklagte sie gesehen habe, habe er sein Fahrzeug gestartet und es dann stark beschleunigt. Er sei auf das Fahrzeug seiner arglosen Frau zugefahren, bis es frontal mit diesem zusammenstieß. Dennoch sei die Frau unverletzt geblieben. Nun habe der Angeklagte die mitgeführte und geladene Pistole genommen, sei aus seinen Wagen gestiegen und an die Fahrerseite des Kleinwagens getreten. Laut Anklage soll er mit einem ersten Schuss die Seitenscheibe zerstört und danach 14 Schuss in Richtung des Oberkörpers der Frau abgegeben, diese am Hals, am Rücken und an den Armen getroffen haben. Durch die Verletzungen und den hohen Blutverlust sei die Frau noch vor Eintreffen der Rettungskräfte verstorben.
Zu Polizeibeamten, die das im Zeugenstand bestätigten, soll der Angeklagte bei seiner Festnahme gesagt haben: „Ja, ich hab“s getan.“ Außerdem habe er geäußert, dass die Situation nun besser sei, auch wenn der Sohn ohne Eltern aufwachse.
Beim Blick in den Zuschauerraum brach der Beschuldigte immer wieder in Tränen aus. Zur Sache werden sich seine Verteidiger äußern, kündigten diese zu Beginn der Sitzung an.
Zeugen, die das Gericht befragte, berichteten von Knallgeräuschen und Reifenquietschen, die sie an dem fraglichen Morgen gehört hätten. Die Frau habe noch einen leichten Puls gehabt, berichteten zwei Anwohner, die als Erste beim Opfer waren. Eine Patronenhülse auf der Schulter der Frau sei ihm aufgefallen, dann weitere im und auch außerhalb des Fahrzeugs.
Polizist: Angeklagter war sich seines Handelns bewusst
Zwei Helfer der Freiwilligen Feuerwehr, die kurz darauf am Unfallort eintrafen, holten die Frau aus dem Fahrzeug und begannen mit der Reanimation. Kurz danach übernahm der Rettungsdienst.
Beide Fahrzeuge in der gleichen Fahrtrichtung, Wrackteile auf der Fahrbahn, die massiven Beschädigungen: Die Zeugen berichteten, dass ihnen die Unfallsituation komisch vorkam. Auch die Polizeibeamten schalteten vom normalen Verkehrsunfall auf einen Mordfall um, berichtete einer der befragten Polizisten. „Unn, hat “ses überlebt?“, habe der mutmaßliche Täter sie bei seiner Festnahme auf Pfälzisch gefragt. „Sinngemäß hat er gesagt, dass wir auch so gehandelt hätten wie er, wenn mit uns so umgegangen worden wäre“, schilderten die Polizisten die Worte des Angeklagten. Auf den Ehemann der Getöteten waren die Beamten über eine Halterabfrage des Autokennzeichens gekommen. Nach Angaben der Polizisten ließ er sich ohne große Gegenwehr festnehmen. Er habe einen gefassten, fast erleichterten Eindruck gemacht. Er habe ruhig, zeitlich und räumlich orientiert gewirkt. „Ich hatte den Eindruck, dass sich der Tatverdächtige seines Handelns sehr bewusst war“, so einer der Polizeibeamten.
Bis Mitte August sind noch weitere acht Verhandlunsgtermine angesetzt.
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