Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Haben die Bauernproteste etwas gebracht?

Mit einem großen Feuer machten die Landwirte unter anderem in Martinshöhe auf sich aufmerksam.
Mit einem großen Feuer machten die Landwirte unter anderem in Martinshöhe auf sich aufmerksam.

Nachgefragt: Was haben die Bauern-Demos gebracht und wo drückt der landwirtschaftliche Schuh in der Region tatsächlich? Antworten auf diese Fragen gibt Jürgen Vogelgesang, Vizepräsident des Bauern- und Winzerverbandes. Er betont: Es geht um viel mehr.

Die bundesweiten Proteste der Bauern haben in den vergangenen Wochen zu großer Aufmerksamkeit für die Anliegen der Landwirtschaft in Politik und Gesellschaft geführt. Auslöser waren die Sparpläne der Bundesregierung, die inzwischen entschärft wurden. Problem also gelöst?

Das Thema Agrardiesel und der in Teilen noch immer von der Bundesregierung vorgesehene Abbau der Entlastung stehen für Jürgen Vogelgesang, Vizepräsident des Bauern- und Winzerverbandes aus Martinshöhe, zwar auch auf der Liste, den Bauern gehe es aber um viel mehr. Die erdrückende Bürokratie, die fehlende Wettbewerbsfähigkeit und gerade in der Nord- und Westpfalz die weggebrochene Infrastruktur wie Schlachthöfe belaste die Bauern derart, dass viele zum Aufgeben gezwungen werden. Also waren die Demos quasi für die Katz?

„Flächenfraß nimmt bedrohliche Formen an“

„Wir haben viel Zustimmung in der breiten Bevölkerung erfahren und Gespräche mit der Politik angestoßen“, sagt Vogelgesang. Es sei ein gutes und wichtiges Zeichen dafür, dass die Bauern und ihre Nöte endlich wieder Wertschätzung erfahren. „Bei uns in der Region kommt zur angesprochenen Problematik noch erschwerend der Flächenschwund durch Freiflächenphotovoltaikanlagen hinzu“, spricht Vogelgesang, der auch Bauernvorsitzender im Kreis Kaiserslautern ist, von einem Flächenfraß, der geradezu bedrohliche Formen annehme. „In der Nord- und Westpfalz bewirtschaften die Bauern bis zu 80 Prozent Pachtland. Land, das vielfach in Händen von Leuten ohne Bezug zur Landwirtschaft ist.“ Das Land drohe den Bauern entzogen zu werden, um es für deutlich mehr Geld an Betreiber der Photovoltaikanlagen zu verpachten. Das sei nachvollziehbar, sagt Vogelgesang. Er sieht nicht die Landeigentümer, sondern die Politik in der Pflicht, hier gegenzusteuern.

Solarstrom sei notwendig, müsse aber erstmal auf bereits versiegelten Standorten erzeugt werden, bevor es an die Freiflächen gehe. Auch müsse mehr Geld aus dem Solarstrom in der Region bleiben. Laut Vogelgesang müsste einmal dargestellt werden, wie die Region in fünf bis zehn Jahren aussähe, wenn nur noch Photovoltaik auf bisherigen Acker- und Wiesenflächen stehe. Den Viehhaltern, die schon mangels Schlachthöfen oder einer immer weiter wegbrechenden tierärztlichen Versorgung große Probleme hätten, fehle am Ende das Grünland. Auch dadurch laufe die gesamte Region Gefahr, sich zu verändern. Außerdem schwinde mit der Weidehaltung auch die Artenvielfalt, ist sich Vogelgesang sicher. Er betont: „Wenn jetzt kein Geld für strukturschwache Gebiete in die Hand genommen wird, um die Viehhaltung, die unsere Landschaft offen hält, zu stützen, kostet es am Ende womöglich deutlich mehr.“

„Willensbekundungen alleine bringen nichts“

All diese Punkte sollen laut Vogelgesang nun in den Gesprächen mit den Politikern vor Ort noch einmal auf den Tisch. „Die Gesprächstermine sind da. Aus unserer Sicht geht es weiter, aber ob es was bringt?“ Nur Zugeständnisse machen und den Willen bekunden, etwas zu tun, nütze nichts. „Ohne Taten bringt uns keine Bekundung etwas“, sagt der Vizepräsident des Bauernverbandes.

Mit Blick auf die Demos, die bundesweit noch immer an unterschiedlichen Orten und in unterschiedlichen Intensitäten laufen, hält Jürgen Vogelgesang nicht damit hinterm Berg, dass die Bauern das auf lange Sicht nicht leisten können. „Die Betriebe, denen es ohnehin nicht gut geht, leiden.“ Es sei absolut beeindruckend, was da innerhalb des Berufsstandes, innerhalb der Kolleginnen und Kollegen gelaufen sei. „Hut ab. Wenn es zählt, sind die Bauern da“, zeigt sich der Vizepräsident des Bauernverbandes stolz auf die Landwirtinnen und Landwirte.

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