Kreis Kaiserslautern
Das plant der Kreis beim Elektroschrott
Es war offenbar von Anfang an eine runde Sache. „Die Kreisabfallwirtschaft hat 2014 damit begonnen, neben der haushaltsnahen Sammlung und den Abgabestellen an den beiden Wertstoffhöfen Sammelbehälter für Elektrokleingeräte einzurichten“, berichtet Michael Mersinger, der bei der Kaiserslauterer Kreisverwaltung für Abfallwirtschaft zuständig ist. Die Kunststofftonnen fanden in manchen Discountern oder anderen Verkaufsstellen ihren Platz, aber auch in Verwaltungsgebäuden, Bürgerhäusern oder auf Bauhöfen. Diese zusätzliche Entsorgungsmöglichkeit für Toaster, Computermaus, Handmixer und Co. wird seitdem anscheinend sehr gut angenommen, ist sie doch unkompliziert und vor allem wohnortnah: „In der Regel sind sie gut gefüllt“, meint Mersinger über die Tonnen. Das bedeutet gleichzeitig, dass weniger ausgediente Elektrogeräte im Hausmüll landen. Und das sei wegen der darin potenziell enthaltenen Schadstoffe ebenso wichtig wie wegen der wertvollen Ressourcen, die im Zuge des Recyclings dieser Geräte wiedergewonnen werden könnten.
Lithium-Ionen-Akkus bergen Risiko
Doch dann wurde nach diversen Untersuchungen sowie Hinweisen kommunaler Spitzenverbände, nach Unfällen in anderen Gebieten mehr und mehr klar, dass diese Art der Sammlung auch mit einem Risiko behaftet sein könnte. „Eine Bewertung ergab, dass von den Sammelbehältnissen, insbesondere bei Fehlwürfen, Brandgefahren ausgehen können“, bringt es Mersinger auf den Punkt. Problematisch seien nämlich vor allem Lithium-Ionen-Akkus, die in den Geräten fest verbaut, aber auch getauscht oder entnommen werden können. Und deren Anzahl immer mehr ansteigt.
Wirft man diese Akkus in die Sammelbehälter, ist es möglich, dass sie empfindliche Schäden davontragen. „Das wiederum kann schnell zu inneren Kurzschlüssen bis hin zum Brand führen – wobei hierbei ein extrem dichter und gesundheitsschädlicher Rauch entstehen kann“, schildert der Fachbereichsleiter Abfall- und Wasserwirtschaft. Noch dazu seien derartige Feuer nicht einfach zu löschen. Für die Sammler, die Transportunternehmen und die Entsorger bedeute das hohe technische, organisatorische und rechtliche Herausforderungen. Von Beginn an sei zwar an den Sammelstellen darauf hingewiesen worden, dass Akkus vor dem Einwurf zu entnehmen sind. Doch macht das zum einen nicht jeder, und zum anderen ist das bei fest verbauten Akkus auch gar nicht immer möglich.
Sind sie weg, werden sie vermisst
Die Konsequenz: Im vergangenen September wurden laut Mersinger alle Sammelstellenbetreiber darüber informiert, dass die Tonnen in Räumen zum Problem werden können. „Dort, wo die Behälter im Außenbereich aufgestellt sind und kein direkter Brandüberschlag zum Beispiel auf Gebäude oder andere Einrichtungen zu befürchten ist, bleibt die Aufstellung der Behälter aus unserer Sicht weiterhin möglich.“ Einige Betreiber hätten sich daraufhin entschlossen, die Sammlung bei sich einzustellen. Manche haben das in der Vergangenheit aber auch schon aus ganz anderen Gründen getan. Zwölf Sammelstellen gibt es nach Angaben Mersingers derzeit noch, 20 waren es einmal. Ramstein-Miesenbach sei momentan die einzige Verbandsgemeinde im Kreis ohne solche Kunststofftonnen. Aber: „Überall dort, wo wir die Sammlung einstellen mussten, wurde vermehrt die Bitte an uns herangetragen, man möge doch diese Sammelmöglichkeit, gegebenenfalls an anderer Stelle, ortsnah wieder schaffen.“ Der Umwelt- und Abfallwirtschaftsausschuss des Kreises wollte also schauen, inwiefern eine solche Entsorgungsmöglichkeit für Elektrokleingeräte weiterhin flächendeckend angeboten werden kann.
Klar war: Die gewohnten, ziemlich leichten Kunststofftonnen werden besser nicht im öffentlichen Verkehrsraum aufgestellt. „Geplant ist daher die Sammlung mit größeren Behältnissen aus Metall, die an öffentlich zugänglichen Plätzen aufgestellt werden können.“ Doch davor ist einiges zu klären. So gibt es offenbar ein großes Angebot, und auch die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort müssen bei all den Optionen bedacht werden. Aspekte wie Diebstahl- und Aufbruchschutz spielen eine Rolle, aber auch Transportverfahren. Mersinger: „Da dies letztlich auch eine Preisfrage ist, muss hier eine detaillierte Abwägung stattfinden zwischen dem, was technisch möglich ist, und dem, was dies an Kosten verursacht.“ Rechtliche und organisatorische Fragen sind ebenso zu beantworten. Die langen Erfahrungen, die die Abfallwirtschaft mit solchen Sammelsystemen, wie zum Beispiel mit Glascontainern habe, zeigten, dass es nicht immer so leicht sei, neue Standorte zu etablieren.
Zuerst an verschiedenen Stellen testen
Jetzt soll erst einmal an verschiedenen Stellen getestet werden, wie die Elektrogerätecontainer überhaupt angenommen und wie die Leerung organisiert werden kann. Ziel ist laut Mersinger, dass gemeinsam mit den jeweils Verantwortlichen ein „repräsentativer Standort“ in jeder Verbandsgemeinde im Kreis dafür gefunden wird. Zwei Ortsbürgermeister und ein Unternehmen hätten sich schon bereit erklärt, am Test teilzunehmen. Im Stadtrat Otterberg wurde dagegen gerade eine Initiative der CDU abgelehnt, für die Stationierung eines Containers in der Wallonenstadt zu votieren. Im Hinblick auf die Auswahl der Standorte will die Abfallwirtschaft das Gespräch mit allen Beteiligten suchen. Beabsichtigt ist nach den Worten Mersingers, dass das Vergabeverfahren in diesem Jahren über die Bühne gehen und der Test mit den Containern starten soll.