Bellheim
Park-Bellheimer: Brauerei bringt neue Biere auf den Markt
Während die Brauwirtschaft allgemein über sinkende Absatzzahlen klagt, kann sich Roald Pauli, Chef von Park & Bellheimer, freuen. Erneut hat die Brauerei, deren Mehrheitsaktionär er ist, im vergangenen Jahr gegen den Branchentrend zugelegt – beim Absatz und beim Umsatz, sowohl beim Bier als auch bei den alkoholfreien Getränken. Pauli ist optimistisch, dass das im laufenden Jahr, zumindest im einen oder anderen Segment, auch so weitergehen wird.
Das Minus von 4,5 Prozent in der Branche war laut Pauli der zweithöchste Absatzrückgang beim Bier in der Nachkriegsgeschichte; nur in der Coronazeit sei es einmal noch schlimmer gewesen. Bei den alkoholfreien Erfrischungsgetränken habe die Branche ebenfalls ein Absatzminus erlitten, 2,5 Prozent. „Das Wetter und die Konsumzurückhaltung, die spürbar ist“, nennt Pauli Gründe. „Aber wir sind gewachsen.“ Die Absatzmengen seien 2023 um jeweils zwei Prozent auf 335.000 Hektoliter gestiegen. Davon entfielen etwa zwei Drittel aufs Bier der Marken Park, Bellheimer, Valentins Weißbier und Rheingönheimer sowie ein Drittel auf die alkoholfreien Getränke der Marke Bellaris. Dass der Umsatz der Brauerei gegenüber 2022 sogar um 10,1 Prozent auf 24,5 Millionen Euro im Jahr 2023 zugelegt hat, führt Pauli auch auf die Preiserhöhung im vergangenen Frühjahr zurück. Höhere Energie- und Materialpreise seien der Anlass dafür gewesen. Für 2024 sei hingegen keine Preiserhöhung geplant.
Kleine Limoflaschen gehen am besten
Die größte Umsatzsteigerung sei bei den Bellaris-Süßgetränken in der 0,33-Liter-Flasche zu verzeichnen gewesen, so Pauli. 30 Prozent seien es gewesen, mit einem weiteren Zuwachs von 25 Prozent rechne er fürs laufende Jahr. Fünf Prozent vom Umsatz mache dieses Segment aus, das Fruchtschorlen, Limonaden und Cola umfasse. „Mit diesem breiten und hochwertigen Sortiment“, sei man Marktführer in der Region. Das sei eine gute Basis im Zusammenspiel mit der Gastronomie aber auch dem stationären Handel sowie dem Verkauf auf Festen.
Wachstum werde auch noch mit alkoholfreiem Bier erzielt, aber nicht mehr in dem Maße früherer Jahre, sagte Marketingchef Jochen Sehn. Er sprach auch vom Plan, in diesem Jahr ein neues Valentins hell auf den Markt zu bringen, ein alkoholfreies. Eine weitere Neuheit: Nach dem Erfolg der Traditionsedition Park Export im vergangenen Jahr sei nun, im Februar, noch ein Pils auf den Markt gekommen. Darüber hinaus wurde Anfang der Woche anlässlich von Bellheims 1250. Ortsjubiläum ein „Jubiläums Sud“ eingebraut, das voraussichtlich Anfang April in den Verkauf kommen, aber nur etwa ein halbes Jahr erhältlich sein soll.
In Feierlaune
Gefeiert werde aber nicht nur in Bellheim, so Pauli. Auch bei den Jubiläumsfeierlichkeiten in Zeiskam und Rülzheim und nicht nur dort sei die Brauerei mit ihren Getränken vertreten, ebenso beim mit Musikfestivals verbundenen großen mehrwöchigen Public Viewing anlässlich der Fußball-Europameisterschaft in Landau. „Die Pfalz ist in Feierlaune, und wir sind überall dabei“, freut sich Pauli auf sprudelnden Getränkeabsatz.
Außerdem werde es am dritten Juli-Wochenende wieder ein Brauereifest in Bellheim geben. Höhepunkt werde am Samstagabend der Auftritt einer Tina-Turner-Tribute-Formation sein, die mit etwa einem Dutzend Leute eine Bühnenshow darbieten wird, sagte Sehn. Der Rest des Programms sei noch in Abstimmung. Fest geplant sei jedoch bereits ein Verkaufsstand mit einer Neuheit im Sortiment der Brauerei: Um deren Biermarken bei jüngeren Käuferschichten zu etablieren, habe Park & Bellheimer im vergangenen Jahr eine Textilkollektion aufgelegt, unter anderem T-Shirts, Sweatshirts und Kapuzenpullis. Der Vertrieb erfolge über den regionalen Partner Palatina Outfitters, in erster Linie über einen Online-Shop. Mit 4000 verkauften Kleidungsstücken lasse sich das Ganze gut an, so Sehn, der sich durchaus eine Ausweitung vorstellen kann, eine Sommer- und eine Winterkollektion etwa.
Solide Entwicklung
In puncto Gastronomie äußerte sich Pauli zufrieden. „Wir haben da eine solide Entwicklung, auch was neue Kunden anbetrifft.“ Er verweist auf rund 1500 Betriebe in der Pfalz, welche die Brauerei beliefere. Hinzu kämen einige Betriebe in der Kurpfalz und Nordbaden sowie vereinzelt in Hessen.
Eine brauereieigene Gaststätte, das unmittelbar ans Brauereigelände angrenzende „Braustübl“ in Bellheims Hauptstraße, ist seit Jahren geschlossen. Laut Pauli gab es vor Jahren Pläne, der Immobilie neues Leben einzuhauchen, doch dann kam Corona. Wie es dort weitergehen soll, sei derzeit unklar, es gebe keine Planung. Für das Gebäude sei eine Sanierung erforderlich, wenn nicht sogar ein Abriss. Dort etwas Neues zu realisieren, etwas Gastronomisches gar, sei nicht zuletzt angesichts der aktuellen Baupreise schwierig.
Pläne
Was die Pläne anbetrifft, auf dem Brauereigelände ein Rechenzentrum zu errichten und dessen Abwärme in ein noch zu schaffendes Fernwärme-Netz einzuspeisen, so gibt es laut Pauli nichts Neues. Der potenzielle Investor habe sich nicht mehr gemeldet. Was den Vorschlag anbetrifft, Überkapazitäten des brauereigenen Blockheizkraftwerks in besagtes Fernwärme-Netz einzuspeisen, sagte Pauli, dass man sich das im Detail anschauen müsse. Prinzipiell sei es zwar möglich, das nicht ausgelastete Blockheizkraftwerk stärker zu nutzen, aber zunächst müsse das Fernwärmenetz existieren. Dann müsste man insbesondere schauen, wohin die Abwärme im Sommer gelangen soll, sie im Winter loszuwerden, wäre kein Problem.
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