Kreis Germersheim
Neuer Wanderweg zum Thema „Storch“
Winden und die Ansiedlung von Störchen, das wäre schon eine Geschichte für sich. Hier nur so viel: Vor gut 25 Jahren hatten in Winden wieder Störche Nester besetzt. Die Beringung der Jungstörche verband man dann mit einem Storchenfest, das seit 2001 regelmäßig (mit der Corona-Ausnahme) gefeiert wird. Den zwischenzeitlich verstorbenen Alt-Bürgermeister Arnold Scheid als ersten „Storchenvater Windens“ zu bezeichnen, ist sicherlich nicht übertrieben. Bis 1999 habe es 37 Jahre lang keine Störche im Ort gegeben, sagte Scheid damals zur „Rheinpfalz“. Akribisch, wie der Zimmermannsmeister auch hier war, listete er alles auf, was mit Störchen, ihren Jungen, deren Namen und dem Tag ihrer Beringung auf sich hatte. All diese Informationen sind Grundlage für die Arbeit am „Storchenwanderweg“.
Ideengeberin war Sabine Bock vom Tourismus-Büro der Verbandsgemeinde Kandel. Ihr war aufgefallen, dass es alle möglichen Bezeichnungen für die vielen Wander- und Fahrradwege innerhalb der näheren Heimat gibt, aber noch keinen Weg, der die Störche und alles, was mit ihrer Lebensweise zusammen hängt, in einen thematischen Mittelpunkt stellt. Ratsmitglied Andreas Kehrt, der damals noch Ortsbeigeordneter gewesen war, brachte die Idee in den Gemeinderat.
Kosten: Rund 240.000 Euro
Nach einem positiven Zuschussbescheid fasste der Gemeinderat 2019 mit großer Mehrheit einen Grundsatzbeschluss für die Anlage des Weges. Auf die zwischenzeitlich ermittelten Gesamtkosten in Höhe von 239.756 Euro sollte die Gemeinde aus dem Leader-Programm des Landes einen Zuschuss von 176.538 Euro erhalten. Der Gemeindeanteil wurde mit 30.878 veranschlagt.
Die Eigenleistungen sind mit 32.349 Euro angesetzt. Um sie zu erbringen, hat sich ein Arbeitskreis gebildet. Ratsmitglieder wie Frank Ebersoldt oder der Beigeordnete Rolf Schönlaub brachten sich ein, und mit Wolfgang Pauls gehört ein Architekt dem Ortsgemeinderat an, der nicht nur Planungsaufgaben übernahm, sondern auch wichtige Tipps geben konnte.
Alle Vereine machen mit
Daneben aber, und darauf ist man in Winden besonders stolz, haben sich nicht nur alle örtlichen Vereine im Arbeitskreis eingefunden, sondern auch Bürger, die auf die Sache aufmerksam wurden. Die Arbeit wurde verteilt, „Steckbriefe“ nennt man die Teilprojekte wie etwa den „Lebensturm“ für Insekten, Vögel, Igel und Fledermäuse oder für den Vortragsraum, für den jetzt eine Lösung im Bürgerhaus gefunden werden konnte. Der Storchenwanderweg als ein Bürgerprojekt sozusagen.
Er wird am Bahnhof beginnen und führt etwa 4,3 Kilometer durch das Dorf. Hier, so Tourismusmanagerin Sabine Bock, komme Winden der hervorragende Anschluss an den ÖPNV zugute. Auch die sonstige Infrastruktur mit einer funktionierenden Gastronomie sei wichtige Voraussetzung gewesen. Der Weg führt an eine Aussichtsplattform, die derzeit in Planung ist und auf eine Höhe von sieben Metern in eine große Eiche. Von hier aus werde man mehrere Storchennester sehen können, sagt Harry Meyer, Ratsmitglied und ein AK-Mitglied, bei dem die ganzen Informationen zusammenlaufen. Geplant sind ein Barfußpfad, ein Wassertretbecken und eine Riesenbank. Hilfreich wird ein interaktives digitales Informationssystem, das mit einer Nestkamera verbunden sein wird. Ganz nah bei den Störchen im Nest, wird man dann deren Verhalten beobachten können. Für Kinder gibt es eine Doppelseilrutsche, die derzeit konstruiert wird.
Info-Raum im Bürgerhaus
Viele weitere Informationen können Besucher in einem Raum erfahren, der im Bürgerhaus eingerichtet wird, wie kürzlich beschlossen worden war. Hier finden auch Vorträge zu Themen rund um die Störche und ihre Wieder-Ansiedlung in der Pfalz statt. Entlang des Weges werden 15 Schautafeln und 16 Wegweiser aufgestellt, außerdem 16 Ortungsschilder für die Storchennester.
Derzeit werden in Winden rund 70 Störche gezählt. Blühstreifen für Insekten und Schmetterlinge finden sich entlang des Storchenwanderweges. Corona habe die Aktivitäten etwas ausgebremst, weshalb man schon eine Verlängerung genehmigt bekommen habe. Nun hoffe er auf eine weitere Zusatz-Zeit für die Fertigstellung des Vorhabens, mit dem man wohl zur Storchentaufe im Jahre 2023 rechnet.