NEUBURG RHEINPFALZ Plus Artikel Bürger laufen Sturm gegen Funkmast

Wertverlust der Häuser, Auswirkungen auf die Gesundheit – das sind Probleme, die die Bürger wegen des Funkmasts umtreiben.
Wertverlust der Häuser, Auswirkungen auf die Gesundheit – das sind Probleme, die die Bürger wegen des Funkmasts umtreiben.

Neuburger Bürger sind empört: Sie wollen keinen Funkmast im Ort, der höher als der Kirchturm sein wird. Der Gemeinderat hat dazu grünes Licht gegeben. Nun sind die Einwohner gegen die Pläne auf die Straße gegangen. Sie haben Redebedarf.

Kurz vor 16 Uhr strömen die Menschen am Samstag von allen Seiten auf den Platz beim Schiffermast. Rund 80 sind es dann bei Beginn. Dazu kommen zwei Polizeibeamte, die entspannt darauf schauen, ob sich die Menge auch brav an die Vorgaben der Corona-Verordnung halten. Als sie nach wenigen Minuten feststellen, dass alles funktioniert, brechen sie auf.

Viele Bürger machen sich Sorgen. Der Wertverlust ihrer Häuser und die für sie noch immer unbekannten Auswirkungen der Strahlen auf ihre Gesundheit beschäftigen sie. Auf dem Gelände der alten Kläranlage möchte die Telekom einen 35 Meter hohen Sendemast für die G5-Technik errichten, der sogar den Kirchturm überragen wird. Dabei habe es Alternativstandorte gegeben, die den Mast vom Ortskern ferngehalten hätten. Gerade der Platz in den Gewandlochäckern hätte nahezu die gleiche Funkabdeckung geboten wie der nun bewilligte. Die Zustimmung des Gemeinderats empört die Leute – und war der Grund für Gabriele Zoller, die Demonstration anzumelden. Sie ist Teil einer „losen Vereinigung von Anliegern“.

„Das ist absolut nicht nachvollziehbar“, sagt Mitorganisator Matthias Dezenter energisch. Man sei prinzipiell nicht gegen den G5-Funkmast, aber eben nicht an diesem Standort. An einer Wäscheleine hängen Informationsblätter. Beginnend mit einem Protokoll der Ratssitzung vom August 2018, in der die Mitglieder sich mehrheitlich gegen eine Errichtung „im Ort oder in unmittelbarer Ortsrandlage“ ausgesprochen hatte.

Auch Bürgermeister Hermann Knaus ist gekommen. Und bedauert, dass sich die Bürger erst jetzt der Umstände bewusst werden. „Das kam nicht überraschend. Im Amtsblatt, auf Facebook, in der Neuburg-App und im Kommunalwahlkampf im letzten Jahr ist alles offen kommuniziert worden“, sagt er ruhig.

Bürgermeister: Kritik kommt spät

Es sei für ihn völlig in Ordnung, dass heute demonstriert werde. Allerdings hätte er sich dieses Engagement schon vor der nun getroffenen und finalen Entscheidung gewünscht. Problem sei, dass der ortsferne Standort wegen kleinteiliger Eigentumsverhältnisse nicht attraktiv genug sei. Hätte der Rat keine Entscheidung getroffen, hätte die Telekom wohl Anwohner gefragt, ob sie auf eines ihrer Dächer einen Mast setzen dürfe. Offenbar hätte sie hierfür von einem Mitbürger schon positive Signale bekommen. Dann wäre die Gemeinde ohnehin machtlos gewesen.

Zoller hält eine kluge und abwägende Rede. Mit Bernd Mössner ergreift ein weiterer Bürger das Wort. Er beklagt, dass Presseveröffentlichungen nicht reichten, sondern die betroffenen Bürger direkt hätten angesprochen werden müssen. Überhaupt müsse man 5G aufgrund seiner Auswirkungen auf Natur und Menschen hinterfragen: „Ich bin kein Verschwörungsanhänger, sondern ein Verschwörungsanalytiker“ sagt er. Und wirft ein, dass es im Internet Videos gebe, in denen zu sehen sei, dass 5G-Masten in Betrieb genommen und in der Folge Vögel verendet seien.

„Es ist wie bei der zweiten Rheinbrücke. Jeder will sie, aber nicht vor seiner Haustür. Und jeder will Internet, aber braucht keinen stärkeren Mast dafür“, sagt ein Mann mittleren Alters, der die Veranstaltung vom Fahrrad aus beobachtet.

Diskussion geht nach Demo weiter

Am Ende weist Gabriele Zoller auf die Verbandsgemeinderatssitzung am 2. Juli hin: „Es wäre eventuell sinnvoll, in Hagenbach am Kirchplatz eine Versammlung abzuhalten, in der Zeit, wenn die Verbandsgemeinderäte eintreffen, um sie auf das Mobilfunkproblem aufmerksam zu machen.“ Matthias Dezenter weist daraufhin, dass man sich um anwaltliche Unterstützung kümmern werde. Die Menschen klatschen und beginnen langsam, nach Hause zu gehen. Doch viele bleiben noch stehen und diskutieren in kleinen Gruppen weiter. Die größte Traube bildet sich aber um Bürgermeister Hermann Knaus. Es gibt noch Redebedarf. Und Gabriele Zoller? „Ich gehe jetzt erst einmal schlafen. Das hat mich die letzten zwei Tagen doch sehr viel Energie gekostet“, sagt sie. Und lächelt endlich.

Um die 80 Einwohner sind zur Demo gekommen.
Um die 80 Einwohner sind zur Demo gekommen.
Der Sendemast soll 35 Meter hoch sein und den Kirchturm im Ort überragen.
Der Sendemast soll 35 Meter hoch sein und den Kirchturm im Ort überragen.
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