Frankenthaler Umland RHEINPFALZ Plus Artikel Totengräber werden knapp

So ein Grab zu schaufeln ist Knochenarbeit.
So ein Grab zu schaufeln ist Knochenarbeit.

Auf den Friedhöfen der Region erledigt das Ausheben der Gräber meist ein Bestatter, mit dem die jeweilige Gemeinde einen Vertrag über mehrere Jahre abgeschlossen hat. Aus diesem Geschäft will sich Firmeninhaber Dieter Öchsle zurückziehen. Ihm fehlen die Männer für die körperlich anstrengende Arbeit.

Dieter Öchsle ist in der Region Frankenthal sehr bekannt. Ihm gehört nicht nur die gleichnamige Gerolsheimer Schreinerei, sondern auch die Kapper GmbH in Bobenheim-Roxheim. Beide Firmen sind im Bestattungswesen tätig und damit auch mit den Erdarbeiten befasst, die notwendig sind, wenn ein Leichnam auf dem Friedhof beigesetzt wird, sofern es sich nicht um ein Grab in einer Urnenwand oder -stele handelt.

„Auf den Friedhöfen hier geht es sehr eng zu“, sagt Oechsle, „da kann man meistens nicht den Bagger einsetzen, sondern muss die Gräber in Handarbeit ausheben.“ Knochenarbeit sozusagen, die heutzutage kaum noch jemand machen will. Und genau das ist Oechsles Problem: „Ich habe dafür keine Leute mehr.“ Nur noch ein Mann sei ihm für den Grabaushub geblieben, und der könne nicht alle Aufträge erledigen. Ganz zu schweigen von dem Problem, das sich beim plötzlichen Ausfall dieses Mitarbeiters ergibt.

Der Gerolsheimer sagt, dass es nicht nur ihm so geht. „Über viele Jahre habe ich für andere Bestatter den Grabaushub gemacht, weil die keine Leute dafür hatten.“ Zuletzt habe er Männer aus Rumänien engagiert, aber die wollten verständlicherweise den Sommer in ihrer Heimat verbringen. Er müsse sich nach und nach vom Geschäftszweig der Grabherstellung zurückziehen, sagt Oechsle.

Bestattungsgeschäft läuft weiter

Die Verträge mit Dirmstein, Gerolsheim, Großkarlbach und Bobenheim-Roxheim beispielsweise seien schon gekündigt, in Laumersheim sei leider erst kürzlich ein neuer Vertrag geschlossen worden und laufe deshalb bis Ende 2022. „Wenn es möglich ist, möchte ich vorzeitig aus diesem Vertrag heraus“, sagt der Schreinermeister und betont für seine Firma, damit es kein Missverständnis gibt: „Wir machen weiterhin Bestattungen und kümmern uns auch um den Grabaushub. Nur wollen wir ihn nicht mehr selber machen.“

Im Laumersheimer Gemeinderat hat die Nachricht kürzlich für Verstimmung gesorgt. Während Ortsbürgermeister Arno Wieber (CDU) für den pragmatischen Weg der Vertragsauflösung war („Für mich steht fest, dass Oechsle kein Personal hat und hier keine Gräber mehr ausheben wird“), tendierten Ratsmitglieder wie Philipp Kuhn (FWG) dazu, auf der Erfüllung des Vertrags zu bestehen. Zumal die Alternative, mit der Grabherstellungsfirma Nickel aus Weitersweiler zusammenzuarbeiten, offenbar höhere Kosten für Hinterbliebene bedeutet. „Wenn Oechsle das nicht mehr selbst machen kann, dann muss er halt die Firma Nickel beauftragen und die Mehrkosten tragen“, forderte Susanne Oberbeck (SPD). Mario Zelt (FWG) warnte vor einem Präzedenzfall und davor, dass sich künftig noch mehr Firmen ihren vertraglichen Verpflichtungen entledigen könnten.

Firma Nickel würde einspringen

Für Bürgermeister Wieber steht dagegen im Vordergrund, dass der Grabaushub ordentlich und zuverlässig erfolgt. Er warnte: „In einer anderen Ortsgemeinde gab es kürzlich Probleme, weil die beauftragte Firma das Loch zu klein ausgehoben hat. So etwas darf hier auf keinen Fall passieren!“ Die Angelegenheit wurde vertagt und der Verbandsgemeinde Leiningerland zur Prüfung übergeben.

Deren Sprecherin Jessica Kuksen teilt auf Anfrage mit, man empfehle dem Rat, den Vertrag an die Firma Nickel zu vergeben, die bereit dazu sei und „den Aushub bereits auf mehreren Friedhöfen der VG Leiningerland ordentlich ausführt“. Kuksen zufolge ist der Preis, den Hinterbliebene für diese Erdarbeiten zahlen müssen, von Ort zu Ort unterschiedlich. Die Spannbreite sei derzeit für ein Einzelgrab 438 bis 750 Euro und für ein Urnengrab 90 bis 250 Euro.

Der Gerolsheimer Gemeinderat hat am Dienstag ohne Diskussion den Wechsel zur Firma Nickel akzeptiert.

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