Gerolsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Ortschef haut gern mal auf den Putz

Was soll mit dem grünen Hügel auf dem Spielplatz im Fliederweg passieren? Der Bürgermeister sammelt Vorschläge.
Was soll mit dem grünen Hügel auf dem Spielplatz im Fliederweg passieren? Der Bürgermeister sammelt Vorschläge.

Was war, was kommt: Gerolsheims Ortsbürgermeister Erich Weyer (FWG) hält den deutschen Staat für überreguliert und den Spielraum der Kommunalpolitik für gering. Waltraud Werdelis hat er zum Jahreswechsel erläutert, was er damit meint und warum er seinem Ärger Luft verschaffen muss.

Herr Weyer, wie geht’s den Enkelkindern? Haben Sie mit denen im vergangenen Jahr etwas Besonderes unternommen?
Bei inzwischen sechs Enkeln können Oma und Opa nicht viel Besonderes bieten. Man will ja alle gleich halten. Aber wir sind sehr viel mit den Kindern zusammen. Wir spielen viel, gehen auf Spielplätze, ins Schwimmbad oder in den Tierpark, und alle sind glücklich damit, was und wie die Oma kocht. Wir wiederum sind froh, dass wir das alles mit den Enkeln machen können.

Kann es sein, dass Sie der dienstälteste Ortsbürgermeister in der Verbandsgemeinde Leiningerland sind?
Nein, der Dienstälteste ist Franz Adam, Ortsbürgermeister von Neuleiningen.

Mein Eindruck ist: Sie fühlen sich mit fast 75 und mitten in der vierten Amtszeit, also nach fast 18 Jahren, noch fit wie ein Turnschuh. Treten Sie 2024 noch mal an?
Das ist bereits entschieden: Nein. Vor der letzten Kommunalwahl 2019 war ich schon am Überlegen, aber 2024 ist endgültig Schluss. Denn ganz ehrlich: So viel Arbeit wie in dieser Amtszeit hatte ich noch nie. Trotzdem war’s schön.

Ziehen Sie sich in der FWG gerade einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin heran?
So etwas ist in der Vergangenheit in Gerolsheim und anderswo schon schiefgegangen. Es gibt innerhalb der Freien Wählergruppe mehrere Personen, die als Kandidaten infrage kommen. Ziel sollte sein, dass die FWG ihre absolute Mehrheit behält und den Bürgermeister oder die Bürgermeisterin stellt. Im Sommer sollte die kluge Entscheidung, wen wir aufstellen, fallen. Ich zitiere mal den CDU-Politiker Wolfgang Schäuble, der kürzlich von einer Zeit der „perfektionistischen Überregulierung“ gesprochen hat. Da kann man froh sein, wenn sich noch jemand für das Ortsbürgermeisteramt interessiert.

Welches Projekt der Ortsgemeinde im vergangenen Jahr hat Gerolsheim ein bisschen schöner, lebenswerter oder krisenfester gemacht?
Ich würde sagen, das waren die Sachen, die unsere vielen Freiwilligen auf die Beine gestellt haben. Die Interessengemeinschaft Gerolsheim beispielsweise mit dem Weihnachtsmarkt und Martinsumzug, die Initiative „Gerolsheim bewegt sich“ mit unter anderem dem Dorftreff „Weck, Worschd und Woi“, außerdem der TuS und die Fördervereine der Kita und der Feuerwehr. Sie alle zeigen: Hier wird etwas getan, und Angebote, die aufgegeben wurden, etwa das Gockelfest, wurden durch andere ersetzt. Unsere Aufgabe als Ortsgemeinde ist es, das Engagement zu unterstützen. Ich glaube schon, dass Gerolsheim ein attraktiver Wohnort ist, auch wenn wir keinen Lebensmittelmarkt haben. Häuser, die hier frei werden, sind ruckzuck verkauft.

Worum muss sich der Gemeinderat 2023 dringend kümmern, was steht auf der Agenda?
Das Dorfgemeinschaftshaus ist innen und außen zu streichen. Wenn’s geht, sollte auf dem Dach eine Fotovoltaikanlage installiert werden. Straßen werden dieses Jahr nicht ausgebaut, aber der Kindergarten und die Spielplätze sind immer ein Thema. Im Fliederweg musste ein Spielturm abgebaut werden, und jetzt stellt sich die Frage: Was machen wir mit dem blanken Hügel? Geld für etwas Neues steht im Haushalt, aber es wäre schön, wenn sich die Gerolsheimer Eltern mit Ideen einbringen würden. Allerdings wird der Fallschutz ein Problem werden. Beim Radweg nach Dirmstein sollten wir am Ball bleiben.

Sie meinen die Schließung der Radweglücke an der K24 kurz vor Dirmstein. Die hat das Land vor drei Jahren endlich angekündigt.
Ja. Aber außer, dass das Stück vermessen wurde, ist nichts geschehen.

Apropos Radweg. Auf dem nach Lambsheim fehlt ja auch ein Stück – auf dem Gelände der Ortsgemeinde. Hand aufs Herz: Wer ist denn nun wirklich schuld, dass der Feldweg noch nicht gebaut ist?
Ich will jetzt nicht mehr nach Schuldigen suchen. Die Bauern- und Winzerschaft hat zu Recht gesagt, dass man den Weg anheben muss, damit darauf kein Wasser stehenbleibt. Ab da war es leider wie so oft ein Pingpong-Spiel zwischen den Institutionen. Jetzt sind die Pläne erstellt und von mir unterschrieben, jetzt muss es so schnell wie möglich weitergehen.

Beim Ausblick auf 2022 haben Sie Hochwasserschutzmaßnahmen in Gerolsheim angekündigt. Was ist umgesetzt worden?
Am 16. Juni 2020 hat der Gemeinderat beschlossen, ein Hochwasserschutzkonzept erarbeiten zu lassen. Und es ist so, wie aktuell in Laumersheim und Großkarlbach: Jetzt erst hat die Verbandsgemeinde dafür die Angebote vorliegen. Den Auftrag werden wir am 24. Januar vergeben. Wir müssen aktiv werden, bevor das nächste Hochwasser kommt.

Im Gerolsheimer Rat wird vergleichsweise viel über Bund und Land geschimpft, manchmal klingt das fast staatsfeindlich. Sie selbst nehmen auch kein Blatt vor den Mund. Sehen sich der Gemeinderat und der Bürgermeister denn nicht als Teil unseres demokratischen Staatswesens?
Ach, so ist das nun mal. Wer in der Landespolitik ist, schimpft ja auch mitunter auf den Bund. Sie denken wahrscheinlich an die letzte Ratssitzung, als es um den Zwang zur Erhöhung der Steuerhebesätze ging. Aber so ist es doch: Wir müssen dem zustimmen, wenn wir keine großen finanziellen Nachteile haben wollen. Dann soll das Land es doch so bestimmen und nicht so tun, als hätten wir eine Wahl. Man sieht es an den Leserbriefen und den Aussagen von Bürgermeisterkollegen in Ihrer Zeitung, dass auch andere das kritisch sehen. Da muss man als Kommunalpolitiker auch mal den Protest aussprechen oder wie der Pfälzer sagt: auf den Putz hauen.

Termin

Neujahrsempfang der Ortsgemeinde Gerolsheim am Samstag, 4. Februar, 15 Uhr, im Dorfgemeinschaftshaus.

Ortsbürgermeister Erich Weyer.
Ortsbürgermeister Erich Weyer.
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