Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Von Chile in die Pfalzgalerie

Bei Cristina Beard kreist alles um die bildende Kunst. Die während eines Workshops entstandenen Arbeiten von Frauen sind in der
Bei Cristina Beard kreist alles um die bildende Kunst. Die während eines Workshops entstandenen Arbeiten von Frauen sind in der Lauterer Ausstellung »Migróctona« (Pein durch Verlust) zu sehen.

Als Humboldt-Stipendiatin hat die in Chile geborene Kunst- und Kulturwissenschaftlerin Cristina Beard ein Jahr lang in der Lauterer Pfalzgalerie gearbeitet. Mit einer Ausstellung in den „Vielfalter“-Räumen verabschiedet sie sich von der Pfalz. Eröffnung ist am kommenden Samstagabend.

Ein ganzes Leben für die Kunst. Cristina Beard hat sie einerseits akademisch studiert und schafft und kreiert sie andererseits eigenhändig. Sie vermittelt sie mit Leidenschaft insbesondere denjenigen, die eine eher geringe Affinität dazu haben oder nicht ermöglicht bekommen.

Letzteres war der gebürtigen Chilenin mit Wohnsitz in den USA ein besonderes Anliegen, solange sie als Humboldt-Stipendiatin ein Jahr im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk) wirkte. Jetzt verabschiedet sich die weltgewandte Wissenschaftlerin und Künstlerin mit einer Neuauflage der Ausstellung „Migróctona“ - und mit vielen Impressionen aus Kaiserslautern und seinem Museum.

Kunst zu den Menschen bringen

Als sie an die Pfalzgalerie kam, war Beard gelinde gesagt enttäuscht. In den USA seien Museen liberal und von Vielfalt geprägt. Das habe sie hier zunächst vermisst; als sie etwa zur Kenntnis nehmen musste, dass die Exponate lediglich auf Deutsch beschriftet waren - „und nicht mindestens auch noch in englischer Sprache, wie man es von einer weltoffenen Stadt erwarten würde“. Das wurde auf ihre Initiative hin inzwischen geändert. Ebenso verwendete sie in ihrem Workshop, der letztlich zur Ausstellung führte, eine möglichst einfache Sprache.

Das besondere Anliegen von Cristina Beard ist das Näherbringen von Kunst zu Menschen, denen aus verschiedenen Gründen der Zugang erschwert oder verwehrt ist: benachteiligten Kindern, Menschen mit Behinderung oder Migrationshintergrund. Zahlreiche Aktivitäten wie Workshops mit Kindern und Ausstellungen unter Beteiligung von Migranten zeugen von den erfolgreichen Bemühungen Beards in diesem einen Jahr.

Frauen auf Wanderschaft

Ein Höhepunkt ihrer Arbeit war die Ausstellung „Migróctona“, die mit Cristina Beard als Kuratorin bis Ende Oktober in der Pfalzgalerie stattfand. Die einzelnen Werke - ausdrucksstarke Gemälde und Zeichnungen, aber auch nicht weniger impressive Texte - stellten das Ergebnis eines von ihr geleiteten Workshops dar. Darin verarbeiteten und präsentierten Frauen mit verschiedenen persönlichen Hintergründen und aus unterschiedlichen Ländern ihre Erfahrungen und Erlebnisse im Zusammenhang mit Umzug, Ortswechsel und Migration.

Der Begriff „Migróctona“, der in ihren Arbeiten thematisiert wurde, meint die Probleme von Frauen in solchen Phasen des Wechsels. Zugleich weist er über den eigentlichen Ortwechsel hinaus auf Schwierigkeiten, Ungerechtigkeiten und Gefahren hin, denen Frauen im Lauf ihres Lebens ausgesetzt waren und sind.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Zum Abschied von ihrer Pfalzgalerie-Zeit sind die Werke noch einmal beim Lauterer Kulturverein „Vielfalter“ zu sehen. Im RHEINPFALZ-Gespräch erklärt Cristina Beard: „Im Museum kommen die Menschen zur Kunst, hier kommt jetzt die Kunst zu den Menschen.“ Das korrespondiert mit der Zielsetzung des Vereins, nämlich der Förderung von Kunst und Kultur und dem Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Region.

Die Ausstellung passt auch zur Person und zum Leben Cristina Beards. „Ich weiß, wie schwierig es ist, in ein fremdes Land zu kommen“, sagt sie im Hinblick auf die eigene Biografie. Ihr Lebensweg führte die zweifache Mutter vom Chile der Pinochet-Diktatur über mehr als 20 Jahre in den USA bis nach Deutschland - immer an der Seite der Kunst, ihrem vertieftem Erkunden und deren Vermittlung.

Vielfalt und Gleichheit

Vorerst bleibt Cristina Beard der Stadt Kaiserslautern und der hiesigen Kunstszene erhalten. Sie wird weiterhin in Kaiserslautern wohnen, weiter intensiv die deutsche Sprache erlernen und weiter ihr unlängst begonnenes Studium der Kultur- und Sozialwissenschaften als Doktorandin an der Uni Landau fortsetzen.„Ein Museum sollte“, so Beard, „Mission und Ambition, Auftrag und Ehrgeiz gleichermaßen haben“. Zudem solle eine Einrichtung „Vielfalt, Gleichheit und Innovation zeigen und fördern“. Zu allen Aspekten hat sie in Kaiserslautern einen Beitrag geleistet, von allem dürfte auch in Zukunft einiges von ihr zu erwarten sein.

Info

Die Ausstellung „Migróctona“ wird am Samstag, 19 Uhr, im „Vielfalter“, Pirmasenserstraße 20, Kaiserslautern eröffnet. Für die musikalische Umrahmung sorgt die Musikerin Niayesh.

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