Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Public Viewing auf dem Betze: Siegestaumel und die Angst vor dem Platzsturm (mit Bildergalerie)

Gebannt verfolgen die Anhänger in der Westkurve das Spiel.
Gebannt verfolgen die Anhänger in der Westkurve das Spiel.

Rund 17.000 Menschen waren es am Ende, die das DFB-Pokal-Halbfinale des 1. FC Kaiserslautern gegen den 1. FC Saarbrücken beim Public Viewing im Fritz-Walter-Stadion verfolgten. Während die Mannschaft im Ludwigspark den daheimgebliebenen Fans den Traum vom Finale erfüllte, kamen diese einem Wunsch von Trainer und Vereinsspitze nach.

Nur wenige Meter sind die Fans in der Westkurve üblicherweise vom Geschehen auf dem Rasen entfernt. Sie werden zum zwölften Mann, wenn der FCK auf „sein Tor“ spielt. Am Dienstagabend ist die Distanz zwischen den Anhängern in der Westkurve und dem Spielgeschehen größer: Gute 60 Kilometer Luftlinie ist die saarländische Landeshauptstadt, wo das Halbfinale ausgetragen wird, von Kaiserslautern entfernt. Der Stimmung im Fritz-Walter-Stadion tut das keinen Abbruch. Rund 17.000 Zuschauer – mehr als im Ludwigsparkstadion – verfolgen das Pokalderby von Nordtribüne und Westkurve aus auf fünf Videoleinwänden, skandieren die Mannschaftsaufstellung, singen, lassen gellende Pfeifkonzerte erklingen, werden auch mal etwas unruhig, als die Roten Teufel eine eher verhaltene Leistung in der ersten Halbzeit abliefern.

Marlon Ritter sorgt für kollektives „Jaaaaaa“

Die Stadtwerke haben den an Heimspieltagen üblichen Park-and-Ride-Service angeboten, auch Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst sind im Stadion. Unter den Einsatzkräften ist auch Ralf Rheinheimer, Einsatzleiter der Feuerwehr, der mit zehn Kollegen Dienst tut. Er kennt das Stadion, ist pro Saison rund zehn Mal an Spieltagen auf dem Betze im Einsatz. „Das gibt es in der ganzen Bundesrepublik nicht noch einmal“, sagt Rheinheimer. Er meint damit die Lage des Stadions mitten in der Stadt, umgeben von einem Wohnviertel. Der Satz trifft aber auch ein bisschen auf die Fußball-verrückten Kaiserslauterer zu. „Man wundert sich schon, dass so viele Leute hierher kommen und Eintritt zahlen, wenn sie das Spiel zuhause umsonst schauen ...“.

Das Ende von Rheinheimers Satz geht am Dienstagabend in einem kollektiven „Jaaaaaa“ von den Rängen unter. Marlon Ritter, mit 1,73 Metern Körpergröße nicht unbedingt als „Kopfballungeheuer“ bekannt, hat die Roten Teufel in Minute 53 in Front geköpft. Rheinheimer schaut zu einem Kollegen: „Berlin, Berlin, ...“, singt er lachend.

Westkurve und Nordtribüne waren am Dienstag gut gefüllt.
Westkurve und Nordtribüne waren am Dienstag gut gefüllt.
Im Fritz-Walter-Stadion herrschte eine Stimmung wie bei einem Heimspiel.
Im Fritz-Walter-Stadion herrschte eine Stimmung wie bei einem Heimspiel.
Aus voller Kehle wurde gesungen.
Aus voller Kehle wurde gesungen.
Die Fans bejubeln den Führungstreffer durch Marlon Ritter.
Die Fans bejubeln den Führungstreffer durch Marlon Ritter.
Der FCK ist auf der Siegerstraße.
Der FCK ist auf der Siegerstraße.
Stadionsprecher Horst Schömbs sagt den Spielstand an.
Stadionsprecher Horst Schömbs sagt den Spielstand an.
Die Zuschauer feiern die Roten Teufel.
Die Zuschauer feiern die Roten Teufel.
Mancheiner träumt schon vom Pokalsieg.
Mancheiner träumt schon vom Pokalsieg.
Ordner rüsten sich vor dem Abpfiff, um einen Platzsturm zu verhindern.
Ordner rüsten sich vor dem Abpfiff, um einen Platzsturm zu verhindern.

Foto 1 von 9

Der 48-Jährige ist nicht nur beruflich regelmäßig im Stadion, erzählt er. In der Jugend habe er eine Dauerkarte gehabt, inzwischen kommt er mit Frau und Kind, verfolgt die Spiele aus dem Familienblock. Der Rodenbacher hat auch selbst mal die Fußballschuhe geschnürt. „Bis zur B-Jugend, dann war die Feuerwehr interessanter“, sagt er. Schon mit zwölf Jahren war er dabei. Über die Freiwillige ging es schließlich zur Berufsfeuerwehr.

Als in der Westkurve Pyro gezündet wird, geht sein wachsamer Blick hinüber. Auch wenn er beim Führungstor gejubelt hat, Rheinheimer ist im Dienst. „Wenn knapp 50.000 im Stadion sind, kriegt man aber natürlich auch etwas vom Spielverlauf mit“, berichtet er von Heimspielen.

„Kaiserslautern?“ – „Zwei!“

Derweil wächst auf den Rängen die Zuversicht, dass es mit dem DFB-Pokal-Finaleinzug klappen kann. „Auf geht’s Lautern, schießt ein Tor ...“ stimmen die Fans gerade an, als Almamy Toure ihnen diesen Wunsch erfüllt (75.). „Saarbrücken?“, ruft Stadionsprecher Horst Schömbs in sein Mikrofon, und von den Rängen schallt es „Null!“. „Kaiserslautern?“ – „Zwei!“.

Während der Traum vom Finale in Berlin konkrete Formen annimmt, werden im Innenraum Vorkehrungen getroffen, damit die Austragung der drei noch ausstehenden Heimspiele im Abstiegskampf in Liga zwei nicht gefährdet wird. Ordner marschieren rund um den Rasen auf und Schömbs formuliert einen Wunsch von Trainer und Vereinsspitze: „Egal, wie das heute ausgeht, bitte betretet nicht den Rasen“. Denn beim Public Viewing 2022, als die Roten Teufel im Relegationsspiel in Dresden den Wiederaufstieg aus Liga drei perfekt machten, stürmten im Anschluss 7500 FCK-Anhänger den Platz, nahmen Stücke davon als Andenken mit nach Hause. Der Rasen war nach der Feier unbespielbar, die Werbebanden teils abmontiert und die Tore zerlegt. Die hatten die FCK-Verantwortlichen wohl vorsichtshalber schon vor dem Public Viewing abmontieren lassen. Die Sorgen waren aber unbegründet. Die Zuschauer sehen vom Platzsturm ab und feiern stattdessen auf den Rängen und später in der Altstadt.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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