Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Prioritätenliste für mehr Kita-Plätze

Ideal als Übergangslösung: Die ehemalige Kita in der Lutzerstraße soll reaktiviert werden.
Ideal als Übergangslösung: Die ehemalige Kita in der Lutzerstraße soll reaktiviert werden.

Nicht jedes Kind in Kaiserslautern bekommt einen Kita-Platz – trotz des gesetzlichen Anspruchs. Die Stadt will mit einem Zukunftskonzept, einer Art Zehnjahresplan, das Angebot verbessern. Doch viele Fragen sind noch zu klären.

Die Diskussion um fehlende Kita-Plätze ist nicht neu. Vor allem bei den Unter-Zweijährigen erhalten längst nicht alle Eltern einen Platz für ihr Kind. Dabei besteht auch für die Ein- bis Dreijährigen ein Rechtsanspruch auf Betreuung in einer Kita oder in der Kindertagespflege. „Im U2-Bereich haben wir einen großen Bedarf und Nachholbedarf“, sagte Jugenddezernentin Anja Pfeiffer in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses (JHA).

Der JHA legt regelmäßig Bedarfsquoten fest. Denn nicht alle Eltern suchen eine Betreuungsmöglichkeit. Die Verwaltung geht davon aus, dass bei den Drei- bis Sechsjährigen 99 Prozent der Kinder einen Platz benötigen, im U2-Bereich 26,5 Prozent und bei den Zwei- bis Dreijährigen 75 Prozent. Auf Grundlage dieser Daten, erklärte Jan Hastrich, stellvertretender Referatsleiter Jugend und Sport, fehlen 168 Plätze. Im Kindertagesbetreuungsentwicklungsbericht ist zu fehlenden Plätzen zudem vermerkt: „Auf Grundlage der Auswertungen im Kita-Planer im November 2023 fehlen für das Kitajahr 2023/24 circa 210 Plätze ... .“

Die Stadt hat eine Prioritätenliste erarbeitet, um mehr Kita-Plätze zu schaffen.
Kommentar zum Kita-Zukunftskonzept

RHEINPFALZ Plus Artikel
Vorsichtig optimistisch

Innenstadt Südost braucht Neubau

Vor allem in der Innenstadt Südost und im Gebiet Bahnheim/Fischerrück/Gewerbegebiet gebe es einen sehr hohen Bedarf. In der Innenstadt Südost wurde in diesem Jahr die katholische Kita St. Anton geschlossen. Mittelfristig sieht das Jugendreferat einen Ersatzneubau für diese Kita und die protestantische Kita in der Bruchstraße als „zwingend notwendig“ an. Dieser Ersatzneubau soll auf dem Gelände des Jugendhauses in der Augustastraße entstehen und für circa 150 Kinder Platz bieten, außerdem eine Mensa für die Schulkindbetreuung erhalten. Die Kosten dafür schätzt die Stadt auf etwa fünf Millionen Euro – Zuschüsse des Landes seien möglich. Aufgrund der Veränderungssperre des Bebauungsplangebiets (DRK-Gelände) kann diese Maßnahme zurzeit aber nicht umgesetzt werden. Die Verwaltung hofft, dass der JHA eine Beschlussvorlage für den Stadtrat zur Aufhebung dieser Sperre anstrebt.

Denn auch eine kurzfristige Lösung für mehr Plätze in der Innenstadt Südost ist fraglich. Angedacht war, das bisherige Kita-Gebäude in der Lutzerstraße für etwa fünf Jahre – bis zur Fertigstellung der Kita in der Augustastraße – anzumieten. Die 900 Euro im Monat für die Miete sind aber bislang nicht im Haushalt bereitgestellt. Der Jugendhilfeausschuss beschloss einstimmig, die Verwaltung solle die Kita in der Lutzerstraße wie geplant reaktivieren und die monatlich anfallenden Kosten sowie mögliche Sanierungskosten übernehmen. Ein Träger muss noch angefragt werden.

Bahnheim-Kita nun doch auf dem Fischerrück?

Auch über eine neue Kita in der Nähe des Bahnheims wird seit Jahren diskutiert. Die Lebenshilfe wollte in der Pariser Straße eine Kita bauen. Die Stadt sieht in dem Planungsbereich, inklusive Fischerrück und Gewerbegebiet, ebenfalls einen enormen Bedarf – insbesondere rund um die Grundschule Fischerrück. „Aktuell fehlen dort zur theoretischen Bedarfsdeckung 136 Plätze für nicht schulpflichtige Kinder“, heißt es im Bericht zur Entwicklung der Kindertagesbetreuung. Die Stadt spricht vom am stärksten vernachlässigten Bereich in der Stadt. Das Jugendreferat habe darauf schon 2018 hingewiesen, bislang gebe es aber noch keine Lösung. Wie Anja Pfeiffer erklärte, gebe es Gespräche mit der Lebenshilfe, um den Kita-Neubau auf dem Fischerrück zu realisieren. Auch Räumlichkeiten für Schulkinder sollen dabei entstehen. Dafür würde der ursprünglich von der Lebenshilfe geplante Standort am Bahnheim aufgegeben werden. Die Stadt schätzt die Kosten für einen Neubau, durch den 80 neue Plätze geschaffen werden können, auf etwa drei bis fünf Millionen Euro.

Morlautern, Erlenbach und das Pfaff-Gelände

Der Stadtteil mit dem aktuell höchsten Bedarf ist Siegelbach. Dort fehlen laut Jugendreferat rechnerisch 78 Plätze, auf der Suche seien aber „nur“ 13 Eltern, da sie ihre Kinder teilweise arbeitsnah in der Innenstadt unterbringen, erklärte Jan Hastrich. Im kommenden Jahr entsteht in Siegelbach die Zoo-Kita mit 40 Plätzen. Ab März startet zunächst ein Provisorium für 20 Kinder, bis die Bauwagen da sind. Frühestens ab September rechnet die Verwaltung daher mit weiteren 20 Plätzen. Ein Anbau an die protestantische Kita im Stadtteil könnte zudem Abhilfe schaffen. Etwa 20 neue Plätze und ein Essensraum sind laut Maßnahmenliste möglich – bei Investitionskosten von etwa 500.000 Euro. Das protestantische Verwaltungsamt benötigt aber die Zusage der Stadt, die Kosten einer Machbarkeitsstudie zu übernehmen. Der Jugendhilfeausschuss stimmte – bei einer Enthaltung – dafür, der Kirche die 10.000 Euro für eben jene Untersuchung zur Verfügung zu stellen. „Ich sehe es als sehr wichtig an, dass wir da einen Schritt weiterkommen. Ich bin der Auffassung, wir finden dort eine Lösung“, sagte Pfeiffer.

Auch Erlenbach und Morlautern hat die Stadt in ihrem Zehnjahresplan im Blick. Konkret wurde es aber noch nicht. „Da muss man sehen, ob es ein neues Grundstück in Morlautern oder Erlenbach wäre oder eine Generalsanierung in Erlenbach in Frage kommt“, sagte Pfeiffer. Die protestantische Kita musste im Sommer aufgrund eines Wasserschadens ausgelagert werden. „Das sollten wir nicht auf die lange Bank schieben“, so die Dezernentin. Ähnliches gelte für die Innenstadt West mit dem Pfaff-Gelände, das ebenfalls in der Maßnahmenliste steht.

Der JHA stimmte dem Plan der Verwaltung, in der protestantischen Kita auf dem Einsiedlerhof ein Provisorium mit zehn zusätzlichen Plätze einzurichten, einstimmig zu. Auch für die Umsetzung der Maßnahmen der Prioritätenliste gab es einstimmige Befürwortung.

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