Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel OB-Wahl: Katharina Welsh-Schied will sich als OB „um die Probleme ganz unten kümmern“

Katharina Welsh-Schied setzt sich für die Menschen im Asternweg ein – und will im Falle einer Wahl zur Oberbürgermeisterin die s
Katharina Welsh-Schied setzt sich für die Menschen im Asternweg ein – und will im Falle einer Wahl zur Oberbürgermeisterin die schwächsten Glieder der Gesellschaft in den Fokus nehmen.

Wahlplakate sind etwas für Dinosaurier und die CDU hat in Kaiserslautern jetzt ein Mitglied weniger: Katharina Welsh-Schied hat „die Schnauze voll von Politikern, die nur reden und nichts umsetzen“. Deswegen tritt sie zur Oberbürgermeisterwahl an.

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

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Sie dürfte zu den bekanntesten Gesichtern in Kaiserslautern zählen: Katharina Welsh-Schied hat sich mit ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit beim Verein Asternweg einen Namen gemacht – und war Bestandteil von zwei Fernsehdokumentationen, die das Leben der Menschen in dem Straßenzug zeigen. Kein Wunder also, dass das Gespräch für diesen Text im Asternweg in der Gaststätte „Zum Ilse“ stattfindet. Seit 2014 verbindet die beiden Frauen, Welsch-Schied und Wirtin Ilse Menke, eine enge Freundschaft.

Dabei war es nicht abzusehen, dass die Diplomatentochter, 1978 in Daun in der Eifel geboren, ihren Weg nach Kaiserslautern findet – und dort gerade in das Wohnviertel mit dem schlechten Ruf, den Kalkofen. Kurz nach der Geburt ging’s unter anderem nach Burkina Faso, wo ihr Vater in der Deutschen Botschaft in Ouagadougou arbeitete. Mit sechs Jahren und Sprachkenntnissen in Hochdeutsch und Englisch kehrte sie zurück, zog zur Familie der Mutter in Albessen im Kreis Kusel. Dort habe sie schnell „Pälzisch“ gelernt. Bis heute falle es ihr leicht, sich auf neue Situationen einzustellen oder Sprachen zu lernen: Welsh-Schied ist Fremdsprachenkorrespondentin in Englisch, Französisch und Spanisch.

Für bessere Stimmung in der Verwaltung sorgen

2005 ist sie mit ihren beiden Söhnen nach Kaiserslautern gezogen, nach mehreren Wohnortwechseln. Für die Kindererziehung habe sie auf eine Laufbahn im diplomatischen Dienst verzichtet, erzählt Welsh-Schied. Stattdessen Gelegenheitsjobs, unter anderem Verkäuferin. Und: „Einige Lautrer laufen noch mit einem von mir gestochenen Tattoo durch die Stadt.“ Zeugnisse ihrer Zeit als Tätowiererin. Dass sie sich gerne und vehement für Menschen einsetzt, die sonst eher keine Lobby haben, zeige ihr Einsatz im Asylbewerberheim, wo sie für das Arbeits- und sozialpädagogische Zentrum (ASZ) in der Verwaltung gearbeitet hat: „Da habe ich viel gelernt. Im Umgang mit Behörde muss man fit sein. Und hartnäckig.“

 

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Ihr sei es wichtig, falls sie Oberbürgermeisterin wird, genau zu gucken: „Was läuft in der Verwaltung schief?“ Sie wolle herausfinden, wie man die Mitarbeiter wieder für ihre Aufgaben begeistern und Stress reduzieren könne. „Wenn ich es hinbekomme, dass im Rathaus alle gerne zur Arbeit gehen, wird sich das auch auf den Umgang mit den Kunden auswirken.“

Nicht nur jammern, auch etwas machen“

Das Arbeitsverhältnis beim ASZ sei in der Folge der Fernsehdokumentation „Asternweg – Eine Straße ohne Ausweg“ nicht verlängert worden, „aber ich wusste, ich finde Arbeit“. Nach einer harten Zeit zwischen Minijobs und Kindererziehung – „ich wollte auf keinen Fall Hartz IV beziehen“ – habe sie sich 2018 mit einer Reinigungsfirma selbstständig gemacht. Rückblickend sagt sie: „Das war schon eine harte Zeit.“ Wer hat sie beim Schritt in die Selbstständigkeit unterstützt? Ilse Menke habe ihr mit Putzmaterialien beim Start in den neuen Job geholfen. Wie Welsh-Schied erzählt, sind neben ihr und ihrem dritten Ehemann noch mehrere Angestellte auf Midi- und Minijobbasis in dem Betrieb beschäftigt.

2014 habe Welsh-Schied beschlossen, nicht nur über die Politik zu jammern, sondern auch etwas zu machen, und ist dafür in die CDU eingetreten. Bis in den Kreisvorstand hatte es die Mutter von drei Kindern geschafft, war 2014 für die Christdemokraten zur Stadtratswahl angetreten, „aber ich bin nicht reingekommen“. Der Partei ist sie die ganze Zeit treu geblieben, doch noch in dieser Woche wollte sie schriftlich ihren Austritt erklären.

Kandidatur aus Enttäuschung

Im Sommer 2014, kurz nach der Kommunalwahl, habe sie sich zum ersten Mal den Kalkofen angesehen – und sei „entsetzt gewesen, dass die Stadt die Leute dort so unterbringt. Ohne Duschen, ohne Warmwasser.“ Teilweise sogar ohne eigenes Bad. Das sei für sie ein Schock gewesen. Also habe sie damit begonnen, sich ehrenamtlich zu engagieren, beispielsweise mit Foodsharing oder mit gezielten Spendenaufrufen über Facebook. Bis heute sei ihr wichtig, anzupacken, „nicht nur das Gesicht in die Kamera zu halten, etwas zu versprechen und mich dann nicht mehr blicken zu lassen“. Das hätten im Asternweg schon zu viele so gemacht. Die Menschen seien enttäuscht: „Deswegen kandidieren wir über mich.“ Unter einer Oberbürgermeisterin Welsh-Schied solle Kaiserslautern wieder bezahlbar, sicher und sauber werden – weil wieder mehr zusammen- statt gegeneinander gearbeitet werden soll.

Um ihren Bekanntheitsgrad bis zur Wahl zu erhöhen und um Wählerstimmen zu gewinnen, setzt sie auf Social Media und ein Anschreiben statt auf Wahlplakate: „Ich kann nicht von Umweltschutz sprechen und gleichzeitig Plakate aufhängen. Das ist scheinheilig.“ Für die zur Kandidatur notwendigen Unterstützungsunterschriften „war ich überall dort, wo Leute sich selbst überlassen sind“. Als Beispiel nennt sie das Wohnviertel Betzenberg, wo gerade eine Subkultur aus Menschen entstehe, die sich abgehängt fühlten: „Das kann gefährlich werden. Wir müssen uns mehr um die Probleme ganz unten kümmern.“ Die Stadtgesellschaft sei so stark wie ihr schwächstes Glied – und da werde eine Oberbürgermeisterin Welsh-Schied ansetzen.

Was ihre Chancen am Wahltag angeht, sagt Welsh-Schied: „Ich bin die große Unbekannte. Niemand, auch ich selbst nicht, weiß, ob mich 100 oder 1000 Leute wählen.“ Doch egal wie die Wahl ausgeht, kündigt sie an: „Wir bleiben der Stadt erhalten und legen weiter die Finger in die Wunden.“

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