Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Niko Stavridis über seinen Bruder Angelos: „Was er erreicht, erreicht er für uns beide“

Niko Stavridis, Torwart des TuS Schönenberg II, auf dem Platz, auf dem er früher mit seinem Bruder Angelos, inzwischen FCK-Profi
Niko Stavridis, Torwart des TuS Schönenberg II, auf dem Platz, auf dem er früher mit seinem Bruder Angelos, inzwischen FCK-Profi, das Fußballspielen gelernt hat. Inzwischen ist der frühere Rasenplatz ein Sandplatz und gespielt wird auf dem Rasenplatz, der danebenliegt.

Fussball: Niko Stavridis (23) ist der Bruder von ... Dass sein vier Jahre jüngerer Bruder Angelos mittlerweile einen Profivertrag beim FCK unterschrieben hat, während er Torwart in der C-Klasse ist, macht ihm nichts aus, im Gegenteil. „Der Erfolg bleibt in der Familie“, sagt er und freut sich mit ihm. Dass er es auch deswegen nicht weiter nach oben geschafft hat, stört ihn nicht und ist für ihn selbstverständlich.

Familie Stavridis ist in Schönenberg-Kübelberg fest verwurzelt. Der Vater betreibt das Billard-Cafe im Ort, die Mutter ist Filialleiterin bei Aldi, Sohn Niko Student und Torwart beim TuS Schönenberg und Sohn Angelos seit kurzem Profi des 1. FC Kaiserslautern. Dass es die beiden Jungs zu was gebracht haben und immer wieder zu was bringen, verdanken sie ihren Eltern. Da sind sich beide sicher. „Sie sind unsere Vorbilder“, sagt Niko.

Die Eltern der zwei Fußballer haben sich alles hart erarbeitet. Die Mutter kam mit 18 Jahren aus Kasachstan nach Deutschland, der Vater mit 22 aus Griechenland. Kennengelernt haben sich die beiden beim Kellnern. Mit Fußball hatte keiner von ihnen was am Hut. Dann kamen die beiden Söhne auf die Welt. Niko wollte, um Freunde zu finden, Fußball spielen, fing mit fünf, sechs Jahren bei den Bambini des TuS Schönenberg an zu kicken. Er stand von Tag eins an im Tor und fühlt sich genau da wohl, wie er sagt. Bruno, der Opa eines ehemaligen Mitspielers, nahm sich seiner an und brachte ihm die Grundlagen bei. Niko trainierte gern mit Bruno, und der Erfolg blieb nicht aus. Der 23-Jährige durchlief sämtliche Jugendmannschaften des TuS. Als er in die B-Jugend kommen sollte, rückte er direkt hoch in die A-Jugend. Stavridis hatte Respekt vor diesem Schritt. „Da waren plötzlich alle zwei, drei Jahre älter als ich.“ Der Deutsch-Grieche war „nie der Größte“, wie er sagt. Inzwischen misst er 1,81 Meter und weiß, dass „Größe von Vorteil ist, aber nicht das allein Entscheidende, um gut zu sein“.

Das Talent des kleinen Bruders

Fleiß und Ehrgeiz gehören da mindestens genauso dazu, und davon scheint Familie Stavridis jede Menge zu haben. Dass auch sein kleiner Bruder mit dem Ball umgehen kann, wurde schnell klar. Niko, damals acht Jahre alt, nahm Angelos, damals vier, mit auf den Fußballplatz. Schließlich verbrachten die zwei Geschwister ohnehin viel Zeit zusammen. Der Ältere verbrachte jeden Tag auf dem Platz und hatte eines Tages den Kleinen mit im Schlepptau. Er sah schnell, „dass er talentiert ist“ und dass er „vielleicht auch ein bisschen mehr kann“.

Angelos kickte bald im Verein, und sein großer Bruder erinnert sich, dass er in seinem ersten Turnier 20 Tore machte. Während der Jüngere auf eigenen Wunsch nach Saarbrücken wechselte, schließlich vom 1. FC Kaiserslautern entdeckt wurde, ging Nikos Weg in Schönenberg weiter. Aus seiner Jugend war ein halbes Dutzend Spieler in der Kreisauswahl. Auch er kickte da lange Zeit mit, bis er ein einschneidendes Erlebnis hatte. Bei einem Leistungstest sollte er im Achteck den Ball hochhalten. Gleich beim ersten Kontakt landete der Ball auf seinem Spann und sprang weg – „durchgefallen“, erinnert er sich an die Szene, die ihm zeigte, dass er gerade im spielerischen Bereich mehr tun und härter arbeiten muss. „Meine Spielweise ist robust und einfach. Ich will die einfachen Sachen gut machen“, erklärt er. Niko Stavridis arbeitete weiter an sich und seiner Spielweise. Als er 16 Jahre alt war, hatte er das erste Mal einen Torwarttrainer.

Der Schockmoment

„Es hat immer Spaß gemacht, auch sich zu quälen, und es war nie langweilig“, erzählt er. Und wird plötzlich ernst. Denn die erfolgreiche Zeit in der A-Jugend wurde jäh unterbrochen. Niko Stavridis hatte einen Motorradunfall. Sein Schulterblatt war gebrochen, die komplette rechte Seite war offen. Er brauchte lange, um sich zurückzukämpfen. „In manchen Situationen merke ich es immer noch“, gibt er zu.

Für den Deutsch-Griechen, der sein ganzes Leben für den TuS gespielt hatte, war damals klar, dass er mit dem Fußball aufhören wird. Für immer. Dabei hatte er vor dem Unfall regelmäßig Angebote von Vereinen aus der Umgebung bekommen und schließlich hatte der SC Hauenstein angefragt. Torwart Stavridis ging zum Probetraining. „Ich war damals 16, 17, mein Papa hat mich gefahren.“ Der Teenager hatte einen Heidenrespekt vor den erfahrenen Spielern, die in der Regionalliga gespielt hatten. „Der Torwart war U-Nationaltorhüter“. Und der SC Hauenstein wollte ihn, bot an, die Spritkosten zu übernehmen. Doch sein Vater hätte ihn fahren müssen. 45 Minuten dauert es nach Hauenstein. Niko Stavridis entschied sich dazu, den Schwerpunkt auf die Schule zu legen und seinem Bruder die Bahn freizumachen. Schließlich konnte der Vater nicht beide Söhne gleichzeitig zu unterschiedlichen Trainingsstätten fahren.

„Ich habe es ihm immer gegönnt“

Zurückgesetzt fühlt sich der Ältere dadurch auf keinen Fall. „Ich habe es ihm immer gegönnt. Er war sehr viel weiter als ich. Wir sind eine Familie, und das, was er erreicht, erreicht er für uns beide“, erklärt Niko Stavridis.

Der 23-Jährige machte Abitur, jobbte bei Aldi und bekam schließlich eine Ausbildungsstelle angeboten. Er konnte die Ausbildung auf ein Jahr und einen Monat verkürzen, war Einzelhandelskaufmann und begann BWL zu studieren.

Doch dann trat der Fußball wieder in sein Leben in Form von Niklas Hort, seinem Mannschaftskameraden, der ihn darum bat, es noch mal zu probieren. Der TuS habe Personalsorgen, müsse vielleicht die zweite Mannschaft abmelden. Stavridis grübelte. „Ich habe aufgehört nach dem Unfall. Weil ich entweder was komplett mache, oder es sein lasse.“ Er entschied sich schließlich dazu, seinen Verein und seinen Kameraden – zwei, drei kicken mit ihm, seit er sechs Jahre alt war – nicht im Stich zu lassen. Der 23-Jährige merkte schnell, dass er, auch wenn er lange keine Handschuhe mehr angehabt hatte, „nicht alles verlernt“ hatte und dass es weiter Spaß machte, bei seinen Jungs im Tor zu stehen. Er half aus und freut sich, dass der Kader sich inzwischen stark verbreitert und qualitativ verbessert hat.

Auslandssemester in Griechenland

Ende Februar machte der Deutsch-Grieche den nächsten beruflichen Step. Er ging er mit seiner Freundin nach Griechenland zum Auslandssemester. „Ich will später auch im Ausland arbeiten“, erklärt er den Schritt, der ihn in die Heimat seines Vaters führte. Er studierte in Thessaloniki, während seine Freundin in der Zeit ihre Bachelorarbeit in BWL schrieb. Dass sich sein Bruder in der Zeit schwer verletzte, im Trainingslager der Profis den Knöchel brach und er nicht für ihn da sein konnte, machte ihm schwer zu schaffen. Schließlich haben die beiden ein sehr enges Verhältnis, helfen sich immer gegenseitig und verstehen sich blendend, auch wenn der Ältere beim Fifa-Zocken keine Chance hat gegen den 19-jährigen Stürmer Angelos. Die Zeit in Griechenland hat Niko Stavridis im Studium weitergebracht. „Das war erfahrungstechnisch toll, aber ich habe zu viel gegessen und zu viel gefeiert“, gibt er grinsend zu und verrät, dass er noch ein paar Kilo verlieren will, bis die Vorbereitung losgeht.

Denn dann will er wieder voll einsteigen. Er freut sich auf das Torwarttraining mit Manuel Stein, dessen großes Vorbild Gerry Ehrmann ist – „er wird uns wieder viel fliegen lassen“. Niko Stavridis, der auch zweimal in der ersten Mannschaft ausgeholfen hat, die in der A-Klasse spielt, ist sich darüber im Klaren, dass er einer von drei Torhütern ist und hart arbeiten muss, um die Nummer eins zu werden, aber er will Vollgas geben und alles dafür tun, dass der TuS Schönenberg II, derzeit Tabellenführer der C-Klasse Kusel-Kaiserslautern Gruppe zwei, in dieser Saison aufsteigen wird. Die Unterstützung seiner Familie hat er dafür. Sein Papa kuckt, wenn er kann, jedes Spiel, seine Mutter steht ihm mit Rat und Tat zur Seite und sein Bruder schaut fast bei jedem Training zu. Schließlich wohnt die Familie ganz in der Nähe des Sportplatzes. „Der Zusammenhalt macht uns aus“, sagt Niko Stavridis und strahlt.

Dieses Foto hängt noch heute im Vereinsheim des TuS Schönenberg. Niko Stavridis war Torwart der erfolgreichen E-Jugend.
Dieses Foto hängt noch heute im Vereinsheim des TuS Schönenberg. Niko Stavridis war Torwart der erfolgreichen E-Jugend.
Niko Stavridis, Torwart des TuS Schönenberg II.
Niko Stavridis, Torwart des TuS Schönenberg II.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Der Newsletter wird jeden Freitag verschickt.

Noch mehr FCK gibt es hier:

Pokalsieger, Absteiger, Wiederaufsteiger, Meister: Der 1. FC Kaiserslautern ist wie kaum ein zweiter deutscher Fußballverein in der Region verankert. Unsere Redaktion ist dicht dran am FCK und bietet exklusive Einblicke in den legendärsten Club aus der Pfalz. Alle wichtigen Infos, Hintergründe und Neuigkeiten gibts für Fans auch in unserem Newsletter und dem Podcast Lautre!

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

x