Kaiserslautern
Nach Problemen bei Schulbuch-Ausleihe: Thalia macht es nicht mehr
Im vergangenen Jahr hatte es Probleme bei der Schulbuchausleihe gegeben, nachdem die Stadt das Geschäft nach einer europaweiten Ausschreibung statt an lokale Buchhandlungen an Händler aus Schwäbisch-Gmünd, Hamburg, Zschopau, Werl und Braunschweig vergeben hatte. Die Buchhändler vor Ort waren stinksauer, Thalia hatte dennoch als Dienstleister fungiert, hatte die Bücher inventarisiert, verpackt und an die Schulen ausgefahren. Damit ist jetzt Schluss. Stephanie Eichhorn, Filialleiterin von Thalia in Kaiserslautern, bestätigte im Gespräch mit der RHEINPFALZ, den Vertrag mit der Stadt gekündigt zu haben.
„Es hat zuletzt ganz schlecht funktioniert“
„Im vergangenen Jahr hat das ganz schlecht funktioniert“, sagt Eichhorn. Teilweise seien die Bücher nicht zu den angekündigten Terminen geliefert worden, was auch damit zusammenhänge, dass die Lieferanten Bestellungen sammeln, um von höheren Rabatten zu profitieren. „Wir haben es deshalb nicht geschafft, die Bücher rechtzeitig in die Schulen zu bringen.“ Das Ganze habe sich bis zu den Herbstferien hingezogen. „Wir haben im Zwei-Schicht-System gearbeitet, teilweise auch an den Wochenenden, das hat überhaupt nicht in unseren Geschäftsablauf und zu unserem Kerngeschäft gepasst.“ Mit den nachgelieferten Schulbüchern hatten Eichhorns Kolleginnen noch zu kämpfen, als es ans Weihnachtsgeschäft ging. „Das war eine enorme Belastung für das Team, ein riesiger Organisationsaufwand, das will ich uns nicht noch einmal zumuten“, sagt die Thalia-Chefin. „Wir sind am Ende auf dem Zahnfleisch gegangen.“
Auch logistisch sei das alles nicht einfach. Thalia hatte für die Schulbuchausleihe ein Lager in der Blumenstraße angemietet. „Weil wir nie wussten, wann die Speditionen mit den Lieferungen kommen, haben wir die Bücher ins Hauptgeschäft bringen lassen und sie dann mit dem Gabelstapler ins Lager gefahren, palettenweise.“ Zudem habe man Transporter anmieten müssen, um die Pakete an die Schulen auszufahren. „Klar hatten wir Aushilfen, meistens Schüler und Studierende, aber die hatten dann irgendwann auch keine Zeit mehr, als sich das immer länger hingezogen hat“, schildert Eichhorn. „Früher war das ja rein ein Sommerferien-Geschäft.“
Bislang hat die Stadt keinen Ersatz gefunden
Eichhorn hatte im Januar schon die Stadtverwaltung über ihre Entscheidung informiert. Sie habe weiter ihre Unterstützung angeboten, aber nur als Ratgeberin. „Ich habe wirklich Mitleid mit der Stadt, aber wir schaffen das nicht mehr“, sagt sie. In der Konsequenz heißt das, dass die Stadt das verzwickte Geschäft mit der Schulbuchausleihe selbst in die Hand nehmen muss. Zumindest brachte eine Ausschreibung bislang kein Ergebnis, wie die Stadtverwaltung auf Anfrage mitgeteilt hat. Die Dienstleistung werde nun erneut „im Rahmen einer Verhandlungsvergabe ausgeschrieben. Das bedeutet, dass einzelne Anbieter direkt angefragt werden“, informierte die Stadtverwaltung weiter.
Der Kaiserslauterer Buchhändler Morphy Burkhart wird diese Last definitiv nicht auf sich nehmen. „Wir machen das nicht“, sagt er klipp und klar. Das sei extrem viel Arbeit. Er prophezeie, egal wie es jetzt laufe, werde es „die gleiche Katastrophe wie im Vorjahr“. Wobei er dabei bleibt: „Wenn die Stadtverwaltung im Vorfeld mit uns geredet hätte, hätte es nicht soweit kommen müssen.“ Auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hatte im vergangenen Jahr kritisiert, Kaiserslautern habe den leichten Weg gewählt und ohne Not europaweit ausgeschrieben und so den lokalen Buchhandel ausgebremst.
Mit dem städtischen Personal nicht zu schaffen
Auf die Frage, ob die Stadt die Ausleihe zur Not allein stemmen kann, erklärte Sprecher Matthias Thomas: „Mit dem derzeit vorhandenen Personal ist eine solche ganzjährig sicherzustellende Aufgabe gewiss nicht zu bewältigen. Die erforderlichen Ressourcen wie Räume, Ausstattung und Fahrzeuge müssten angemietet werden.“ Thomas konkretisierte: „Wir verwalten im Bestand etwas mehr als 56.000 Schulbücher. Jährlich gehen rund 6750 Schulbuchpakete mit 46.100 Büchern in den Verleih an Schülerinnen und Schüler, der Lagerbestand bewegt sich bei rund 10.000 Büchern.“ Die Aufgabe des Dienstleistungsunternehmens, die die Stadt dann übernehmen müsste, umfasst das Etikettieren, Sortieren, Konfektionieren und Ausliefern von Schulbuchpaketen für 29 Schulen „einschließlich der Nachpaketierungen sowie die Rücknahme, die Bestands- und Qualitätsüberprüfung der ausgegebenen Bücher am Ende des Schuljahres. Von 11.010 Schülerinnen und Schülern hatten zuletzt 6414 an der Ausleihe teilgenommen.
Auf Nachfrage heißt es aus dem Rathaus, pro Schüler erstatte das Land den kommunalen Schulträgern eine Verwaltungspauschale. Diese liege seit dem Schuljahr 2012/2013 bei 12 Euro für Grundschulkinder und 14 Euro für Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen, exklusive der Bücherkosten. Schuldezernentin Anja Pfeiffer (CDU) betont, leider sei die Schulbuchausleihe zwischenzeitlich zu einem „Verwaltungsmonster“ mutiert, das einen hohen Aufwand und hohe Kosten nach sich ziehe. „Und zudem den örtlichen Buchhandel nicht berücksichtigt, wie es früher der Fall war.“ Sie hoffe, dass im Zuge der weiteren Digitalisierung des Unterrichts auf die ein- oder andere Schulbuchausleihe verzichtet werden könne. „Andere Bundesländer greifen auf vereinfachte Verfahren zurück. Es wäre wünschenswert, wenn es landesweit Anpassungen geben würde.“