KAISERSLAUTERN MGV Wiesenthalerhof 150 Jahre alt geworden − Feier fiel aus

Haben in der Corona-Zeit das Lachen nicht verlernt: der Vorsitzende des MGV Wiesenthalerhof, Hans-Werner André, und der zweite V
Haben in der Corona-Zeit das Lachen nicht verlernt: der Vorsitzende des MGV Wiesenthalerhof, Hans-Werner André, und der zweite Vorsitzende Gerhard Höhn.

Vergangenen Samstag hätte der Männergesangverein 1870 Wiesenthalerhof (MGV) gerne seinen runden Geburtstag gefeiert, den 150. Doch es ist alles anders gekommen als geplant.

„150 Jahre sind kein alltägliches Jubiläum“, bedauert Vereinsvorsitzender Hans-Werner André, dass es wegen der Corona-Krise nicht dazu gekommen ist. Es mag – wie der zweite Vorsitzende Gerhard Höhn mit einem Schmunzeln sagt - bereits ein schlechtes Omen gewesen sein, dass der Maibaum, den der Heimatverein am 1. Mai auf dem Kerweplatz aufgestellt und dem Jubiläum des Gesangvereins gewidmet hatte, inzwischen abgebrochen ist. Der Festkommers samt Büffet mit Repräsentanten aus Politik, des Pfälzischen Sängerbunds und befreundeten Vereinen fand jedenfalls nicht statt.

Ob das Programm mit dem Männerchor und dem gemischten Chor irgendwann nachgeholt werden kann, sei derzeit völlig unklar, bedauern die Vorsitzenden. Auch der für den 21. Mai bei den Siedlern in der Lothringer Dell geplante Liedernachmittag falle flach. Die Ehrung ihres ersten Tenors Adolf Schording für 70 Jahre Mitgliedschaft werde aber auf jeden Fall nachgeholt.

Kriege lassen den Gesang verstummen

Die Chronik des Jubiläumsvereins berichtet von 25 „sangesfreudigen“ Männern, die 1870 den „Gesangverein Einigkeit Erzhütten“ gegründet und in der Folge von Hochzeiten über Beerdigungen und Rekrutenabschiedsfeiern bis zum „Fastnachtsschlorum“ und zur Christbaumverlosung zahllose Veranstaltungen mit ihren Liedern bereichert haben. Der Erste Weltkrieg und schon bald darauf der Zweite Weltkrieg ließen den Gesang vorübergehend verstummen.

Noch schneller gescheitert war 1927 ein erster Versuch zur Gründung eines gemischten Chors. Auf Drängen einiger männlicher Sänger löste er sich bereits nach fünf Jahren wieder auf. Erst 2009 formierte sich der gemischte Chor „sing2gether“. Seither versteht sich der 1949 mit seinem heutigen Namen wiedergegründete Verein als Chorgemeinschaft mit aktuell 45 aktiven und 46 Fördermitgliedern. 30 – davon 18 Frauen - singen „together“.

Der MGV zählte auch schon mal 120 Sänger und habe sich so manchen Erfolg ersungen, schildern die Vorstände. Beide gehören – wie übrigens alle Mitglieder des Männerchors – seit mindestens 40 Jahren dazu.

An den ersten Platz bei einem Bewertungssingen im September 2007 in Hohenecken erinnern sie sich besonders gerne. Sie waren damals als der kleinste unter sieben Chören angetreten. Das macht Mut, vor allem im Hinblick auf das mit 75 Jahren sehr hohe Durchschnittsalter im Männerchor.

Auf Schlager umgestellt

„Stimmlich stehen wir zurzeit noch gut da“, versichert Gerhard Höhn. „Aber wenn der erste oder zweite Tenor ausfällt, wird’s eng“, ergänzt Hans-Werner André. Das ursprüngliche Repertoire aus altem Liedgut habe der Männerchor – „schade drum, aber wenn’s nicht mehr gewollt ist“ - mit Schlagern und Musicalhits inzwischen erfolgreich dem veränderten Zuhörergeschmack angepasst.

Jetzt hoffen die Vorstände, dass über die Corona-Zeit die Lust am Singen nicht verloren geht und überhaupt der reine Männerchor mit seinem hohen Altersdurchschnitt nicht untergeht.

Aller aktuellen Widrigkeiten zum Trotz geht der Blick des Vereins optimistisch in die Zukunft. Denn: „Wer gerne singt, singt auch im gemischten Chor“. Die Lust am Singen zu wecken und dafür zu werben, hat sich der MGV Wiesenthalerhof für die Zukunft jedenfalls vorgenommen.