Kaiserslautern
Lutrina-Klinik am neuen Standort im PRE-Park eröffnet
Wenn man Showroom hört, denkt man an teure Autos oder noble Designertaschen, an München, Paris oder New York. Doch in der Brüsseler Straße 7 in Kaiserslautern steht ein Showroom besonderer Art: ein Show-OP. „Die neueste Technik, das beste Material“, fasst es der auf Knie-Chirurgie spezialisierte Wolfgang Franz zusammen. Um dies möglich zu machen, sei die Firma Arthrex, von der die medizinische Ausstattung kommt, den beiden Investoren finanziell entgegen gekommen. Dafür können jene Operationen per Kamera zum Beispiel live in den Konferenzraum im Stock darüber übertragen und so Fortbildungen für Mediziner anbieten.
Neben der Kamera an der Decke sind weitere in den Lampen eingebaut, „so dass wir damit ein schärferes Bild vom OP-Bereich haben als mit bloßem Auge“, erläutert Sascha Hopp, auf die Leiste spezialisierter Sporttraumatologe und Knie-Chirurg. Das Bild seines Handys, das er auf dem OP-Tisch platziert hat, ist stark vergrößert auf dem Bildschirm in der Wand zu sehen.
Musik für den Chirurgen, Video für den Patienten
Und damit der Chirurg bei der Arbeit bei Laune gehalten wird, kann er seine Musik direkt vom Handy auf die OP-Lautsprecher übertragen. „Das sind halt schöne Gimmicks“, meint Franz und scrollt durch seine Playlist auf dem Smartphone: Neben James Blake oder Pink Floyd sind passenderweise auch schon mal die Dark Jazzer „Bohren & der Club of Gore“ zu hören.
Für die reine Luft in zweien der drei Operationssälen sorgt eine Belüftungsanlage, die allein einen Raum füllt. „Hier haben wir die höchste Reinheitsklasse 1a und können zum Beispiel Prothesen einsetzen“, erläutert der 46-jährige Hopp im großen OP, „im Nachbar-OP ist es 1b“.
Minibar ist in Investition von 22 Millionen Euro drin
Rund 22 Millionen Euro hat das gesamte Projekt die beiden Gesellschafter gekostet, die seit 2016 die Lutrina-Klinik je zur Hälfte besitzen und betreiben. Am neuen Standort haben sie nun 6000 Quadratmeter Fläche auf sechs Stockwerken, auch die Anzahl der Betten ist mit ins gesamt 35 – zehn im Aufwachraum für die ambulanten Patienten und 25 auf der Station – leicht gestiegen: Acht Zweibettzimmer, die auch einzeln belegt werden können, und drei Dreibettzimmer stehen dort zur Verfügung. Hopp öffnet eine kleine Tür: „In jedem Zimmer ist ein Kühlschrank.“ Mit Whiskey ist die „Minibar“ jedoch nicht gefüllt, schüttelt er schmunzelnd den Kopf.
Damit es den Patienten an nichts fehlt, bekommen sie auf Wunsch auch ein Video ihrer OP, nickt Franz. „Nicht in voller Länge, das wäre zu langweilig, sondern geschnitten.“ Dieser Film im Doctor’s Cut hat auch Ton. „Die im Hintergrund laufende Musik ist mit drauf“, extra unterlegt werde der Film jedoch nicht.
Weitere Ärzte und medizinische Angebote im Gebäude
Im Erdgeschoss haben Franz und Hopp ihre Praxisräume sowie drei andere Ärzte: Orthopäde und Unfallchirurg Martin Heth, Gefäßchirurgin Okka Ehmen und Schulterspezialist Benjamin Scheder, „der auch Vollprothesen einsetzt“, freut sich der 62-jährige Franz. „Damit haben wir die drei Standorte in der Innenstadt zu einem vereint.“
An der Fassade prangt jedoch nicht der Schriftzug „Lutrina-Klinik“, sondern „Medic-Park“. „Im Gebäude sind noch weitere Ärzte als Mieter, und denen wollten wir nicht unseren Namen aufdrängen“, erläutert Franz. Sechs weitere Mediziner praktizieren dort, zudem ergänzen das Sanitätshaus Ank und eine Physiotherapiepraxis das Angebot. Noch sei Platz für weitere Praxen, doch „nicht mehr sehr viel.“
80 Prozent der Ausstattung im PRE-Park ist neu
Dass die Instrumente und weiteres Material wie OP-Schuhe im Haus sterilisiert werden können, erleichtert laut Franz die Arbeit. Nach einem Gang in der „Waschmaschine“ kommen die Geräte in die Sterilisation: „140 Grad, Überdruck und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit“ machen jeglichem Keim den Garaus.
Rund 80 Prozent der Ausstattung sind neu, nur 20 Prozent hat das Team vom alten Standort mitgenommen. „Zum Beispiel die OP-Tische, die waren nagelneu.“ Rund ein halbes Jahr lang dauerte die Vorbereitung des Umzugs, „dann ging alles ganz schnell“, schildert Hopp. „Innerhalb von 14 Tagen waren drei Praxen und eine Klinik umgezogen.“ Bis kurz vor Weihnachten wurde der Klinikbetrieb fortgesetzt, „am 20. Dezember haben wir den letzten Patienten in der Karl-Marx-Straße entlassen und am 4. Januar, dem Eröffnungstag, den ersten Patienten hier operiert, in der Ambulanz.“ Das war nur möglich, weil die Klinik keine Notaufnahme hat und die Operationen terminieren konnte.
Kassenpatienten werden ebenso behandelt wie Privatversicherte
Auch wenn sie privat betrieben wird, legen die beiden Mediziner Wert darauf, dass es keine Privat-Klinik ist: „Wir behandeln Privatversicherte ebenso wie Kassenpatienten“, sagt Hopp, „wir wollten hier kein exklusives Feld aufmachen.“
63 Personen sind derzeit in der Lutrina-Klinik beschäftigt. Dazu kommen zehn weitere Ärzte mit jeweils rund fünf Personen als Mitarbeiter. Außer dem medizinischen und pflegerischen Personal ist ein Verwaltungsleiter mit noch mal rund 5 Mitarbeitern tätig.