Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Laut(r)er Ausstellungen: Tanzende Fassaden und Elementarteilchen

Von Haus aus Bauingenieur: Falk Baron Rausch von Traubenberg aus Hamburg alias „falk.brvt“.
Von Haus aus Bauingenieur: Falk Baron Rausch von Traubenberg aus Hamburg alias »falk.brvt«.

Kunsthochburg Kaiserslautern? Es scheint fast so: Anfang Mai haben in der Stadt gleich mehrere kleinere Galerien neue Ausstellungen eröffnet. Im Kunstraum Westpfalz zeigt Katharina Fischborn unter dem Titel „Du siehst es“ Holzschnitte und Zeichnungen. Im Brownian Motion Art Space dagegen gibt es unter dem Motto „family affairs“ Fotografien des Hamburger Künstlers Falk von Traubenberg alias „falk.brvt“.

Tanzende Häuser hat man selten gesehen. Es sind auch nicht wirklich ganze Häuser, die Katharina Fischborn zum Tanzen bringt. Sondern eher vielfarbige Hausfassaden mit Fensterreihen, die sich zu einem gewissen Takt zu bewegen scheinen. Andere fassadenähnliche Elemente fügen sich zu maskenähnlichen Gesichtern oder roboterhaften Figuren. Und dort, wo Fischborn nur einzelne oder sich überschneidende und überlappende Architekturelemente zeigt, deuten Verschiebungen und windschiefe Formen ebenfalls Bewegung an.

Aber nicht nur mit Formen, auch mit Farben weiß die Künstlerin umzugehen. Gelb-Blau-Schwarz-Kombinationen oder changierendes Rot in allen Schattierungen wirken lebendig und warm. Wirkungsvoll sind auch Druckgraphiken, die sie übereinandergelegt und so starke Farbverdichtungen erzeugt hat. Dazu kommt noch eine Serie von formsicheren Zeichnungen, feinst straffiert und mit wenigen geometrischen Formen akzentuiert. Fischborn benutzt etwa Pappelholz als Druckstock und Büttenpapier als Bildträger. Einzelausstellungen gab es bisher etwa in Utrecht, Wiesbaden, Remagen oder Mainz.

Linie als zentrales Element

Birgit Weindl vom Kunstraum Westpfalz nannte in ihrer Eröffnungsrede vor allem die Linie als zentrales Element der Fischborn’schen Kunst. Des Weiteren hob sie etwa den etwas anderen Lebenslauf der Künstlerin hervor, die erst im höheren Alter Kunst studiert habe und so auch erst später als Künstlerin in Erscheinung getreten sei.

Der Kaiserslauterer Pianist Philipp Huchzermeier, bekannt durch sein Tun beim Verein JA!ZZevau, untermalte die Eröffnung mit griffigen Jazz-, Ragtime- oder Bluesnummern und beförderte so spürbar die Publikumsgespräche.

Kranfamilien

Unter dem Titel „family affairs“ wiederum kann man sich ja so einiges vorstellen. Dass der Hamburger Künstler Falk Baron Rausch von Traubenberg alias „falk.brvt“ allerdings streng geometrische, fototechnische Ensembles von Baukränen unter diesem Titel zeigt, ist doch zumindest gewagt. Bei der Ausstellungseröffnung im kleinen Lauterer Brownian Motion Art Space bot Falk von Traubenberg denn seinem Publikum auch ausführliche Erklärungen zu seiner Kunst.

Da war von „Supermüttern“ oder „Superbrüdern“ die Rede, von „Kernfamilie“ und davon, dass der Fotokünstler im Gesamtprozess „superoffen“ sei. Es ging um „Rückgriffslogik“ auf Arbeiten vergangener Jahrzehnte oder um das, was Familie mit uns allen macht. Nicht leicht war es dabei, Falk von Traubenberg zu folgen und alle seine Rückschlüsse zu verstehen.

Formsicher und abstrakt

Aber warum geht man in eine Ausstellung? Um zu sehen, was die Kunst einem zu sagen hat. Vielleicht sogar, ohne dass man allzu ausführliche Erklärungen dazu bekommt. Und da hat der Mann aus Hamburg doch einiges zu bieten.

Dass man selbst Ablichtungen von Baukränen, deren verstrebte Gitterstrukturen, Betongewichte, Stahlseilzüge und weitere Teile dazu verwenden kann, formsichere und abstrakte Kunst zu machen, stellt Falk von Traubenberg mit Leichtigkeit unter Beweis. Sicher spielt da auch seine Profession als Bauingenieur eine Rolle. Die Bilder, die bei der Überlagerung und Verbindung der Kranteile entstehen, erinnern an den Blick durch ein Kaleidoskop. Sie wirken futuristisch und erscheinen perfekt verfügt. In einer Welt, die von Ungenauigkeit, Unwägbarkeiten und davon geprägt ist, dass der Mensch letztlich nichts wirklich perfektes erschaffen kann, kann solcherlei Kunst durchaus stabilisierend und stärkend wirken.

Galerist Jörg Heieck verortete von Traubenberg in seiner Eröffnungsrede nahe der Architekturfotografie und lobte die stimmige und einzigartige Symmetrie der gezeigten Werke. Dass er dazu humorvoll von der Elementarteilchenphysik in Verbindung mit Mutter und Vater sprach, zeigte, dass Kunst und entsprechende Ausstellungseröffnungen nicht immer nur bierernst ausfallen müssen.

Termine

Die Schau mit Holzschnitten und Zeichnungen von Katharina Fischborn ist samstags von 11 bis 13 Uhr im Lauterer Kunstraum Westpfalz in der Pirmasenser Straße 6 zu sehen.
Die Schau „family affairs“ ist bis 24. Mai samstags von 18 bis 19.30 Uhr in der Medicusstraße 28 geöffnet. Weitere Termine nach Vereinbarung: 0631 361-8181.

Studierte Kunst im fortgeschrittenen Alter und ist jetzt als Künstlerin präsent: Katharina Fischborn.
Studierte Kunst im fortgeschrittenen Alter und ist jetzt als Künstlerin präsent: Katharina Fischborn.
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