Vor der Wahl RHEINPFALZ Plus Artikel „Lautern ist gut!“: FW-Mann will Image der Stadt aufpolieren

Der Gelterswoog, sein Lieblingsort: Am Hohenecker hält sich Manfred Reeb (FWG) besonders gerne auf – für ihn ist der See das Sin
Der Gelterswoog, sein Lieblingsort: Am Hohenecker hält sich Manfred Reeb (FWG) besonders gerne auf – für ihn ist der See das Sinnbild seines Wahlspruchs »Lautern ist gut!«.

Er will gegen die Unterfinanzierung protestieren, Kliniken stärken, den Ruf der Stadt aufwerten: Auf Listenplatz eins führt Manfred Reeb, promovierter Onkologe in Rente, die Lautrer Freien Wähler durch den Kommunalwahlkampf. Am 9. Juni will er mit seiner Partei wieder in den Stadtrat einziehen – am liebsten in einer konstruktiven Opposition. Im RHEINPFALZ-Gespräch erklärt er seine Agenda.

Hier am Wasser, sagt Manfred Reeb, sehe man ja besser als überall sonst, was er eigentlich meine – mit seiner wichtigsten Botschaft, seinem Ziel. „Lautern ist gut!“, betont er nach einer kurzen Pause. Und nickt. Auf der Bank, die längs auf dem hölzernen Steg steht, dreht sich Reeb (66) rüber zum See, dem Gelterswoog, dann wandert sein Blick über die spiegelnde Oberfläche, hinter zu den sattgrünen Bäumen. Es ist frisch an diesem Morgen im Mai, aber der Mann, der die Stadtratsliste der Freien Wähler (FW) anführt, sie durch den Wahlkampf lotst, trägt Kurzarmhemd. „Lautern ist gut!“, sagt er noch einmal. Also im Sinne von: schön. Lebenswert. Wahrscheinlich auch unterschätzt.

Diese drei Worte, nicht zu vergessen das Ausrufezeichen, versteht der Dansenberger als eine seiner größten politischen Missionen. „Wir brauchen unbedingt ein besseres, ein selbstbewussteres Image“, fordert er – weil Lautern ja so viel mehr könne, als der Stadt nachgesagt wird. Im Sommer sei die Luft dank des Waldes ausgezeichnet, man zehre von „fantastischen“ Kulturangeboten, die Löhne seien gestiegen. Ach, und draußen warte natürlich die Natur: der Gelterswoog zum Beispiel, sein liebster Ort, hier gehört er auch der Paddlergilde an. „In der öffentlichen Wahrnehmung wird die Stadt immer schlecht dargestellt“, sagt Reeb, der Wahl-Pfälzer. „Aber das ist sie nicht.“ Dieses Bild gelte es zu polieren.

Grundeinstellung bezeichnet er als „öko-liberal“

Nun, wer ist dieser Mann, der vor 30 Jahren in Kaiserslautern eine neue Heimat gefunden hat? Der in der Stadt vor allem Gutes sieht?

Zunächst einmal: gebürtiger Hesse. Von Wiesbaden aus zog es Reeb einst zum Studieren nach Berlin, später Richtung Homburg, ehe er in die Westpfalz kam. Als promovierter Onkologe praktizierte er erst im Krankenhaus, dann in einer Praxis – bis er 2022 in den Ruhestand ging. Im Alter von 60 Jahren war Reeb bereits zuvor in der Parteipolitik gelandet: direkt bei den FW, die in Kaiserslautern heute 61 Mitglieder zählen und für die er seit 2019 im Stadtrat sitzt. Seine Grundeinstellung bezeichnet der stellvertretende Fraktionssprecher als „öko-liberal“. Er wolle also den Klimaschutz, die CO2-Reduktion forcieren – „aber effizient statt ideologiegetrieben“, meint er. Und weniger mit „strengen Vorgaben“. So viel zur Kurz-Vita.

Wenn Reeb über die zwei weiteren zentralen Wahlkampf-Themen reden soll, schlagen seine Forderungen schnell um in harsche Kritik. In Vorwürfe. Da wäre etwa der Haushalt, die klamme Kasse. „Eigentlich“, sagt der FW-Spitzenkandidat, „ist Kaiserslautern eine Boom-Stadt mit guter Steuerkraft. Doch durch die Ausplünderung der Landesregierung sind wir trotzdem verarmt.“ Was tun also? „Protestieren. Aufstehen und sagen: ,So geht das nicht weiter!’“ Mit seiner Partei, verrät Reeb, plane er deshalb jetzt sogar die Einreichung einer Klage – gegen die sinkenden Schlüsselzuweisungen aus Mainz.

„Wir müssen uns wehren“, meint der FW-Mann

Drittes Thema schließlich: der Gesundheitssektor. Ihm, dem Arzt, liege der ja besonders am Herzen, sagt er. Wie tief die deutschen Krankenhäuser, nicht zuletzt das Westpfalz-Klinikum, in finanziellen Nöten stecken, wie akut Insolvenzen drohen, das ist längst kein Geheimnis mehr – noch dazu frisst der Schwund an Babyboomern Personallücken in die Stationen. „Doch da hebelt uns die Gesundheitspolitik der SPD völlig aus“, meint Reeb. Nie dürfe die Finanzierung einer Klinik abgewälzt werden auf die Kommune, sagt er. Dann wieder der Aufruf: „Wir müssen uns wehren!“

Und was, Herr Reeb, passiert, wenn sich für die FW einmal mehr die Chance auf eine Koalition im Rat auftut? „Ausschließen tun wir nichts“, sagt er. Nun ja, „außer eine Kooperation mit der AfD“. Eigentlich aber wolle man lieber eine konstruktive Opposition bilden, ein Gegengewicht, legt Reeb nach. Denn die SPD passe inhaltlich nicht, die Grünen seien „zu ideologisiert“ – und in die CDU, tja, in die habe man längst das Vertrauen verloren.

Bitte ergänzen Sie, Herr Reeb!

Von Oberbürgermeisterin Beate Kimmel erwarte ich, …

... dass sie sich energisch gegen die krasse kommunale und Klinikunterfinanzierung stemmt.

Was ich gar nicht ausstehen kann, sind …

... politische Lügen sowie ’Ankündigen und nicht liefern’.

Mit geschenkten 100 Millionen Euro würde ich in der Stadt …

... den krassen Investitionsstau bei der öffentlichen Infrastruktur abbauen und Schulden tilgen.

An der Westpfalz mag ich besonders …

... das gute Klima, die tollen Freizeitmöglichkeiten und das niedrigschwellig nutzbare, super Kulturangebot.

Das größte Problem, das wir in Lautern haben, ist …

... das durch jahrzehntelange strukturelle Unterfinanzierung fehlende Selbstbewusstsein, eine tolle Stadtmarke zu entwickeln.

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