Miesau
Kammerkonzert mit dem Quartett F 24 in der protestantischen Kirche
Zwei Gemeinsamkeiten haben alle drei Komponisten: Ihre Arbeiten stehen in der Tradition der Mannheimer Schule, die die Vorklassik vor Haydn und Mozart europaweit entscheidend prägte – und sie sind für ein Streichertrio mit Klarinette geschrieben. „Und da ist die Auswahl an Stücken, die wir spielen können, nicht eben groß“, erzählte Carsten Petri. Der Klarinettist und Pädagoge in Kirchheim-Bolanden, der auch einen Lehrauftrag für die Leitung des klassischen Orchesters der TU Kaiserslautern hat, stammt aus Miesau. „Ich bin zwar in Homburg geboren, aber ich wurde sofort in die Pfalz ,exportiert’ und bin hier in Miesau aufgewachsen“, schmunzelte er. „In dieser Kirche wurde ich konfirmiert.“
Der erste Komponist des Konzertes, Peter Hänsel, war auch Carsten Petry und seinen Kollegen, Geiger Daniel Fichtner, Bratschistin Miriam Schulz-Raffelt und Christine Rutz am Cello unbekannt. „Es gibt noch so manche Perle in der Tradition der Mannheimer Schule zu entdecken“, meinte Petry. Das dreisätzige Quartett B-Dur op. 19 des gebürtigen Schlesiers Hänsel (1770 bis 1831), der als Geiger, Komponist und Konzertmeister in Warschau, St. Petersburg, Paris und Wien tätig war, war eher ruhig gehalten. Das Quartett F 24 hob die Ausgewogenheit der Sätze klangschön hervor, lediglich im abschließendes Rondeau schlugen sie schnellere Tempi an.
Auf an den Mannheimer Hof
Danach ging die musikalische Reise weiter an den Mannheimer Hof. Hier wirkte der in Heidelberg geborene Klarinettenvirtuose Franz Tausch (1762 bis 1817), der später den Kurfürsten nach München begleitete und dann seine Karriere in Berlin fortsetzte. Die drei Duos für Klarinette und Fagott (respektive Violoncello) op. 21 mit dem Duo Nr. 3 in F-Dur fesselten vor allem durch ihr stilsicheres Spiel mit Klangfarbenkontrasten. Die hellen Klarinettenmelodien bildeten dabei in der Interpretation des Quartettes F 24 einen lebhaften Kontrast zu den dunklen Farben der sehr klar und doch immer weich intonierenden Streicher. Mit einem wundervoll ausbalancierten Klangbild begeisterten die vier Kammermusiker vor allem im langsamen Mittelsatz durch ihre weiche, klangschöne Formgebung und ihre Ausdruckskraft, die ganz in der Tradition des empfindsamen Stils der Mannheimer Schule stehen, aber auch die Romantik stellenweise schon vorwegnehmen. Die vier Instrumente fanden hier zu einem bezaubernden Gleichklang, keines dominierte oder stach aus dem Ensembleklang hervor. Ganz anders wirkte dagegen die munter-hüpfende, tänzerische Weise des Rondo-Allegrettos, in der die einzelnen Instrumente abwechselnd das Thema übernahmen, mit mühelos-fließender Leichtigkeit.
Der dritte im Bunde war der skandinavische Meister Bernhard Henrik Crusell (1775 bis 1838). Der im finnischen Nyborg geborene Komponist und Klarinettist zog später nach Stockholm und vertiefte seine Ausbildung bei Aufenthalten in Berlin und Paris. Die frühromantischen Einflüsse in seinem Quatuor op. 4 in c-moll für Klarinette, Violine, Bratsche und Cello hob das Quartett durch sein ausdrucksvolles Spiel in schön ausgeformten, weichen Klangbögen hervor. Subtil ausgestaltete Steigerungsprozesse und Spannungsmomente, in denen Klarinettenmotive für einen kurzen Moment dramatisch aufblitzen, unterstrichen die Bezüge zur Romantik. Doch vor allem die innige Gestaltung der farbigen Pastorale betonte die romantischen Stilelemente des Werkes. Das lebhafte Rondo, bei dem am Anfang ein paar kleine Unstimmigkeiten in der Intonation der Streicher zu hören waren, gehörte dann aber wieder in die Klassik. Für den Applaus bedankten sich die Künstler mit „Guten Abend, gute Nacht“ von Johannes Brahms. Da die Besucher nicht singen durften, summten sie die beliebte Melodie einfach mit – ein zutiefst berührender Moment zum Abschluss dieses Corona-Konzertes.