Fragen und Antworten
Kaiserslautern bei IHK-Standortumfrage nur Mittelmaß
Wie lief die Umfrage ab?
Befragt wurden im Februar und März 2022 2900 Unternehmen, auch aus Gastronomie und Handel. Geantwortet haben 221. Die Rücklaufquote von 7,1 Prozent reicht laut IHK für repräsentative Aussagen.
Wie hat Kaiserslautern abgeschnitten im Vergleich zu den anderen kreisfreien Städten?
„Insgesamt befriedigend. Viele Unternehmen wünschen sich aber einen echten Aufbruch und konkrete Initiativen, um den Standort voranzubringen“, so Michal Schaum, Regionalleiter Nordwestpfalz bei der IHK Pfalz. Nach Schulnoten erhielt die Stadt eine 2,8, das war der gleiche Wert wie 2015 und 2018, Landau Speyer und Frankenthal kamen auf 2,6, Neustadt nur auf 3,1. Nur etwas mehr als 40 Prozent der Unternehmen schätzen die Rahmenbedingungen vor Ort als sehr gut oder gut ein.
Was sind die zentralen Kritikpunkte?
Als besonders schlecht wird die Baustellenkoordination empfunden. Dafür gab es die Note 4,1. „So schlecht schnitt in der Pfalz sonst nur Speyer ab“, sagt Schaum. Er schließt nicht aus, dass dieses Urteil damit zu tun hat, dass nicht gut kommuniziert wird, wo Straßen aufgerissen werden. Das Übersichtsportal im Netz sei monatelang abgeschaltet gewesen. Unzufrieden sind die Firmen auch mit der zu langen Bearbeitungszeit von Anliegen und Verfahren, zudem wünschen sie sich ein offeneres Ohr für Wirtschaftsfragen, sowohl seitens der Politik als auch der Verwaltung. Als nicht befriedigend bewertet wird die Verfügbarkeit von Fachkräften (3,7). Die schlechte Erreichbarkeit der Verwaltung und Wartezeiten in Bürgercenter und Kfz-Zulassung waren sehr oft Thema, so Schaum.
Wo hakt es noch?
Die Qualität der digitalen Infrastruktur gehört zu den bedeutendsten Standortfaktoren für die Wirtschaft. Umso bedenklicher, dass das Angebot vor Ort nur mit 3,1 bewertet wird, zumal Kaiserslautern landesweit als digitale Vorzeigestadt gilt. In der Praxis hakt es, bemängelt wurde, dass es zu wenige digitale Möglichkeiten gibt, die Verwaltung zu erreichen. Die Erreichbarkeit des Industriegebiets Nord mit dem ÖPNV vor allem für Schichtarbeiter wurde ebenfalls als nicht gut empfunden. „Da müssen wir ran“, so Schaum. Der PRE-Park sei mittlerweile gut angebunden.
War die Innenstadt Thema?
Ja, ihre Attraktivität wird nur mit 3,8 bewertet, das Image der Stadt mit 3,6. Konkret sei sehr viel Kritik an den hohen Parkgebühren geübt worden, die seit Mai gelten. Auch Sicherheit und Sauberkeit seien moniert worden, so Schaum. Viele Unternehmen wünschten sich konkrete Maßnahmen, um den Abwärtstrend in der City zu stoppen.
Womit punktet Kaiserslautern?
Die höchste Zufriedenheit (Note 2,1) erzielen die Verkehrsanbindung, die Nähe zu Kunden und Zulieferern sowie die Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Noch eine Zwei vorm Komma gibt es für die Nahversorgung und das Schulangebot. Bei den emotionalen Faktoren überzeugt Kaiserslautern mit Heimatverbundenheit, Familienfreundlichkeit und Lebensqualität. Für das Freizeitangebot gibt es die Note 2,9.
Wie geht es jetzt weiter?
„Wir werden schnell als IHK das Gespräch mit Oberbürgermeister Klaus Weichel und den Vertretern der Wirtschaftsförderungsgesellschaft suchen“, kündigt Schaum an. Ihm gehe es um ein partnerschaftliches Miteinander. „Wir müssen gemeinsam versuchen, die Stadt nach vorne zu bringen, Verbesserungen zu erreichen. Wir brauchen mehr attraktiven Wohnraum, wir müssen schnell neue Gewerbeflächen erschließen.“ Das sei bei der Umfrage wieder deutlich geworden. Beim Wohnraumangebot (Note 3,3) und bei der Verfügbarkeit von Gewerbeflächen (Note 3,4) habe Kaiserslautern in der Bewertung der Unternehmen schlechter abgeschnitten als noch vor vier Jahren.