Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Hoffmann singt Brel in der Kammgarn

Emotionale Momente: Klaus Hoffmann singt die legendären Brel-Chansons im Kammgarn-Kasino.
Emotionale Momente: Klaus Hoffmann singt die legendären Brel-Chansons im Kammgarn-Kasino.

Eine Hommage an einen berühmten, bereits verstorbenen Musiker ist schon eine besondere Sache. Wenn der ausführende Interpret dabei ebenso emotional hochstehend wie technisch versiert den zu Verehrenden greifbar werden lässt und ihn nicht nur etwa schnöde imitiert, dann ist das eine noch außergewöhnlichere Angelegenheit. So geschehen am Mittwochabend im voll besetzten Kasino der Kammgarn, als Sänger Klaus Hoffmann dem belgischen Chansonnier Jacques Brel über zwei Stunden lang eine neue, tiefe und deutschsprachige Identität auf der höchstmöglichen Qualitätsebene einer Interpretation verlieh.

Auf der einen Seite dieser Ebene: Jacques Brel (1929 bis 1978), einer der bekanntesten Vertreter des französischen Chanson, der seinerzeit mit seinen auf der Bühne mit umwerfender Dynamik vorgetragenen Titeln über die Liebe, den Tod und die Gesellschaft für Furore sorgte. Und der bis heute nachwirkt: Titel wie „Amsterdam“ und „Le Moribond“ kennt man auch außerhalb der Chanson-Welt.

Auf der anderen Seite: der Berliner Musiker, Autor und Schauspieler Klaus Hoffmann, Jahrgang 1951, mit eigenen Kompositionen erfolgreich und seit langem auch als der deutsche Jacques-Brel-Interpret schlechthin bekannt. Vieles von dem, was Brel einst in seinen Chansons beschrieb und mit seiner Musik bewirkte, (be-)traf auch den jungen Klaus Hoffmann, der sich damit aus den Zwängen der Gesellschaft seiner Zeit und Umgebung zu befreien suchte. Seit seiner ersten von mittlerweile über 40 Produktionen publiziert der vielfach preisgekrönte Künstler nun gut interpretierte Brel-Chansons mit deutschen Texten, in der Regel aus seiner eigenen Feder. 1996 schuf er über den Kontakt mit Brels Witwe Therèse das erfolgreiche Musical „Brel – die letzte Vorstellung“. Und zum 30. Todestag des Belgiers spielte Hoffmann 2008 sogar mitten in Paris. Wenn einer Brel kennt, fühlt und versteht, dann ist es Klaus Hoffmann.

Qualität und Unterhaltung

Diese große Zuneigung zum Vorbild war auch in der Kammgarn zu jeder Zeit zu spüren. So erzählte Hoffmann in seinen launig-nachdenklichen Moderationen oft erst von sich selbst, allzumal seinen bewegten und bewegenden Jugendjahren in Berlin, wechselte dann fast unmerklich zur Person und Vita Jacques Brels, die dann schließlich in einem passenden deutschsprachigen Chanson mündeten. Die Charaktere und Anekdoten der beiden Protagonisten vermischten sich in diesem Moment, wuchsen zu einer starken Bühnenfigur zusammen, die dem begeisterten Publikum alles an Qualität, Information und Unterhaltung gaben, was es erwartet hatte.

Ja, Bühnen-Figur – das war Hoffmann auch. Denn er interpretierte die Brel-Titel nicht einfach „nur so“, sondern setzte sie meist auch noch – und zwar ganz ohne die berühmte exaltierte Vortragsart Brels – mit passender Mimik und Gestik fast schon szenisch um. So sang er auch schon mal an passender Stelle mit ersterbender Stimme, machte zum Ende eines tanzbaren Stücks forsche Flamenco-Schritte, ging bei einem Titel zur Gaudi des Publikums auch schon mal mitten hinein in den Zuhörerraum. Da spürte man den gelernten Schauspieler.

Mit viel Gefühl

So ging es Schlag auf Schlag, folgten auf die erwähnten Moderationen mit kühnen Gedankensprüngen in jüngere Zeiten (in denen dann auch mal etwa Heidi Klum oder das SPD-Parteiprogramm Erwähnung fanden) die ungezählten Brel-Titel in neuem sprachlichen Gewand: „So sind hier die Leute“ (im Original „Ces gens-là“), „Amsterdam“, „Marieke“, „Mein Flanderland“ („Le Plat Pays“) und „Geh nicht fort von mir“ (bei Brel „Ne me quitte pas“) – alles mit viel Gefühl und, von ein paar Ausnahmen mit Gitarrenbegleitung abgesehen, nur unterstützt vom Hans-Wolfgang Bleich am Flügel. Der seit Jahrzehnten treue musikalische Weggefährte Klaus Hoffmanns diente außer als stummer Ansprechpartner für Hoffmanns Zwischen-Moderationen vor allem als zurückhaltender, aber verlässlicher Unterstützer. Ohne ihn und sein so virtuos wie einfühlsames Spiel hätte der Abend in dieser runden Form nicht gelingen können.

Und dann der Zugabenteil. Jacques Brel gab grundsätzlich nie einen. Hoffmann und Bleich aber durchaus. Und was für einen. Da gab es vor allem „Adieu Emile“, das tief unter die Haut gehende Abschiedslied eines Sterbenden. Bei Brel hieß das Stück „Le Moribond“, 1973 avancierte es in aufgebohrter Version als „Seasons in the Sun“ zu einem Welthit. Hoffmann interpretierte es in seiner Version ganz am Ende mit unglaublicher Kraft und Emotion als würdigen Abschluss eines lang erwarteten, zuvor schon zweimal verschobenen Konzertabends.

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