Betze-Geflüster RHEINPFALZ Plus Artikel Erich Huber, der Ansprechpartner und Helfer der gehandicapten FCK-Fans

Der Behinderten-Fanbeauftragte Erich Huber mit der Meisterschale von 1998, die auch beim Spiel des FCK gegen Bielefeld am Samsta
Der Behinderten-Fanbeauftragte Erich Huber mit der Meisterschale von 1998, die auch beim Spiel des FCK gegen Bielefeld am Samstag eine Rolle spielen wird.

Es ist eine Berufung und auch eine Herzenssache: Wenn der 1. FC Kaiserslautern am Samstag sein Heimspiel gegen Arminia Bielefeld bestreitet, ist Erich Huber natürlich in seiner Funktion als Behindertenbeauftragter des 1. FC Kaiserslautern dabei. Dann wird er sich an dem Tag, an dem auf dem Betzenberg auch an die sensationelle Meisterschaft von 1998 erinnert wird, wieder um die gehandicapten Fans beider Mannschaften kümmern.

Seit 2016 ist Erich Huber, der vor nicht allzu langer Zeit 70 Jahre alt wurde, beim FCK offiziell in der ehrenamtlichen Funktion des Behindertenbeauftragten unterwegs. Doch schon sehr viel länger engagiert sich Huber, langjähriges Mitglied im FCK-Fanclub „Fairplay“, vor allem für Fans, die im Rollstuhl sitzen. Als er dann wegen seiner beiden Töchter doch einem FCK-Fanclub (damals der Fanclub Wittlich, der später zu „Fairplay“ wurde) beitrat, was er vorher eigentlich gar nicht für nötig befand („Ich hab mir immer gedacht, den FCK kann ich mir auch ohne Fanclub anschauen.“), lernte er eine Frau kennen, die unter Multipler Sklerose litt und die im Rollstuhl saß. „Das war mein erster Berührungspunkt mit Rollstuhlfahrern.“

Jedenfalls war jene Dame, obwohl es ihr nicht gut ging, fest entschlossen, zu einem FCK-Auswärtsspiel bei Werder Bremen zu fahren. Was sie dann auch tat. „Dieser Wille, diese Entschlossenheit haben mich sehr beeindruckt“, erinnert sich Huber. Und da wurde die Idee geboren, mal eine Auswärtsfahrt für die „FCK-Rollis“ zu organisieren. 1997 wurde der Plan umgesetzt. Über Spenden und Sponsoren wurde das dafür notwendige Geld zum größten Teil zusammengebracht. „Wir sind mit 20 Kleinbussen mit 50 Rollstuhlfahrern nach Frankfurt gefahren. Dazu waren noch zwei große Busse dabei, sodass wir letztlich mit 200 Leuten dorthin gefahren sind. Das war schon beeindruckend, wie wir mit dem Konvoi über die Autobahn gefahren sind. Am Steuer von einem Kleinbus saß übrigens auch Norbert Thines, der sich immer sehr stark für die behinderten FCK-Fans engagiert hat.“

Rehhagel Vorreiter für „Rolli“-Autogrammstunde

1997 schaffte es der Fanclub dann, den damaligen FCK-Trainer Otto Rehhagel für eine Autogrammstunde nur für Rollstuhlfahrer zu gewinnen. „Die hatten ja bei normalen Autogrammstunden fast keine Chance, an die Spieler ranzukommen“, sagt Huber. Rehhagel jedenfalls wunderte sich, dass keiner seiner Spieler dabei war und verpflichtete sie quasi dazu, auch mal für die „Rollis“ da zu sein. Im Jahr 2000 waren die Spieler dann da, um die Autogrammwünsche ihrer gehandicapten Fans zu erfüllen. „Da waren alle da, ob Sforza, Djorkaeff oder Basler“, erinnert sich Huber. Mittlerweile ist die Autogrammstunde für die Rollstuhlfahrer fest im Jahresplan verankert – ebenso wie die jährliche Weihnachtsgeschenke-Aktion im Stadion, die es seit 1997 gibt.

Das Engagement von Erich Huber blieb jedenfalls nicht unbemerkt. Und so wurde er vom damaligen Fanbeauftragten Christoph Schneller 2016 gefragt, ob er das Amt übernehmen wolle. Der damalige Behinderten-Fanbeauftragte musste aus beruflichen Gründen aufhören. Huber wollte. „Ich bin da, bin Ansprechpartner wenn Fragen aufkommen, was gerade bei den gegnerischen Fans öfter der Fall ist“, beschreibt Huber seine Tätigkeit an Spieltagen. „Ich schaue am Spieltag auch als Erstes in die Behindertentoiletten, ob da alles in Ordnung ist. Ansonsten bin ich da, wenn es irgendwelche Probleme gibt.“

Tipps für die Fans des Gegners

100 Plätze für Rollstuhlfahrer gibt es im Stadion. „Zehn Prozent davon müssen wir für die Gäste vorhalten“, sagt Huber, der berichtet, dass gerade bei gegnerischen Vereinen, die mit vielen Fans nach Kaiserslautern kommen, wie zum Beispiel dem Hamburger SV, dann auch mehr gehandicapte Fans dabei sind. „Die bekommen dann auch von mir immer den Tipp, sich eher in Richtung Osttribüne zu stellen, wo ihre eigenen Fans sind.“

Ansonsten dreht sich unter der Woche „viel um Tickets“, berichtet Huber. „Da kann ich den Leuten Hinweise geben, welche Plätze für sie am ehesten in Frage kommen, wenn sie zum Beispiel gehbehindert sind. Das leite ich dann an den Service weiter. Das funktioniert hervorragend.“ Ebenso reibungslos läuft die Arbeit mit den Fanbeauftragten des FCK. Für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, arbeitet der FCK derzeit daran, eine Lösung für einen reibungslosen Stadionzugang zu finden. „Das ist auch immer wieder ein großes Thema“, sagt Huber.

Tätigkeit gibt auch Huber viel

Der 70-Jährige, der, wie er selbst sagt, den FCK lebt, hat jedenfalls noch nie bereut, das Amt des Behinderten-Fanbeauftragen angenommen zu haben. „Die Leute sind dankbar für das, was wir tun. Sie ertragen ihr Schicksal ohne zu jammern. Und wir können dazu beitragen, dass sie auch schöne Momente im Stadion haben. Das gibt auch mir sehr viel.“

Schöne Momente sollen die Gehandicapten auch am Samstag beim Spiel gegen Bielefeld im Stadion haben, wenn dann auch etliche Spieler der Meistermannschaft von 1998 dabei sein werden. Und natürlich auch Meistertrainer Otto Rehhagel, der vor 26 Jahren die erste Autogrammstunde nur für Rollstuhlfahrer gab. Der Kreis schließt sich sozusagen.

Markus Weis
Markus Weis

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Der Newsletter wird jeden Freitag verschickt.

Noch mehr FCK gibt es hier:

Pokalsieger, Absteiger, Wiederaufsteiger, Meister: Der 1. FC Kaiserslautern ist wie kaum ein zweiter deutscher Fußballverein in der Region verankert. Unsere Redaktion ist dicht dran am FCK und bietet exklusive Einblicke in den legendärsten Club aus der Pfalz. Alle wichtigen Infos, Hintergründe und Neuigkeiten gibts für Fans auch in unserem Newsletter und dem Podcast Lautre!

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

x