Landstuhl
Empfang bei Heimatfreunden: Statt öder Reden tolle Musik mit Andy Kuntz und Martin Preiser
Zuerst aber war Andy Kuntz von den Socken: Extra aus München waren zwei junge Damen angereist, um den Lauterer Musiker, Texter, Komponisten und Frontmann der Rockband Vanden Plas hautnah zu erleben. Bereits frühmorgens um 4 Uhr hatten sich Daniela und Martie auf den Weg gemacht, um ihr Idol, von dem sie sämtliche Alben besitzen, nicht zu versäumen. Nicht aber als Graf von Monte Christo und auch nicht als Progressiv-Rocker erschien Kuntz vor zahlreichen Gästen, sondern als großartiger Rockballaden-Interpret. Mit dem Pianisten Martin Preiser, mit dem er zum zweiten Mal überhaupt auftrat, verstand er sich auf Anhieb. Zwei, die sich gesucht und gefunden haben.
Bereits mit „Angels“ von Robbie Williams bekamen die Hörer Gänsehaut. Kuntz coverte in keinster Weise diesen Song, sondern interpretierte ihn auf seine individuelle Art. „Ich bin kein Cover-Sänger“, betonte er im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Ich passe jeden Song meinem eigenen Duktus an.“
Stimmumfang wie Axl Rose
Da staunten die Gäste schon mal gleich über seinen Drei-Oktaven-Stimmumfang, der bis ins hohe B6 reichte, ohne ins Falsett überzuwechseln und im Ranking fast dem von Frontsänger von Guns'n'Roses, Axl Rose, gleichkam. Mit einer Souveränität und Sicherheit, als hätte er das alles schon hundert Mal gespielt, traf Martin Preiser Stimmung und Gehalt des Songs und strahlte dabei enorme Sicherheit aus.
Mit seinem großen Arsenal stimmlicher Möglichkeiten trug Kuntz auch in die weiteren Songs wie „Baby Grand“ von Ray Charles, „Shape of my Hart“ von Sting oder „Honesty“ von Billy Joel Balladenintensität. Ausgewogen mischte er dabei die Ingredienzien „sweet“ und „funky“, indem er sie mit dem Enthusiasmus eines selbstvergessenen Rocksängers vortrug. Der Sänger versetzte sich mit seiner schattierenden Dynamik völlig in die Songs, lief mit dem Mikrofonständer hin und her, riss das Mikrofon aus der Umklammerung und gab das Signal zu einem mitreißenden Höhepunkt, dass sich dem Zuhörer sämtliche Gänsehäutchen kräuselten. Nicht nur seine Stimme, auch seine Performance waren fantastisch.
Preiser offenbart Brillanz
Stimme, Gestik und Mimik schienen auch in Elton Johns „Your Song“ eins, wenn er schier jedes Wort betonte und mit hoher Ausdrucksfähigkeit sang. Seine dramatische Interpretation mit langen Melodiewindungen, raffinierten Dynamikwechseln und Preisers schroffen Piano-Akkorden rissen das Publikum unweigerlich mit. Kuntz’ leises Raunen in der Einleitung, die expressive Gestaltung des Songs im Hauptteil und das schier ewig lange Aushalten des Tons zum Schluss trafen ganz tief in die Magengrube. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der Pianist zugleich mit sublimer Pianissimo-Klangkultur die besten interpretatorischen Absichten spüren ließ.
Als Begleiter von hoher Anschlagskultur und pianistischer Brillanz zeigte sich Preiser auch in „Don't Dream It's Over“ von Diana Krall und „Feel“ von Robbie Williams. Vor allem in den Vor- und Nachspielen wusste er mit seiner Phrasierungskunst zu begeistern. Die Melodie des locker-flockigen „Feel“ ging sofort ins Ohr. Gerade bei diesem Song fanden sich genügend Gelegenheiten zu kraftvollen Spitzentönen und vielgestaltiger Ornamentik.
Höchst beschwingt auch ohne Gläschen Sekt
Wenn Andy Kuntz mit bestens gefülltem Brustkasten und sonorer Stimme anfing und sich zu höchsten Tönen aufschwang, konnte man die ganze Spannweite seines Ausdrucksvermögens orten. Wenn er dabei den Arm in die Luft reckte, einen mächtigen Ausfallschritt machte und dabei sein schulterlanges Haar schüttelte, flogen seine Haare nur so hin und her. Das Publikum aber war fasziniert von seinem Gesang.
Ein Wechselbad der Gefühle für das Publikum, das die Künstler mit Ovationen im Stehen feierte und mit Sinatras „My Way“ eine herrliche Zugabe bekam. Ein wohlverdientes Gläschen Sekt zum Abschluss schlugen die beiden Gäste aus Bayern jedoch aus. Sie wollten ja noch sicher nach München zurückfahren.