Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Dokumentation über Pfälzer in Amerika wird in Kaiserslautern gezeigt

Benjamin Wagener und Christian Schega bei den Dreharbeiten zu „Hiwwe wie driwwe“, eine Suche nach pfälzischen Spuren in Amerika.
Benjamin Wagener und Christian Schega bei den Dreharbeiten zu »Hiwwe wie driwwe«, eine Suche nach pfälzischen Spuren in Amerika.

Etwa 400.000 Amerikaner sprechen Pfälzisch: zumindest eine darauf aufbauende Sprachvariante. Durch Zufall erfuhren die Filmemacher Benjamin Wagener und Christian Schega davon. Weil es bislang nur kurze Youtube-Videos gegeben habe, drehten sie einen Dokumentarfilm. „Hiwwe wie driwwe“ ist in den nächsten Tagen auch in ausgewählten Kinos in der Region zu sehen.

Saumagen essen, Elwetritsche jagen und fangen – zwei Erfahrungen, die einen echten Pfälzer (vielleicht) ausmachen. Der US-Amerikaner Douglas „Doug“ Madenford ist Nachfahre von Pfälzer Auswanderern. Er pflegt in seiner Heimat Pennsylvania den Pfälzer Dialekt, aber auch alte Gewohnheiten und Bräuche, dreht kleine Videos darüber, die er online veröffentlicht, um auch Jüngere dafür zu interessieren. Schega und Wagener stolperten auf Youtube über ihn. Schnell war klar: Er soll im Dokumentarfilm „Hiwwe wie driwwe“ ihr Protagonist werden. Der in Pennsylvania geborene Madenford suchte zusammen mit dem Filmteam nach pfälzischen Spuren in Amerika und reiste in die Heimat seiner Vorfahren. „Wir haben durch Zufall vom Pennsylvania Dutch erfahren, es gibt einige Youtube-Videos, aber bislang keinen eigenen Film“, erklärt Wagener.

Schega und Wagener kennen sich aus gemeinsamen Zeiten beim Offenen Kanal Landau. Der von dort stammende Schega studierte schließlich an der Filmakademie Baden-Württemberg Produktion, Kollege Wagener ist studierter Medienpädagoge, er machte sich 2017 als Kameramann und Cutter mit eigener Produktionsfirma selbstständig. Außerdem gibt er an der Kinder-Uni der Hochschule Kaiserslautern Film-Kurse.

Saumagen in Pennsylvania

Das Pennsylvania Dutch „klingt wie eine Mischung aus Englisch und Pfälzisch, ein bisschen wie wenn ein alter Pfälzer Englisch lernt“, erklärt Schega. Vor 300 Jahren wanderten Menschen aus Rheinhessen, der Pfalz und Baden in die USA aus und siedelten sich in und um Pennsylvania an. Die Sprache begleitet sie bis heute. So wie den Deutschlehrer Madenford. Mit ihm trafen Schega und Wagener in den USA unter anderem auf dem Kutztown Festival, einem Volksfest, Kunsthandwerker, besuchten eine Metzgerei, in der Saumagen hergestellt wird, oder bekamen von Kindern das Ständchen „Old McDonald hot e Bauerei“ gesungen. Für die 90-minütige Dokumentation gingen sie gemeinsam mit Madenford auch in Deutschland der Pfälzer Lebensart auf den Grund: Doug „schwätzte“ mit Comedian Chako Habekost, schaute bei Winzern und Bauern in Westheim bei Germersheim vorbei.

Lockere Lebensart „hiwwe wie driwwe“

„Die Pfälzer sind nicht gerade Großstädter. Das ist in Pennsylvania ähnlich“, erzählt Schega über die auf beiden Seiten des Meeres vielerorts eher ländlich geprägten Gebiete. „In Pennsylvania haben sie ihre Maisfelder, bei uns sind es häufig die Weinberge“, erklärt er mit Blick auf die eigene Herkunft. Doch auf eine „lockere, offene Lebensart“ trafen sie „hiwwe wie driwwe“. „In der Pfalz genießt man einfach das Leben“, sagt er. Und so sei der Film auch gemeint und bei einer „Vorpremiere“ auch aufgenommen worden, sagt Wagener: „Es ist eine Liebeserklärung an die Pfalz.“

Info

Die Doku „Hiwwe wie driwwe“ läuft am Sonntag, 14. April, 20 Uhr, im Broadway Kino Ramstein-Miesenbach. Neben den beiden Produzenten sind als Gäste Historiker Roland Paul und Protagonist Douglas Madenford dabei. Am Mittwoch, 17. April, zeigt das Central Kino in Kaiserslautern den Film. Für eine anschließende Diskussion sind ebenfalls Madenford, Schega und Wagener vor Ort.

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