Kaiserslautern
Die Digitalisierung von Schulen wird in Kaiserslautern pragmatisch angegangen
Unkompliziert über drahtloses Netzwerk online recherchieren oder mal eben im Unterricht ein Youtube-Video zum aktuellen Thema zeigen? Das ist oft nicht möglich. Es war also schon vorher kein Geheimnis, doch die Schulschließungen im Frühjahr haben besonders deutlich gezeigt: In Sachen Digitalisierung müssen viele Schulen noch nachsitzen. Auch viele der 32 städtischen Schulen in Kaiserslautern.
Das Problem dabei erklärt Wolfgang Ernst, Stellvertretender Leiter des Schulreferats der Stadt: „Es gibt verschiedene Fördertöpfe, um Schulen für einen digitalen Alltag herzurichten. Doch um eine Finanzierung zu beantragen, braucht es pädagogische Konzepte.“ Martin Wilke, Projektleiter bei KL.digital: „Das ist das klassische Henne-Ei-Problem. Wenn die Schulen sich allerdings ein wenig ausprobieren können, ermöglicht oder verbessert das die pädagogischen Konzepte.“
Ziel: Schulen schnell Erfahrung sammeln lassen
Also habe man zusammen mit der Stadtverwaltung nach einer pragmatischen Lösung gesucht, um Schulen möglichst schnell Erfahrungen sammeln zu lassen. Ernst: „Wenn wir jetzt warten würden, bis die Schulen komplett ertüchtigt sind, also dass jedes Klassenzimmer mit WLAN und digitalen Anzeigemedien ausgestattet ist, dauert es noch Jahre.“ Selbst mit Förderzusage kommen dann Ausschreibungsfristen und die eigentlichen Arbeiten, die in den meist älteren Schulgebäuden oft mit erheblichem Aufwand verbunden sind, dazwischen. Ernst: „Wir wollten nicht, dass die Schulen in dieser Übergangszeit ohne digitale Umgebungen dastehen.“
Grundpfeiler für alle digitalen Aktivitäten – nicht nur an Schulen – ist eine vernünftige Verbindung, eine Netzwerkumgebung, mit der sich arbeiten lässt. Hier kommen die Fachleute der städtischen KL.digital GmbH ins Spiel, die damit in den vergangenen Jahren Kaiserslauterer Großprojekte ausgestattet haben. „Mogli“, die „Mobile Glasfaser Infrastruktur“ hat es auf den Kerwen möglich gemacht, dass sich viele Benutzer gleichzeitig über WLAN mit dem Internet verbinden können – und zusätzlich Sicherheitskräften ein leistungsfähiges, eigenes Netz bereitgestellt. Frank Huber, Technikexperte der KL.digital: „Den Kernteil davon haben wir für die Schulen angepasst.“ Konkret: Es gibt zwei WLAN-Netze für Schüler, die nach Bedarf genutzt werden können, ein Netz nur für die Lehrer und eins für Gäste. Da nie alle gleichzeitig online seien, reiche dazu die Bandbreite aus.
Übergangslösung bis Jahresende an allen städtischen Schulen
In der Praxis bedeutet das: Mit vier sogenannten Access-Points, die im Schulgebäude verteilt aufgestellt sind, wird das Drahtlosnetzwerk zumindest in einige Klassensäle ausgestrahlt. Huber: „Wir suchen uns dafür strategisch wichtige Stellen, um möglichst viele Klassen zu erreichen.“ Um ganze Schulen ordentlich zu versorgen, seien größere Baumaßnahmen nötig – und gerade die gelte es derzeit zu vermeiden. Auch, weil die Übergangslösung bis zum Jahresende an allen 32 Schulen installiert sein soll. Weiterer Vorteil: Diese Umsetzung kostet die Stadt keine Unsummen. Huber: „Am Rittersberg Gymnasium haben wir etwa 3700 Euro verbaut – inklusive zwei Jahre DSL-Anschluss.“ Zudem sollen die technischen Komponenten in der dauerhaften Lösung weiterverwendet werden. Ernst ergänzt: „Für die Verkabelung kann man da noch zwei Nullen anhängen.“
Dass die dauerhafte Netzwerk-Lösung an Schulen schnell kommt, da bremsen die Verantwortlichen die Erwartungen. Wilke: „Man muss sich die Schulen in Kaiserslautern als Konzern vorstellen, mit gut 18.000 Mitarbeitern – Schüler und Lehrer. Da ist ein Umstieg von Kreide auf Digitaltafel nicht in zwei Jahren zu machen.“
Lehrer sind froh, dass die Technik nun funktioniert
Und was sagen die Lehrer zu der Lösung? Schulleiterin Ulrike Dittberner vom Rittersberg-Gymnasium und ihre zweite Stellvertreterin Susanne Scheffler-Hausbrandt zeigen sich erfreut. Dittberner: „Früher war das WLAN nie stabil, und nichts ist ärgerlicher, als etwas vorzubereiten, und es geht nicht.“ Nun habe man ein verlässliches Netzwerk, in dem man sich ausprobieren und weiterentwickeln könne. „Während des Lockdowns haben Kollegen Erklärvideos für andere Kollegen gedreht“, verdeutlicht Scheffler-Hausbrandt, dass in der Lehrerschaft das Interesse an digitalen Medien da ist. Nun könne man richtig starten.
Zur Sache: Digitale Ausstattung
Internet- und Netzwerkverbindungen sind das eine, Tablet-PCs und Laptops zur Nutzung das andere. Wie Wolfgang Ernst, bei der Stadtverwaltung für die Digitalisierung der Schulen zuständig, erklärt, wird es in naher Zukunft Dienstgeräte für Lehrer geben: „Die ersten 40 Laptops sind auch schon da, mit Blick auf den Herbst werden sie für Lehrkräfte mit Vorerkrankungen und ohne eigene Geräte zu Hause ausgegeben.“ Dazu kommen 40 iPads.
Für Schüler sind der Stadt Kaiserslautern schon iPads geliefert worden, die über die Schulleitungen an die Kinder und Jugendlichen ausgegeben werden sollen.
Einwurf: Auf dem richtigen Weg
Im Elfenbeinturm digitale Lösungen erarbeiten, die dann kein Mensch braucht? Ein oft gehörter Vorwurf in Zeiten der Digitalisierung – nicht nur in Kaiserslautern. Doch auch als die städtische Gesellschaft KL.digital vor Jahren damit anfing, die Kerwen und Feste in Kaiserslautern mit ihrer mobilen Glasfaser-WLAN-Lösung auszustatten, wurden sie von manchen belächelt. Jetzt zeigt sich: Die Strategie, etwas im überschaubaren Rahmen auszuprobieren und dann – nach Erfahrungssammeln und bei Erfolg – größer auszurollen, funktioniert. Jetzt profitieren Schüler und Lehrer von der Expertise. KL.digital und die Stabsstelle Digitalisierung sollten diese Arbeitsweise beibehalten. Damit sind sie auf dem richtigen Weg.