Schach RHEINPFALZ Plus Artikel Die Angst vor der eigenen Courage bei der U14-DM in Magdeburg

Die ersten Züge: Das Team der Schachgemeinschaft Kaiserslautern bei den deutschen Vereinsmeisterschaften der U14 in Magdeburg.
Die ersten Züge: Das Team der Schachgemeinschaft Kaiserslautern bei den deutschen Vereinsmeisterschaften der U14 in Magdeburg.

Mit einem der jüngsten Teams im Wettbewerb ging die Schachgemeinschaft Kaiserslautern bei den deutschen Vereinsmeisterschaften der U14 in Magdeburg an den Start. Nach dem vierten Platz im Vorjahr in der U12 landete die SGK diesmal auf Rang 13. Doch bis dahin war es ein weiter und kostspieliger Weg.

Peter Steinbrenner zählt gerade mal neun Lenze, dürfte also locker noch bei der U10 mitspielen. Und während seine Teamkameraden bereits das Gymnasium besuchen, büffelt er noch in der Pestalozzi-Grundschule. Doch das Nesthäkchen hat nicht allein den Altersdurchschnitt des Teams nach unten gedrückt. Jonas Arne ist zwölf, die Zwillinge Levent und Deniz Klein sind ebenso wie Julian Hahn 13 und zählen damit zum jüngeren U14-Jahrgang.

Für SGK-Jugendleiter Jürgen Klein begannen die deutschen Meisterschaften (DVM) schon einige Monate zuvor. Spätestens jedoch im September vergangenen Jahres, als das Team souverän mitteldeutscher Mannschaftsmeister wurde. Neben der Planung und der Reisevorbereitungen mussten Sponsoren gefunden werden. Die Teilnahme in Magdeburg hat den Verein rund 3500 Euro gekostet. Viel Geld für einen kleinen Schachklub. Und damit die Eltern nicht die ganze Last tragen mussten, begann die Suche nach Sponsoren, auch der Frauen-Serviceverein Inner Wheel Club Kaiserslautern hat so einen wichtigen Beitrag geleistet.

Sieben Mannschaftspunkte und 15 Brettpunkte

Dass es am Ende „nur“ zu Rang 13 reichte, ist für Jürgen Klein kein Beinbruch: „Das ist etwas unter unseren Erwartungen“, gibt er zwar zu, „aber ab dem dritten Platz war das Teilnehmerfeld sehr ausgeglichen und mit etwas konzentrierterem Spiel hätten wir auch ohne Weiteres einen einstelligen Platz erreichen können“. Am Ende standen sieben Mannschaftspunkte und 15 Brettpunkte auf dem Tableau. Den Meistertitel sicherte sich der Lübecker SV vor dem USC Magdeburg.

Der Modus ist schnell erklärt: Bei einem Mannschaftswettbewerb geht jedes Team mit vier Spielern plus einem Ersatzspieler ans Brett. Für jeden Sieg wird ein Punkt vergeben, Remis ergibt für beide Spieler jeweils 0,5 Punkte. Die Mannschaftswertung hat in einer Runde jeweils die Mannschaft gewonnen, deren Spieler in der Summe mindestens 2,5 Punkte an den vier Schachbrettern erzielt haben. Der Modus ist also ganz ähnlich den Mannschaftswertungen im Tischtennis oder Tennis.

Peter Steinbrenner ohne Niederlage

Trotz seiner drei Niederlagen erzielte Levent Klein, mit der höchsten Wertungszahl des Teams angereist, am ersten Brett gegen die Spitzenspieler der anderen Teams 2,5 Brettpunkte. Der neunjährige Peter Steinbrenner, der wie seine Teamkameraden schon deutsche Meistertitel in Schulschachwettbewerben errungen hatte, blieb an Brett zwei ohne Niederlage und erzielte nach drei Siegen und vier Remis beeindruckende fünf Brettpunkte. Weil aber Schach nicht so einfach ist, wie es die nackten Zahlen vielleicht vermuten lassen, ist auch diese Bilanz nicht ganz so makellos wie sie auf den ersten Blick erscheint.

Denn ob ein Spieler ein Remisangebot des Gegners annehmen will, ist nicht ihm selbst überlassen. Vielleicht war es die Angst vor der eigenen Courage, die dem Schachtalent in manchen Momenten den Mut raubte, auf Sieg zu spielen. Walter Arne, Mannschaftsbetreuer in Magdeburg, sowie Vereinstrainer Helmut Hürter bleiben bei ihrer Einschätzung: „Peter ist mit einem Schachverständnis ausgestattet wie nur ganz wenige in seinem Alter.“

Auch am Start die U10 des SC Ramstein-Miesenbach

Ein Spieler allein gewinnt kein Mannschaftsspiel, letztendlich sind alle Akteure für die Mannschaft und damit für das Abschneiden bei der deutschen Meisterschaft gleich wichtig. „Das daraus resultierende Zusammengehörigkeitsgefühl mit der gegenseitigen Wertschätzung aller Teammitglieder war bisher immer eine der Stärken dieser Mannschaft“, ergänzt Klein.

Der Jugendleiter hofft, sich auch im nächsten Jahr wieder für die deutschen Meisterschaften qualifizieren zu können. Der Vorteil: Alle fünf Jungs dürfen weiter in der U14 spielen. Trotzdem „bewerben sich aus ganz Deutschland Hunderte Mannschaften um ein Ticket bei den Titelkämpfen“, weiß Klein. Der Weg führt also wieder über die mitteldeutsche Meisterschaft, bei der sich der Schachnachwuchs aus Thüringen, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland misst.

Neben der U14 der SG Kaiserslautern nahm bei den deutschen Meisterschaften in Magdeburg auch die U10 des SC Ramstein-Miesenbach teil. In der Besetzung Lasse Willems, Can Süßdorf, Roman Stösel und Noah Pascual landete das auf Platz 35 gesetzte Team mit 10,5 Brett- und sechs Mannschaftspunkten auf dem 27. Rang. Schon im Sommer hatte sich die Mannschaft von Trainer Werner Weller bei den Rheinland-Pfalz-Meisterschaften in Neustadt als Vizemeister für Magdeburg qualifiziert.

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