Kaiserslautern
Andreas Fillibeck lässt seine Space-Wanderer durchs All düsen
Ein einsamer Wanderer zwischen den Welten, auf der Suche nach Abenteuern und Antworten: Das ist der Stoff, aus dem gute Geschichten gemacht sind. Andreas Fillibeck hat sich in seinem ersten Roman „Rosinante – New Science Fiction“ genau dieser Konstellation gewidmet – und noch einige Elemente hinzugefügt. Das zeigte er in der gut besuchten Lesung in der Buchhandlung Thalia.
Fillibeck, Jahrgang 1960, stieg nach der Begrüßung durch Thalia-Chefin Stephanie Eichhorn gleich mit den ersten beiden Kapiteln seines Buches ein. Das war angenehm, und da hat der Autor auch etwas gemeinsam mit Spaceman X, so der Spitzname seines menschlichen Roman-Protagonisten.
Ungewöhnliches Trio
Der fackelt auch nicht lange, sondern begibt sich, enttäuscht und gelangweilt von den Zuständen auf der alten Terra, mit einem angejahrten, aber verlässlichen Flug-Vehikel namens Rosinante auf eine erlebnisreiche Reise quer durchs All. Natürlich bleibt er nicht lange allein. Unterwegs trifft er das starke, vierbrüstige Reptiloid-Mädchen Hurrbrokma, das er der Einfachheit halber Susi nennt, und den eigensinnigen Service-Roboter Fritz. Das ungewöhnliche Trio düst an alle surreal anmutenden Ecken des Universums und lernt Charaktere wie die leicht verrückte Künstliche Intelligenz Carla kennen.
Schnell wurde klar: Fillibeck führt die lange Sci-Fi-Tradition der verpackten Gesellschaftskritik elegant und auf aktuellstem Niveau weiter. So wundert es nicht, dass etwa terraner Klimawandel, steigende Preise und aufmüpfige Jugendliche eine Rolle in seinem Roman spielen.
Philosophische Gedanken
Der Autor geht noch weiter, lässt philosophische Gedanken aufblitzen. So stellt sich Spaceman X schon auf Seite zehn angesichts des gewaltigen Universums die ewige Frage „wozu das alles eigentlich da war“. Die Antwort bleibt offen, das Nachdenken über die rein unterhaltsame Ebene des Romans kann beginnen ...
Bei alledem machte es schon während der relativ kurzen Lesung ungeheuren Spaß, den zahlreichen Anklängen und Anspielungen an andere Science-Fiction-Werke nachzuspüren. Angefangen bei Don Quichottes titelgebendem klapprigen Pferd Rosinante bis hin zu kleinen „Star Trek“-Avancen und satirischen Augenzwinkereien à la „Spaceballs“ – Fillibeck ist schließlich immer noch Satiriker – sorgten kleine Allusionen dieser Art immer wieder für erkennendes Schmunzeln.
Vortrag mit Gesangseinlage
Gelungen sind auch die sprachlichen und literarischen Kniffe. Genretypische Begriffe wie Antigrav-Liegen und astronomische Fachtermini wie Gammablitze und Neutronenstern gehen dem Autor ebenso locker aus der Feder wie anschauliche Beschreibungen: Ein außerirdischer Drink roch in etwa „wie tote Wasserschildkröte in Ammoniak“ heißt es einmal. Die Beschreibung früherer Zeiten lagert Fillibeck geschickt in eine Geschichtssimulation aus.
So zeigte sich Fillibecks Erstling bereits in jenen Ausschnitten angenehm-atemlos in einer Art mehrschichtigem Roadmovie-Drehbuch, das sogar an erforderlicher Stelle noch eine kurze Gesangseinlage beinhaltete.
Wie es weitergeht
Damit war man noch nicht am Ende. Nach der Lesung gab es aus dem Publikum, darunter der Illustrator des Buchs, Michael Reutlinger und der Nachwort-Verfasser Klaus Wiegerling, einige interessierte Nach- und Anfragen: ob Susi und Spaceman denn am Ende zusammenkommen etwa (die zwar nicht, aber ein anderes Paar des Werks, soviel wurde verraten) und ob es wohl eine Fortsetzung geben könnte. Letzteres blieb offen, wäre aber nicht nur der mehrschichtigen Charaktere und Handlungen wegen gut möglich. Man wird sehen und vielleicht, lesen ...
Lesezeichen
Andreas Fillibeck: „Rosinante – New Science Fiction – Die Abenteuer des Spaceman X“, Verlag Saphir im Stahl, Bickenbach 2024, 244 Seiten, 13 Euro.