Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Ärztemangel, Bürokratie, hohe Kosten: Wo Augenarzt Markus Schwarz Bedarf sieht

Der Fachkräftemangel beschäftigt die Augenärzte. Vor allem für Stellen auf dem Land gibt es kaum Bewerber.
Der Fachkräftemangel beschäftigt die Augenärzte. Vor allem für Stellen auf dem Land gibt es kaum Bewerber.

Lieferengpässe bei Medikamenten, geringe Entlohnung für die Behandlung von Kassenpatienten und fehlende Ärzte: Das sind einige der Schwierigkeiten, mit denen niedergelassene Mediziner kämpfen. Markus Schwarz ist einer von drei Gesellschaftern des Augenzentrums Westpfalz mit fünf Standorten. Die Politik sieht er vor allem beim Fachkräftemangel gefordert.

Markus Schwarz ist seit 1989 niedergelassener Augenarzt, seit fast 15 Jahren führen Heiko Lägel, Steffen Heinen und er das Augenzentrum Westpfalz. Etwa 25.000 Patienten, schätzt er, behandelt er mit seinen Kollegen pro Jahr – über alle Standorte hinweg. Die als Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) organisierte Praxis ist neben dem Hauptsitz in Kaiserslautern in Landstuhl, Ramstein, Kusel und Grünstadt vertreten. „Die Praxis in Glan-Münchweiler mussten wir leider zumachen“, kommt Schwarz schnell auf eines der Kernprobleme zu sprechen. Denn: „Wir finden einfach keine Augenärzte.“ Das sei gerade im ländlichen Raum ein Problem. „Nach Kusel will niemand von den Ärzten“, sagt er. Von der Politik müssten finanzielle Anreize für Ärzte geschaffen werden, die sich auf dem Land niederlassen und dort praktizieren, findet Schwarz.

Auch die Bedürfnisse der Angestellten veränderten sich. Seit einiger Zeit biete er als Arbeitszeitmodell die Vier-Tage-Woche an. Es sei anstrengend damit umzugehen, „wenn Sie keine Ahnung haben, wie Sie die Patientenversorgung aufrechterhalten können“. Denn Patienten habe er mehr als genug: „Wir könnten auch eine Sprechstunde von 7 bis 21 Uhr anbieten, aber es geht von der Manpower nicht“, berichtet er. Etwa 20 Mitarbeiter sind am Hauptstandort Kaiserslautern beschäftigt, circa 50 bis 60 Mitarbeiter hat das Augenzentrum Westpfalz insgesamt. Darunter sind sieben Fach- und zwei Assistenzärzte. Nach eigenen Angaben gehört das MVZ „zu den größten operativen Augenarztpraxen mit eigenem OP in Rheinland-Pfalz und dem Saarland und einem zweiten OP in Ramstein“.

„Hammerexamen“ erschwert Fachkräftesuche im Ausland

Ein Thema, das Schwarz zudem umtreibt: die Anerkennung von ausländischen Augenärzten. „Auch wenn das eigentlich Sache des Landes ist“, wollte er das Thema beim Besuch von Matthias Mieves, SPD-Bundestagsabgeordneter aus dem Wahlkreis Kaiserslautern, in der vergangenen Woche nicht unbeachtet lassen. Im Augenzentrum arbeite eine syrische Kollegin, die in ihrem Heimatland bereits die Facharztausbildung abgeschlossen hat. „Bei uns arbeitet sie aktuell als medizinische Fachangestellte“, erklärt Schwarz. Denn die Kenntnisprüfung in Rheinland-Pfalz sei sehr komplex geworden: „Früher war klar, welche Fächer geprüft werden, jetzt sind zwei Gebiete vorgegeben, das dritte Prüfungsfach ist unbekannt. Wie soll man sich da denn vorbereiten?“, fragt der Augenarzt und spricht von einem „Hammerexamen“.

Mieves erläutert, „dort wo die politischen Rahmenbedingungen dafür verantwortlich sind“, setze er sich mit seinen Kollegen für schnellere Verfahren ein. So habe es 2023 doppelt so viele Anerkennungen im medizinischen und pflegerischen Bereich gegeben wie vor zehn Jahren. „Wo wir Unterstützung brauchen, das sind die Ärztekammern. Da gibt es einige, die sind progressiv, die haben sich bewegt“, andere hätten das Thema Fachkräftemangel dagegen noch nicht genug auf dem Schirm. „Da ist es so, dass wir aus der Ärzteschaft heraus mehr Druck auf die Kammern brauchen.“ Außerdem müssten mehr Studienplätze geschaffen werden, um dem Ärztemangel zu begegnen.

Problemliste ist lang: Medikamente nicht lieferbar, bürokratische Hürden, hohe Kosten

Als Mitglied des Gesundheitsausschusses des Bundestags beschäftigt sich Mieves mit Themen der ärztlichen Versorgung, wollte beim Besuch erfahren, wo der Schuh drückt. „Das Medikament ist zurzeit nicht lieferbar. Das ist eines unserer täglichen Probleme, mit denen wir umgehen müssen“, erzählt Schwarz direkt. „Insgesamt ist das etwas besser geworden, aber es ist einfach nicht kalkulierbar“, fügt er hinzu. Ihm fallen viele Bereiche ein, die Potenzial für Verbesserungen bieten: „Fehlende Augenärzte, zu viele bürokratische Auflagen, keine Anpassungen, massiv gestiegene Energie- und Personalkosten, kein Mut vieler Ärzte, sich als Kassenarzt niederzulassen“, zählt er auf.

Als Augenarzt verdiene er durchschnittlich pro Quartal und Patient etwa 30 Euro, „egal wie oft der Patient kommt“. Circa 90 Prozent aller Leistungen seien damit pauschal abgegolten, Einnahmen aus der Behandlung von privat Krankenversicherten seien für den Unterhalt der Praxis sehr wichtig. Die Gebührenordnung für Ärzte sei seit Jahrzehnten nicht mehr angepasst worden, „auch die Kosten für die Augendruckmessung sind seit circa 20 Jahren gleich geblieben“, erzählt Schwarz.

Eine Neuregelung der (hausärztlichen) Vergütung ist eines der Themen, mit denen sich Mieves und seine Kollegen zurzeit befassten, erklärt er. Ein Entwurf des Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetzes liegt bereits vor, der diesen Aspekt aufgreife. Die Krankenhausreform und die Umsetzung der Digitalthemen in der Medizin seien für ihn weitere Schwerpunkte. Die Einführung der digitalen Patientenakte müsse gut begleitet werden. Sie soll ab 2025 für alle gesetzlich Versicherten verfügbar sein. Wichtig ist Mieves, „dass die Teams in den Praxen durch Bürokratieabbau entlastet werden und Telemedizin überall dort nutzen können, wo es hilft“.

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