Das war 2021
Wie sich die TSG Grünstadt gerettet hat
Es war erleichternd, als nach Noah Grafs Reckübung gegen den bayerischen TSV Monheim klar war: Die TSG Grünstadt bleibt in der Zweiten Bundesliga. Das Team hatte da bereits einen langen Weg mit vielen Aufs und Abs hinter sich gebracht. „Im Großen und Ganzen waren wir aber doch zufrieden“, sagt Manager Steffen Fröhlich im Nachhinein. „Wir sind gut gestartet, hatten eine unglückliche Durststrecke. Doch am Ende hat alles geklappt“, beschreibt er die Saison kurz.
Die Riege der Trainer Florian Bachmann und Alexander Pogoreltsev startet im September mit einem Sieg gegen die TG Saar II in die Runde. Alle Athleten sind an Bord, es klingt nach Zuversicht. Doch bereits eine Woche später gegen den TV Großen-Linden kommt der Dämpfer. Weil der Brite Joe Cemlyn-Jones (22) zur WM nach Japan gereist war, springt der 30-jährige Rumäne Vlad Cotuna ein, der eigentlich nur noch auf Abruf verfügbar sein sollte. Jetzt kommt es aber doch auf ihn an. Beim Sprung ist jedoch passiert, womit keiner gerechnet hat: Cotuna zieht sich einen Bänderriss zu, kann die Saison nicht zu Ende turnen.
Ob er in der nächsten Saison noch einmal an die Geräte kann, ist unsicher. „Vielleicht komme ich mal zur Unterstützung vorbei“, sagt er in einer Video-Konferenz mit der RHEINPFALZ. Mittlerweile gehe es seinem Knie immerhin wieder besser. Er könne teilweise schon landen, müsse aber noch vorsichtig sein. Nun muss er ein bisschen Muskeln aufbauen.
Cotuna betont noch einmal, dass er beim Wettkampf in Linden keine Fehler gemacht habe. Seiner Meinung nach habe der Arzt, der ihn 2018 behandelt hatte, Fehler gemacht. Damals stürzte er ebenfalls bei einem TSG-Wettkampf und fiel einige Zeit aus. Der Unfall schlägt wie schon 2018 auch 2021 auf die Stimmung im Team. Auch die anderen Turner rufen in Linden nicht ihre Bestleistung ab. Eine Woche später gegen die KTV Fulda setzte sich die Serie fort. Die Luft scheint raus zu sein.
Hoffnung in Heidelberg
Hoffnung keimt in Heidelberg wieder auf. Als einziger Gastturner ist der Schweizer Tim Randegger in der Riege. Der Rest wird aus dem Kieler Lasse Gauch und den Turnern der eigenen Schule gebildet. Grünstadt verliert gegen die KTG Heidelberg. Aber die Wertungspunkte gaben den Pfälzern neuen Mut: Die insgesamt 293 Punkte hätten rechnerisch gereicht, dass Grünstadt die ersten Wettkämpfe locker gewonnen hätte. Aber eben nur in der Theorie.
Die Praxis sieht anders aus: In der Folgewoche wartet die KTV Koblenz, die die Saison ohne Niederlage abgeschlossen hat. Den Schwung aus Heidelberg mitzunehmen, um einen Sieg zu erlangen, ist utopisch. Wieder eine Niederlage. Erst zum Ende – gegen Monheim und Hohenlohe – kann Grünstadt wieder punkten. Bis dahin ist es eine ermüdende Durststrecke für die Grünstadter Kunstturner.
Die neuen Leistungsträger
In den Wettkämpfen ab Heidelberg hat sich aber etwas Erfreuliches abgezeichnet: Die erwachsen gewordenen Nachwuchsturner der Grünstadter sind inzwischen Leistungsträger geworden. Justus Fröhlich hat in dieser Saison die meisten Scorepunkte für Grünstadt besorgt, auf ihn ist an jedem Gerät Verlass. In der Gesamtwertung der Liga belegt er sogar Platz sechs.
Der 19-jährige Noah Graf zeigt verlässliche Leistungen an Boden, Pauschenpferd und Reck, und wäre der gleichaltrige Joachim Kindler nicht zwischenzeitlich aus gesundheitlichen Gründen ausgefallen, hätte man von ihm sicher auch noch einiges gesehen.
„Das bestätigt unsere Philosophie“, sagt Manager Steffen Fröhlich mit Verweis darauf, dass die TSG seit einiger Zeit vermehrt auf ihre eigenen Turner setzt und versucht, die Jugend in die Bundesliga zu integrieren. Nun trage die Arbeit Früchte.
Der 27-jährige Kieler Lasse Gauch spielt als Routinier eine weitere Schlüsselrolle in der Riege der Grünstadter. Der Bad Bergzaberner David Jäger (25) kommt am Anfang nicht so recht in die Puschen, die ersten beiden Wettkämpfe ist er einfach nicht in Form. Von Mal zu Mal entwickelt er sich aber weiter, bis er den Erfolg in Hohenlohe mit einer großartigen Reckübung krönt.
Auch anfangs nicht in Form ist der Franzose Edgar Boulet. In seiner Heimat Paris kann der 26-Jährige wegen der Pandemie lange Zeit nicht trainieren. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es dort keine Ausnahmeregelung für den Spitzensport. Gegen Ende der Saison kann er das mit bemerkenswerten Reckübungen wieder wettmachen.