Fußball
VfR Grünstadt gewinnt: Ein Spiel wie ein Krimi
Die 85 Zuschauer im Rudolf-Harbig-Stadion erlebten am Samstag eine Landesliga-Partie mit zwei grundlegend verschiedenen Halbzeiten. Die Heimelf von Cheftrainer Christian Rutz musste ohne ihre an grippalen Infekten laborierende Stammakteure Christopher Lampert, Mohannad Mghames und Mor Josif Horvat auskommen. Nach 93 Minuten stand ein hart erkämpfter 3:2 (0:1)-Erfolg zu Buche. Aber auch die Südpfälzer waren ersatzgeschwächt: Der 35-jährige Spielertrainer Marc Kauther stellte sich selbst auf und zeigte im defensiven Mittelfeld als „Sechser“ eine gute Leistung. Ihm fehlten mit Nick Barenscheer, Martin Herrmann, Dominic Bach, Felix Forstner und Luca Zillmann ebenso wichtige Spieler.
Beide Teams mussten gewinnen: Die viertplatzierten Südpfälzer, um nicht den Anschluss an die Spitze und insbesondere den für die Teilnahme an den Aufstiegsspielen wichtigen Platz zwei zu verpassen, und ebenso die Equipe aus dem Leiningerland, um wichtige Punkte für den Klassenverbleib zu sammeln.
Die Angst vor Fehlern
Ein Unentschieden hätte beiden Kontrahenten nicht viel geholfen und so prägten wenige Chancen hüben wie drüben die erste Hälfte. Es schien zunächst, als hätten beide Landesligisten Angst, Fehler zu begehen. Alles andere als geordnete Spielzüge und klare Chancen blieben bis zum Pausenpfiff des souveränen Schiedsrichters Benedikt Steitz (Gundersweiler) Mangelware. Doch trotzdem fiel ein Treffer, und zwar für die Gäste, als nach einem Eckball von Sven Kollanda die von Jurica Antonovic dirigierte VfR-Viererkette den Ball nicht aus dem Gefahrenzentrum bekam. Keeper Andre Zott konnte zunächst das Leder prächtig abwehren, aber beim Nachschuss von Thorsten Ullemeyer war er machtlos (26.).
Bis zur Pause tat sich nicht viel. Was aber die Besucher nach der Pause erlebten, erinnerte an einen Krimi der früheren Durbrigde-Reihe. Chefcoach Rutz reagierte, beorderte Nico Müller ins offensive Mittelfeld, brachte für Jan Marvin Dell Andreas Tillschneider (52.) und wenig später als zweiten Stürmer Nicolas Bechtold für Armin Hazbija Mujevic (62.). Die Platzherren erspielten sich plötzlich Möglichkeiten, ließen dabei sogar ihre spielerische Klasse mehrmals aufblitzen. So stellte sich der Erfolg ein: Eine Maßflanke von Müller nahm Tobias Fath direkt auf seinen „Schlappen“ und erzielte mit einem fulminanten Schuss ins lange Eck den verdienten Ausgleich (73.).
Nicht zu halten
Der VfR-Stürmer war nicht zu halten, und ihm gelang wenig später nach einem Alleingang sogar die Führung (76.). Unmittelbar nach dem Treffer zum 2:1 strich ein „Geschoss“ von Antonovic hauchdünn am Pfosten vorbei. Das wäre wohl die Entscheidung gewesen. Doch so gelang den Südpfälzern nach einem Konter der Ausgleich durch Kollenda (87.). Als alle sich auf ein Remis eingestellt hatten, dann die entscheidende Szene: Einen Eckball von Marcel Czekalla, genannt „Czecko“, vollendete Müller per Kopfball zum 3:2-Sieg für die Platzherren (90.+2).
„Mit der ersten Hälfte war ich unzufrieden, habe das Team taktisch umgestellt, und alle erfüllten ihre Aufgaben glänzend“, freute sich VfR-Coach Rutz. Er sprach von einer geschlossenen Mannschaftsleistung und dass seine Youngsters noch besser agieren könnten. Es sei noch nichts entschieden, er sehe sein Team aber auf dem richtigen Weg. „Wir dürfen nicht euphorisch werden, müssen weiterhin konzentriert spielen und mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben“, mahnte der Chefcoach.
Grünstadts Vorsitzender Johannes Adam sah in der zweiten Hälfte eine enorme Steigerung seines ersatzgeschwächten VfR-Teams und sagte nach dem zwischenzeitlichen Ausgleichstor, dass sich der VfR um den eigenen Lohn gebracht habe. Wäre da nicht in der Nachspielzeit die Maßflanke von „Czecko“ und das „Köpfchen“ des zierlichen Nico Müller gewesen.