Grünstadt Meister der Saiten und Tasten geben sich die Ehre

Mitsingen und Tanzen war angesagt beim Rock im Hof.
Mitsingen und Tanzen war angesagt beim Rock im Hof.

«NACKTERHOF.» Unter den sechs Musikgruppen war mit der Sunhouse Company auch ein besonderes Ensemble, das Festival-Organisator Reinhard Stephan anlässlich seines 50. Bühnenjubiläums gebildet hat.Die zehnköpfige Formation aus Mitgliedern von Stephans Bands Sun und 8 Atü hat zum Auftakt der „größten Gartenparty der Pfalz“, wie der Jubilar seine Veranstaltung nennt, viele schöne Lieder vergangener Zeiten präsentiert, aber auch eigene Stücke. Letztere sind im Sound und Stil der ganz Großen der Sechziger und Siebziger. Nach ihrer Eigenkomposition „Leisure“ gaben die Akteure das gefühlvolle „Morning Dream“ zum Besten und widmeten es dem vor wenigen Wochen verstorbenen Tontechniker Elmar Breitwieser, dessen Sohn Christian jetzt die Regler bediente. Zum Running Gag avancierte „Black Sheep Of The Family“. Dietrich Mayer, der – mit runder John-Lennon-Brille auf der Nase – die meisten Stücke sang und somit auch dieses, wurde fortan von seinen Bandkollegen damit aufgezogen, dass er das schwarze Schaf der Familie sei. Innerhalb der Band ist es der Mann mit der vielseitigen Stimme, dem Händchen für Akustikgitarre und dem Feeling für Querflöte definitiv nicht. Eine fantastische Soul-Röhre hat auch Heike Schöffer-Roos, die einzige Frau der Truppe. Dem ausgezeichneten Gitarristen Harry Müller, von dem zahlreiche unter die Haut gehende Soli auf der Gipson Firebird zu hören waren, wurde manchmal auf beeindruckende Weise von Gunter Hübner Konkurrenz gemacht. Ansonsten blies dieser in einem Bläser-Trio im Hintergrund der Sunhouse Company die Posaune. Die Jubiläums-Band, die am 31. August anlässlich der 700-Jahr-Feier Tiefenthals noch einmal auf dem Weedplatz zu erleben sein wird, hat eine bemerkenswerte Bandbreite an Musikstilen gespielt. So coverten sie unter anderem „Friday On My Mind“ von The Easybeats, „I`m Just A Gigolo“ (David Lee Roth), „Spinning Wheel“ von Blood, Sweat & Tears und – sehr eigenwillig interpretiert – „Proud Mary“ (Ike und Tina Turner). Als Zugabe begeisterten sie das Publikum mit dem wunderschönen Eagles-Song „Hotel California“. Vielseitigkeit ist bekanntlich eines der Hauptmerkmale der Musik von Jethro Tull. Als nach eigenen Angaben einziges Ensemble in Deutschland hat sich Thick As A Brick getraut, der inzwischen aufgelösten britischen Progressive-Rock-Band Tribut zu zollen. Und das tun die Trierer mit einer Authentizität, die staunen lässt. Sie tragen den Spirit der Originale weiter, der Sound lässt keine Wünsche offen, ist absolut stimmig. Die schätzungsweise 250 Zuschauer – das Gros aus der Generation 50 plus – waren sehr angetan. Frontman James Sexton (Gesang, Gitarre) und Flötist Christoph Marx bilden eine Einheit und geben gemeinsam Ian Anderson. Der Brite Sexton, der seit 2000 hauptberuflich als Musiker unterwegs und damit das einzige Mitglied des Sextetts ist, für den die Auftritte nicht nur Hobby sind, ist allein schon äußerlich eine beeindruckende Erscheinung. Seine Stimme, die er seit 2015 der Gruppe leiht, ist ausgezeichnet, auch wenn sie beim Song, der der Tributeband den Namen gab, etwas unterging. Ein absoluter Virtuose seines Fachs ist Marx, der nicht nur bei dem temporeichen „The Whistler“ zeigen konnte, was in ihm steckt. Der Flötist und Klarinettist stimmte sich auf der Bühne sehr eng mit dem Gitarristen Manuel Biwer ab, der ebenso grandios ist wie der Keyboarder Sven Thiedecke. Schöne Läufe waren von Bassist Till Marx zu hören, der mit Daniel Thull am Schlagzeug dafür sorgt, dass der Rest der Truppe bei den ständig wechselnden Rhythmen nicht durcheinander kommt. Alle zusammen meisterten anspruchsvolle Stücke wie „Velvet Green“, „Sitting On A Park Bench“, „Living In The Past“ und – das hat man sich natürlich als Zugabe aufbewahrt – „Locomotive Breath“ mit Bravour. Nach der mächtigen, ja fast überladenen Musik der äußerst kreativen frühen Schaffenszeit von Jethro Tull wirkte der Bluesrock von Slowhand, der dritten Band des Abends, fast ein bisschen blass. Vielleicht wäre eine andere Reihenfolge besser gewesen. Das soll aber nicht heißen, dass die Musiker hinter denen von Thick As A Brick zurückstehen. Im Gegenteil – sie sind handwerklich absolut spitze. Allein schon die beiden Keyboarder, Markus Lauer und Andreas Puster, sind Augenweide und Ohrenschmaus zugleich. Wie sie mit vollem Körpereinsatz die Kompositionen von Eric Clapton darbieten, ist schon bemerkenswert. Sehr engagiert setzt auch Lukas Schüßler sein gesangliches Talent ein, formt jedes Wort und jeden Ton vollendet aus, was auf eine entsprechende Ausbildung schließen lässt. Große Stimmen haben auch Kirsti Alho und Caro Fournelle, die aber meist nur im Background zur Geltung kamen. Umso einprägsamer war es dann, wenn sie bei dem einen oder anderen Stück den Leadgesang übernahmen. Mit tollen, leider streckenweise zu leisen Gitarrensoli unterstützte Gerhard Hoff den Bandleader Schüßler, der meist Rhythmusgitarre spielte. Insgesamt lässt sich sagen: Slowhand macht dem „Slowhand“ genannten britischen Bluesrocker alle Ehre. Dabei legt die Gruppe eine enorme Spielfreude an den Tag. Den Bassisten Bodo Bode sah man dauernd lächeln. Der positive Funke sprang aufs Publikum über, die Stimmung war klasse. Es wurde getanzt und mitgesungen zu Songs wie „Nobody Knows You“, „Layla“, „Pretending“ und „I Shot The Sheriff“. Auch mit Stücken aus Cream-Zeiten (1966 bis 1968), etwa „White Room“ und „Crossroads“, wurde der Nackterhof gerockt. Am Samstag, als zirka 450 Besucher gekommen waren, sorgten die Gruppen Black Night mit Deep-Purple-Stücken, The Morrison Hotel, die Songs der Doors am Leben erhalten, sowie The Floyd Sound für Stimmung. Letztere Band, die schon öfter bei Stephan zu Gast war, hat sich – wie der Name schon sagt – den Liedern von Pink Floyd verschrieben. Sehr gefühlvoll stellen sie sich, mit ihrem großartigen Gitarrenvirtuosen Manfred Pany an der Spitze, dieser Aufgabe. Die gelungene Darbietung wurde einzig dadurch getrübt, dass der Frontmann bei dem Titel „Us And Them“ gesanglich etwas daneben lag. Weitere Fotos in der App

Manfred Pany von The Floyd Sound weiß meisterhaft mit dem Bottleneck umzugehen.
Manfred Pany von The Floyd Sound weiß meisterhaft mit dem Bottleneck umzugehen.
Geben gemeinsam Ian Anderson von Jethro Tull: Sänger James Sexton und Flötist Christoph Marx.
Geben gemeinsam Ian Anderson von Jethro Tull: Sänger James Sexton und Flötist Christoph Marx.
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