Eisenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Gienanth-Insolvenz: Jetzt geht es um alle Eisenberger Beschäftigten

Kriselnde Gießerei-Gruppe: Weil jetzt für weitere Unter-Firmen ein Sanierungsverfahren läuft, bekommen 860 Beschäftigte ihre Löh
Kriselnde Gießerei-Gruppe: Weil jetzt für weitere Unter-Firmen ein Sanierungsverfahren läuft, bekommen 860 Beschäftigte ihre Löhne von der Arbeitsagentur. Darunter sind alle 630 Mitarbeiter in Eisenberg.

Die Gienanth-Insolvenz weitet sich aus: Nun geht es um weitere Unter-Firmen, damit sind alle Beschäftigten am Standort Eisenberg betroffen. Ihre Löhne zahlt jetzt die Arbeitsagentur – aber nur für einen begrenzten Zeitraum.

Dass etwa 520 Gienanth-Beschäftigte in Eisenberg ihre Gehälter ab sofort von der Arbeitsagentur bekommen sollen, hatten das Unternehmen und seine Berater bereits am Dienstag verkündet. Da gaben sie bekannt, dass sie ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt haben. Betroffen war davon das Personal der wichtigsten und größten Unter-Firma am Standort: der eigentlichen Gießerei. Doch es zeichnete sich schon ab, dass es dabei nicht bleiben würde. Und so ist es binnen weniger Tage dann auch gekommen.

Vier weitere Unter-Firmen

Mitteilungen von Freitag zufolge sind gleichartige Anträge auch für die Gienanth Group GmbH und für die Gienanth Sales GmbH gestellt worden. Letztere ist für die Kundenkontakte zuständig, erstere für die Verwaltung der gesamten Firmengruppe. Zusammen haben beide etwa 110 Beschäftigte, damit geht es jetzt um alle rund 630 Gienanth-Leute in Eisenberg. Und um Mitarbeiter an zwei Standorten in Bayern: 150 Menschen bei der Fronberg Guss GmbH im bayerischen Schwandorf und 80 bei der Gienanth Zaigler GmbH in Kulmbach.

Außen vor sind hingegen die Firmen-Ableger in Österreich und in der Tschechischen Republik – und der Standort in Chemnitz, der nach einem Großbrand im Juni ohnehin nicht wieder aufgebaut werden soll. Um Gienanth aus der Misere zu retten, sind nun Experten-Teams beteiligt. Einen klassischen Insolvenzverwalter gibt es aber nicht. Denn bei einem Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung bleibt die bisherige Geschäftsführung am Ruder. Möglich ist das allerdings nur, wenn sie frühzeitig reagiert hat und es daher noch Hoffnung gibt.

Amtsgericht einverstanden

Ob die Voraussetzungen dafür stimmen, muss die Justiz entscheiden. Für die Eisenberger Gießerei-Gruppe ist das Amtsgericht in Kaiserslautern zuständig. Es hat den Angaben vom Freitag zufolge mittlerweile das geplante Vorgehen gebilligt – und einen vorläufigen Sachwalter bestellt. Dessen Funktion ähnelt der eines Aufsichtsrats, doch er hat besonders auf die Interessen der Gläubiger zu achten. Deshalb sei die Personalie auch mit ihnen abgestimmt, erläutert ein Sprecher der von Gienanth engagierten Sanierungsberater Schultze & Braun.

Übernommen hat die Sachwalter-Aufgabe ein Frankfurter Rechtsanwalt, der sich in Rheinland-Pfalz schon einen Namen gemacht hat: Als Insolvenzverwalter führte Jan Markus Plathner den Problem-Flughafen Hahn im Hunsrück wieder aus der Verlustzone. Für Gienanth werden nun vor allem neue Geldgeber gesucht. Die aktuellen Eigentümer sind heute Finanzinvestoren: die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) aus Frankfurt sowie ein von ihr beratener Fonds, sie haben das Unternehmen 2015 übernommen.

Schicksalstag 1. Februar

Bis vor wenigen Tagen rühmten sie die Gienanth-Gruppe auf ihrer Internetseite auch noch als Prunkstück in ihrem Portfolio, bescheinigten ihr „eine stabile Basis für weiteres Wachstum“. Doch mittlerweile sind diese Aussagen gelöscht. Wegen des Insolvenzverfahrens ruhen die Gesellschafter-Rechte der DBAG, nach RHEINPFALZ-Informationen will sie das Gießerei-Imperium aber ohnehin loswerden. Die Sanierungsberater sind nach Angaben ihres Sprechers derweil zuversichtlich, dass sie neue Investoren finden werden.

Wie viel Zeit die Suche nach einer Lösung für Gienanth in Anspruch nehmen wird, ist offen. Der Sprecher sagt: „Üblicherweise dauern Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung etwa ein Jahr.“ Doch es gibt auch noch einen sehr viel näher liegenden Termin, der gerade für das Schicksal der Beschäftigten sehr wichtig ist: den 1. Februar 2024. Denn im Insolvenzfall bekommen die betroffenen Mitarbeiter ihr Geld nicht mehr vom Arbeitgeber, sondern von der Arbeitsagentur. Bei Gienanth springt sie erstmals für die November-Gehälter ein.

Auch die Dezember- und Januar-Löhne kann sie noch übernehmen, danach allerdings ist Schluss: Wenn das Unternehmen sein Personal bis dahin nicht wieder selbst bezahlen kann, muss es zumindest einen Teil seiner Beschäftigten „freistellen“. Der Sprecher der Sanierungsberater sagt: „Unser Ziel ist es, das zu vermeiden. Und wir sind zuversichtlich, dass uns das gelingt.“

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