Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Finanznot im Kreiskrankenhaus: Was mit Spender-Geld bezahlt wird

Testen den neuen Mobilitätsstuhl, der fast 10.000 Euro gekostet hat: der Fördervereins-Vorsitzende und Grünstadter Bürgermeister
Testen den neuen Mobilitätsstuhl, der fast 10.000 Euro gekostet hat: der Fördervereins-Vorsitzende und Grünstadter Bürgermeister Klaus Wagner mit dem Klinik-Verwaltungsdirektor Markus Kieser.

Das Grünstadter Kreiskrankenhaus bekommt vom Staat zu wenig Geld für Investitionen, ein Förderverein springt in die Bresche. Seit 1995 hat er mehr als 375.000 Euro beigesteuert. Welche Patienten von den neuen Anschaffungen profitieren und wie viel zwei besonders großzügige Frauen schon gespendet haben.

Die Kliniken in Deutschland leiden an einer chronischen Unterfinanzierung. Markus Kieser, Verwaltungsdirektor des Kreiskrankenhauses Grünstadt, und Andreas Bernhardt, Chefarzt der Anästhesie und Notfallmediziner, erläutern: Anfang der 1990er-Jahre sei der Investitionsbetrag, den das Land dem Hospital im Westring zugesteht, eingefroren worden. Aufgrund der allgemeinen Preissteigerungen und im Besonderen wegen der hohen Inflation in der jüngeren Vergangenheit habe sich eine enorme Finanzierungslücke aufgetan, die einen Modernisierungsstau nach sich ziehe.

Die jährlichen Fördermittel vom Staat lägen in Grünstadt bei etwa 500.000 bis 600.000 Euro. „Das reicht bei Weitem nicht aus“, sagt Kieser. Allein ein Röntgentisch koste mehr als 100.000 Euro. Um die Hard- und Software für zehn Arbeitsplätze in der Anästhesie anzuschaffen, seien locker 150.000 Euro auszugeben. Für die Geräte und deren Installation zur Digitalisierung sämtlicher Stationen dürfte der Aufwand bei einer Million Euro liegen. Die vom Bund geförderte Vorbereitung dieser Schritte hin zur Automatisierung der Abläufe schlage noch einmal mit 1,5 Millionen Euro zu Buche. „Und die Wartung bleibt am Ende am Kreiskrankenhaus hängen“, so Kieser.

Qualität steigern und Belastungen reduzieren

Ziel sei die elektronische Patientenakte, bei der alles automatisch ins Computersystem einfließt. Damit ließen sich die Qualität der medizinischen Versorgung steigern, ineffiziente Doppeluntersuchungen vermeiden und die Belastung der Pflegekräfte reduzieren, etwa weil sie vieles nicht mehr per Hand eintragen müssten. „In diesem Jahr haben wir auch begonnen, mobile Visitenwagen zu besorgen“, berichtet der Verwaltungschef. Bis Anfang 2024 werden alle sieben Stationen sowie die Ambulanz jeweils zwei Stück im Einsatz haben.

Vor diesem Hintergrund sei dank des Fördervereins für rund 2800 Euro der Connex Spot Monitor angeschafft worden. Dieser erfasse Daten schnell und präzise direkt am Krankenbett und übertrage sie online – unter anderem Blutdruck, Pulsfrequenz, Sauerstoffsättigung und Temperatur. Darüber hinaus kann das Gerät Werte überprüfen, die manuell eingegeben werden, wie etwa das Gewicht, die Schmerzintensität und die Atmung. Eine erweiterte digitalisierte Überwachung ermöglicht der Vitalwert Monitor Mindray, der ungefähr 3000 Euro kostet.

Unterstützung im Arbeitsalltag

Im diesjährigen Paket der Förderprojekte ist auch noch eine Infrarot-Wärmelampe für die Physiotherapie zum Preis von etwa 1000 Euro enthalten. Insgesamt hat die Mitgliederversammlung der Krankenhaus-Freunde des Krankenhauses im Juni für das laufende Jahr einstimmig die Anschaffung von sechs Objekten im Gesamtwert von knapp 40.000 Euro beschlossen. Rund 8000 Euro davon flossen in den Lift Maxi Move. Mit der elektrisch höhenverstellbaren Konstruktion können immobile Menschen in der Geriatrie relativ leicht aufgerichtet und in Position gebracht werden.

Dabei wird die Person mit Gurten an den Fußknöcheln und am Becken gesichert. Zusätzlich hält sie sich mit den Händen an Griffen fest. Steht der Patient, ermittelt eine integrierte Waage das Gewicht. „Natürlich geht es im Klinikalltag auch ohne diese Aufstehhilfe. Aber dann werden für das Aufrichten und Wiegen zwei Pflegekräfte gebraucht“, so Bernhardt. Dank dem Aktivlifter wird nur noch ein Mitarbeiter benötigt. Ganz ohne Betreuer kann ein Patient den Mobilisationsstuhl Thekla 3 benutzen. Mit diesem Reha-Rollstuhl für circa 9700 Euro, der für die Intensivstation vorgesehen ist, kann ein stark bewegungseingeschränkter Patient stufenlos von der Liege in den Sitz und schließlich auch in den Stand (Stehbett) gebracht werden.

Größte Investition in Geburtshilfe

Der physiologische Sitzlängenausgleich unterstützt die Bewegungen beim Verstellen des Stuhls, der in einem ähnlichen Modell bereits in der Geriatrie im Einsatz ist. Eine Sicherheitssoftware verhindert falsche Handhabungen und ein Bremssystem ein ungewolltes Wegrollen. Das Gerät, welches sich durch Kombinationsvielfalt auszeichnet, kann im Akkubetrieb sehr flexibel eingesetzt werden und ist für Menschen mit bis zu 200 Kilogramm Körpergewicht geeignet.

Die größte Investition in diesem Jahr kommt der geburtshilflichen Abteilung zugute: „Für rund 15.000 Euro werden sechs Pflegebetten gekauft“, berichtet Kieser. Aktuell habe das Kreiskrankenhaus vier Familienzimmer, in denen die Wöchnerinnen jeweils gemeinsam mit ihren Partnern und dem Neugeborenen übernachten können. Weil das Ambiente, das Hotelzimmern gleiche, einen wesentlichen Faktor für die hohe Zufriedenheit der jungen Paare darstelle und die Anzahl der Entbindungen zuletzt stetig gestiegen sei, werde die Klinik weitere sechs Räume renovieren und zu Familienzimmern umgestalten. „Im kommenden März werden wir das Projekt voraussichtlich abgeschlossen haben“, sagt Kieser.

Förderverein als wichtige finanzielle Stütze

Über die Freunde des Kreiskrankenhauses finanziert wurden in jüngerer Zeit unter anderem ein Gerät zur Lungenfunktionsprüfung, eine Zentrale Überwachungseinheit für das CTG (Wehenschreiber), ein ICG-Fluoreszenz-Gerät, das die Untersuchung von Organen mit dem Färbemittel Indocyaningrün ermöglicht, die Umrüstung der Leuchten in den Operationssälen auf LED-Technik, ein Bettfahrrad für die Intensivstation, ein Blutgasanalysegerät für die Notfallambulanz und zwei Säuglingsbeatmungsapparate. „Das sind alles Dinge, die wir wirklich benötigen, um die medizinische Betreuung der Patienten zu optimieren und dem Personal die Arbeit zu erleichtern“, betont Bernhardt.

Mitglieder des Fördervereins seien rund 170 Einwohner aus der Stadt und der Umgebung, berichtet der Vorsitzende, Bürgermeister Klaus Wagner (CDU). Mit der Summe ihrer Jahresbeiträge zwischen 5000 und 5500 Euro bereiteten sie das Fundament für die regelmäßige Spendensumme im mittleren fünfstelligen Bereich. Hinzu komme „ein Mehrfaches an freiwilligen Zuwendungen, pro Jahr etwa 15.000 bis 25.000 Euro“. Unter den besonders großzügigen Geldgebern seien auch zwei Grünstadterinnen.

Unterstützung als Dank

Mutter und Tochter, die nicht namentlich genannt werden wollen, haben seit 2016 ungefähr 30.000 Euro gespendet. Die Frauen berichten, dass sie im Kreiskrankenhaus schon öfter zu ihrer vollsten Zufriedenheit behandelt worden seien „und etwas zurückgeben“ wollten. Seit Vereinsgründung 1995 seien mehr als 50 Projekte im Gesamtwert von 375.000 Euro umgesetzt worden.

x