Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Aafes-Depot: Hat die US-Großbäckerei ein Tauben-Problem?

Sie gelten als die Ratten der Lüfte: Vor allem in Städten sorgen Tauben und dem Kot, den sie hinterlassen, für jede Menge Unmut.
Sie gelten als die Ratten der Lüfte: Vor allem in Städten sorgen Tauben und dem Kot, den sie hinterlassen, für jede Menge Unmut.

Städtische Vorschriften sollen in Grünstadt die Taubenplage eindämmen, doch für die US-Großbäckerei Aafes gelten sie nicht. Denn diese gilt als militärische Liegenschaft. Tummeln sich die Tiere dort besonders gern, weil sie auf dem Gelände – etwa in offenen Containern – viel Futter finden? Was Kreis, Stadt und die Depot-Betreiber zu diesem Verdacht sagen.

Kaum ein Vogel ist so unbeliebt wie die Taube. Dennoch lässt sich ihr Aufkommen in Stadt- und Wohngebieten nur begrenzt eindämmen. Meistens ist der Vogel nämlich dort, wo es für ihn und seine Nachkommen leichten Zugang zu Futter gibt. Dass sich die Tiere vor allem dort aufhalten, wo auch Menschen Lebensmittel produzieren oder zu sich nehmen, verwundert beim Blick in städtische Fußgängerzonen meist nicht.

Leserin Susanne Rupp ärgert sich schon lange darüber, wie die Verwaltung mit dem Thema Tauben im Grünstadter Stadt- und Wohngebiet umgeht: „Es wird einfach nur als Spleen abgetan!“ Dabei sei die Obergasse, in der sich unzählige Tauben niedergelassen hatten, nicht der einzige Sammelpunkt für die Vögel. „Von der Autobahn aus kann man gut sehen, dass sich auf dem Dach der Aafes in großer Anzahl versammeln“, schildert sie ihre Beobachtungen.

Besonders besorgt die Leserin, dass es sich auf dem Gelände des Grünstadter Depots in der Kirchheimer Straße 104 eine Großbäckerei befindet, also dort Lebensmittel produziert werden. „Tauben sind meistens da, wo sie leicht an Nahrung kommen!“, äußert Rupp Bedenken, dass es auf dem Gelände womöglich Abfallcontainer gebe, aus denen sich die Tiere leicht ihr Futter klauben könnten. Seit Juni 2023 bestehe immerhin in der Stadt ein Verbot, Tauben zu füttern, merkt sie an. „Gilt das etwa nicht für einen Lebensmittelproduzenten bei der Entsorgung von Lebensmitteln?“

Schon früher Probleme mit Tauben

Dass in der Vergangenheit schon einmal die Stadtverwaltung gegen eine schnell angestiegene Taubenpopulation in der Nähe des Aafes-Gelände habe vorgehen müssen, zeigten die Gittervorrichtungen unter der Autobahnbrücke in Richtung Kirchheim. „Dort gab es viele Nistplätze“, erinnert sich Rupp. Verdreckte Gehwege, tote Tiere am Boden und eine in Mitleidenschaft gezogene Brücke sei das Resultat gewesen. „Glücklicherweise hat man die Sammelstellen unter der Autobahnbrücke durch geeignete Gitter unzugänglich gemacht. Aber müssen denn immer erst ein Schaden und Kosten entstehen, bis man einschreitet?“, fragt sie sich.

Auch Aafes beschäftigt das Thema Tauben, wie eine Nachfrage der RHEINPFALZ bei dem Grünstadter Unternehmen zeigt. Allerdings habe die Anzahl der Tiere, die sich auf dem Dach des Tiefkühlhauses niederließen, „nicht merklich zugenommen“, teilt eine Sprecherin mit. Außerdem stehe das Unternehmen in dieser Sache mit der Kreisverwaltung in Kontakt, die als zuständige Behörde Gesundheitsamt, Veterinäramt und Infektionsschutzbehörde in sich vereint.

Abwehrprogramm besteht

Damit sich die vorhandenen Tauben nicht weiter vermehrten, setze Aafes auf ein Schädlingsbekämpfungsprogramm, das dauerhaft von Personal überwacht werde, so die Sprecherin weiter. Darunter zählten verschiedene Abwehrsysteme, die auf dem Gelände installiert seien, wie Spikes – also langstachelige Drahtkonstruktionen, die die Tauben vom Nisten abhalten sollen. Zudem gebe es für die Tiere keinen Zugang zu Abfallcontainern. Die Abfälle lagere das Unternehmen in geschlossenen Behältern und stellten keine Futterquelle dar, wie von der Leserin vermutet, so die Sprecherin weiter.

Darüber hinaus sieht auch die Stadt wenig Handlungsbedarf. Bisher habe nur eine Person innerhalb mehrerer Monate zweimal ein erhöhtes Taubenaufkommen auf dem Depot-Gelände gemeldet, bestätigt die Stadt gegenüber der RHEINPFALZ. Daraufhin habe die Stadt den Hinweis an die Infektionsschutzbehörde und an das Veterinäramt mit dem Bereich Lebensmittelhygiene der Kreisverwaltung Bad Dürkheim weitergeleitet. Diese würde im Falle einer Überprüfung auch Sanktionen gegenüber dem Unternehmen aussprechen, wenn es Bedenken wegen der Hygiene im Lebensmittelkonzern geben würde.

Verbot greift nicht auf militärischem Gelände

Die Sprecherin stellt außerdem klar: Zwar beinhalte die neue Gefahrenabwehrverordnung der Stadt aus Juni 2023 ein Verbot, Tauben zu füttern. Dieses greife allerdings nicht auf dem Gelände des Aafes-Depot, „weil es sich um eine militärische Liegenschaft“ handelt, sprich also kein öffentlich zugänglicher Bereich ist. „Auch liegen uns keine Hinweise vor, dass dort Lebensmittel bewusst oder unbewusst zur Fütterung von Tauben zur Verfügung stehen und dadurch die Population von Tauben einem überdurchschnittlichen Bestand erreichen soll“, betont die Stadtverwaltung.

Die Kreisverwaltung Bad Dürkheim bestätigt auf Anfrage der RHEINPFALZ, dass die Infektionsschutzbehörde aufgrund der aktuellen Meldung Kontakt mit dem Unternehmen in Grünstadt aufgenommen wurde. Allerdings hätten sich keine offenen Container mit Lebensmitteln auf dem Gelände feststellen lassen, sagt die Kreispressesprecherin. Dies verbiete sich allein schon „aus Gründen der eigenen Qualitätssicherung“. Daher setze Aafes Europe auf ein geschlossenes Entsorgungssystem.

Keine weiteren Maßnahmen nötig

Auch werde im Unternehmen regelmäßig ein Abwehrbekämpfungsprogramm umgesetzt. Dennoch haben sich Unternehmen und Infektionsschutzbehörde darauf verständigt, sich weiterhin auszutauschen. Weitere Maßnahmen seitens der Aufsichtsbehörde würden derzeit nicht als nötig erachtet, so die Sprecherin.

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