LEININGERLAND RHEINPFALZ Plus Artikel 25 Jahre Eckbach-Mühlenweg: Die große Bilanz einer heißen Jubiläumsfeier

Auf der Bissersheimer Hochzeitswiese an der Haldmühle: Auftritt der Band Mr. Jones.
Auf der Bissersheimer Hochzeitswiese an der Haldmühle: Auftritt der Band Mr. Jones.

Es ist viel geboten worden beim 25. Geburtstag des Eckbach-Mühlenwanderwegs, der zu 23 von einst 35 Mühlen führt. Hochsommerliche Hitze ließ am Sonntag zwar die Anzahl der Gäste hinter die Erwartungen zurückfallen. Doch es gibt Pläne, die Veranstaltung zum jährlich wiederkehrenden Ereignis zu machen.

Auch wenn die 25 Kilometer lange Strecke zwischen der Quelle des Flüsschens in Hertlingshausen und dem Soccer-Park in Dirmstein recht eben ist: Bei Temperaturen von mehr als 35 Grad ist am Sonntag die Bewegungsfreude auf dem 1997 eingeweihten Eckbach-Mühlenwanderweg gedämpft. „Eigentlich wollte ich das Fahrrad nehmen“, sagt zum Beispiel der in Grünstadt wohnende SPD-Landtagsabgeordnete Christoph Spies, der mit dem Auto nach Kleinkarlbach gekommen ist. Im Hof der Mühle Eisenbeiss beginnt dort das Jubiläumsfest – ebenso wie im Carlsberger Sängerheim und auf einem Spielplatz in Dirmstein – mit einer Andacht. Die Pastoralreferentin Dominique Haas predigt erstmals an ihrem Wohnort, wo es keine katholische Kirche gibt.

Predigt über Gottes Wege

Unter den rund 50 Teilnehmern, mit denen sie über Gottes Wege philosophiert, ist auch Werner Eisenbeiss. Dessen Familie ist seit 1893 Eigentümerin der Langmühle. „Wir konnten nur mahlen, wenn genügend Wasser da war“, blickt er viele Jahrzehnte zurück. Landwirt Markus Keßler, der das Anwesen seit 2004 für seinen Landhandel gepachtet hat, lässt in Böhl-Iggelheim mahlen. Der Battenberger erzählt, wie aus einem Getreidekorn Mehl wird. Wie mühsam der Mahlvorgang ist, kann jeder an einer Handmühle ausprobieren. „Da schafft man etwa 25 Gramm pro Minute“, erläutert Keßler, der sich auch ein kleines Quiz ausgedacht hat.

In Obersülzen wird derweil der 2021 fertiggestellte Frösche-Rundweg eingeweiht, auf den Schilder am Eckbach-Mühlenwanderweg hinweisen. Auf einen Spaziergang wird verzichtet, denn nur das erste Stück der 5,4 Kilometer langen Strecke ist schattig. Insofern wird mit Sekt am Frosch-Brunnen angestoßen. Den hatten die Landfrauen 1997 auf einem ausgewiesenen Bauplatz errichten lassen – damit dort kein Haus entstehen kann, das den Blick auf die evangelische Kirche dahinter stört, wie Ortsbürgermeister Andreas Lehmann (SPD) erläutert. Auf dem Kuchen-Buffet des rührigen Vereins sind zwei Mascarpone-Torten besondere Hingucker. Sie sind mit Fröschchen aus knallgrün eingefärbter Zuckerpaste verziert, die Patricia Mauer-Schultze angefertigt hat. Die große Nachfrage nach dem Gebäck bleibt angesichts der Hitze aus.

Kinder bauen Flößchen

Einen großen Ansturm auf die Dorfmühle in Großkarlbach gibt es ebenfalls nicht. Wolfhard Ittel, der an der Kasse sitzt, berichtet von einer Resonanz, die sich nicht von normalen Öffnungstagen unterscheidet. In dem Gebäude von 1605 befindet sich das einzige Museum in der Pfalz mit noch funktionstüchtiger Mühle. „Aufgrund ihres Alters lassen wir die Räder jedoch nur mit zehnprozentiger Geschwindigkeit laufen“, so Ittel, der viel aus der Geschichte und auch von Mühlengeistern erzählen kann. Hinter dem historischen Anwesen können Kinder aus Korken und Zahnstochern mit Piratenfähnchen kleine Flöße bauen.

„Das finde ich toll“, lobt Conny Ewerth, die mit ihrem Mann und einem Freund auf dem Rad unterwegs ist. Am Waffel- und Bratwurststand beim TuS in Laumersheim, wo auch ein Luftballonkünstler unterhält, sei nur wenig Publikum gewesen, sagt die Dirmsteinerin. An der Haldmühle in Bissersheim sei bislang am meisten los. Ortsbürgermeister Elmar Reichert (parteilos) erläutert: „Wir haben alle Aktivitäten hier gebündelt. Dabei steht das ganze Dorf zusammen.“ Weingüter und Vereine haben sich auch die Gage für die Band Mr. Jones geteilt, die viel Publikum auf die schattige Hochzeitswiese lockt. „Premiere hat ein gemeinsamer Stand von fünf Winzern“, sagt Eva Wendel. Sie war 1997/98 die 48. Weingräfin des Leiningerlandes. In dieser Eigenschaft war sie bei der Einweihung des vom Kleinkarlbacher Heimatforscher Wolfgang Niederhöfer initiierten Eckbach-Mühlenwanderwegs geladen, ebenso wie der damals neunjährige Cosmas Kösters. Der kleine Kirchheimer hatte mit seinem Entwurf des Logos für den Weg bei einem Schülerwettbewerb gewonnen.

Ais Berlin angereist

Nun treffen sich die beiden in Bissersheim wieder. Der 33-Jährige ist aus Berlin angereist. „Herr Beck ist wohl nicht da?“, fragt der Mediengestalter schmunzelnd nach dem damaligen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD). Sein alter Schulleiter Norbert Göbel habe ihm geschrieben, erzählt er. Eigentlich wollte Kösters den Wanderweg näher erkunden, „aber das ist mir definitiv zu heiß“. Der junge Vater, der mit einer Grünstadterin liiert ist, kommt aber immer wieder in die Pfalz und hat insofern Gelegenheit, das nachzuholen.

Die Chance auf tiefere Einblicke in die Haldmühle gewährt Eigentümer Josef Anton Geyer. Besucher können den französischen Garten und den Säulensaal bewundern, den direkt am Eckbach eingerichteten „Lieblingsplatz“ und die im einstigen Ziegenstall eingerichtete Kapelle mit einem Altar von 1736. Bernhard Schmitt macht ein paar Fotos. Der 71-jährige Carlsberger ist trotz der hohen Temperaturen nach Bissersheim gewandert und will „auf jeden Fall“ noch nach Großkarlbach laufen.

„Es ist definitiv zu warm“

Altleiningens Ortsbürgermeister Gunther Schneider (WG Dennhardt) ist im Dorf geblieben, lässt es sich auf dem Kleinsägmühlerhof der Lebenshilfe gutgehen. Dort bleibt einiges an Speisen übrig, „muss aber nicht weggeschmissen werden“, wie Betriebsleiter Richard Danner betont. Am Verkaufsstand der Sri-Lanka-Nothilfe sind im Lauf des Tages nur etwa 70 Euro eingenommen worden. „Es ist definitiv zu warm“, sagt Danner, der sich eine Wiederholung der Veranstaltung im Zwei-Jahres-Rhythmus vorstellen könnte.

Die Tourismusbeauftragte der Verbandsgemeinde Leiningerland, Cornelia Wetzel, denkt an ein jährlich wiederkehrendes Event. Eventuell sollten zu den zehn teilnehmenden Ortsgemeinden noch die Dörfer am Eisbach hinzukommen. „Es könnte die Nachfolge des Autofreien Eistals werden, das allmählich stirbt“, meint die Touristikerin, die für die Veranstaltung am 3. Oktober erst zwei Anmeldungen hat.

Gottesdienst in der Kleinkarlbacher Mühle Eisenbeiss mit Pächter Markus Keßler-Flory (rechts) und Pastoralreferentin Dominique H
Gottesdienst in der Kleinkarlbacher Mühle Eisenbeiss mit Pächter Markus Keßler-Flory (rechts) und Pastoralreferentin Dominique Haas.
Er hat das Logo des Wegs erfunden: Cosmas Kösters mit der ehemaligen Weingräfin Eva Wendel.
Er hat das Logo des Wegs erfunden: Cosmas Kösters mit der ehemaligen Weingräfin Eva Wendel.
In der Bissersheimer Haldmühle: der Säulensaal.
In der Bissersheimer Haldmühle: der Säulensaal.
Mit Gotteshaus: Eigentümer Anton Geyer (zweiter von links) zeigt die Kapelle der Haldmühle in Bissersheim.
Mit Gotteshaus: Eigentümer Anton Geyer (zweiter von links) zeigt die Kapelle der Haldmühle in Bissersheim.
Funktioniert noch: die Dorfmühle in Großkarlbach.
Funktioniert noch: die Dorfmühle in Großkarlbach.
Zur Einweihung des Frösche-Rundwegs: Prost am Landfrauen-Brunnen vor der evangelischen Kirche in Obersülzen.
Zur Einweihung des Frösche-Rundwegs: Prost am Landfrauen-Brunnen vor der evangelischen Kirche in Obersülzen.
Mit Hingucker-Dekoration: Torte zur Einweihung des Frösche-Rundwegs in Obersülzen.
Mit Hingucker-Dekoration: Torte zur Einweihung des Frösche-Rundwegs in Obersülzen.
In der Kleinkarlbacher Mühle Eisenbeiss: der elfjährige Simon mahlt Getreide.
In der Kleinkarlbacher Mühle Eisenbeiss: der elfjährige Simon mahlt Getreide.
 Trotzen der Hitze: Gäste auf der Hochzeitswiese der Haldmühle in Bissersheim.
Trotzen der Hitze: Gäste auf der Hochzeitswiese der Haldmühle in Bissersheim.
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