Fußball
TSV Eppstein und ASV Mörsch halten dem Druck stand
Als es auf die 90. Minute zugeht, wird Tobias Hoffmann immer unruhiger. Immer wieder schaut der Trainer des B-Klassisten TSV Eppstein auf seine Armbanduhr. Seine Mannschaft führt mit 2:0 gegen den gastgebenden FV Freinsheim II – das bedeutet: Titel in der B-Klasse Rhein-Pfalz Nord und direkter Aufstieg in die A-Klasse. Unterdessen war ein Karton mit den schwarzen Meistertrikots angeschleppt worden. Dann der Schlusspfiff. Trainer und die Spieler und Betreuer von der Bank stürmen aufs Feld, Hoffmann bekommt als Erster eine Sektdusche ab und dann geht’s rund auf dem Freinsheimer Kunstrasen: „Eppsteiner Jungs, Eppsteiner Jungs, wir sind alle Eppsteiner Jungs“, singen die Meister im Chor.
„Am Anfang waren wir noch recht nervös, das hat sich aber bald gelegt. Und jetzt ist das einfach nur befreiend“, sagte TSV-Abwehrspieler Manfred Mieger. „Ich denke, dass heute noch die Post abgehen wird. Es war ein zähes Spiel, aber wer kann’s uns verdenken. So ein Spiel ist ja auch nicht alltäglich“, kommentierte TSV-Trainer Tobias Hoffmann die Meisterkür. „Wir haben’s gut gemacht, okay, zwei Chancen zugelassen, aber viele eigene vergeben. Insofern war’s verdient und jetzt gehen wir freudig und glücklich in die A-Klasse“, sagte der Übungsleiter. „Wir haben für heute Abend unsere Vereinsgaststätte für ein gemeinsames Essen reserviert und werden danach machen wir noch ein bisschen Party“, kündigte TSV-Spielleiter Erik Naßhahn an.
Steffen Rittmanns Hammer
Angefeuert von den rund 80 Eppsteiner Fans war der TSV die bessere Mannschaft, wobei der Gastgeber von Beginn an deutlich machte, dass er keine Geschenke zu verteilen hat. Gegen einsatzfreudige Freinsheimer war es Routinier Steffen Rittmann, der seine Mannschaft in seinem letzten Karrierespiel mit einem 20-Meter-Hammer in Führung brachte (40.). Nachdem die Eppsteiner einige Chancen hatten liegen lassen, machte Johannes Lemke in der 65. Minute mit dem 2:0 alles klar. Bei zwei „Hundertprozentigen“ der Gastgeber konnte sich der TSV auf seinen glänzend parierenden Keeper Benjamin Wilhelmy verlassen.
ASV Mörsch erledigt seine Hausaufgabe
Feiern durfte auch der ASV Mörsch, der mit dem 6:1 (0:1)-Heimsieg gegen die VT Frankenthal noch auf den zweiten Platz in der B-Klasse Rhein-Pfalz Gruppe Nord sprang. Dabei profitierte das Team von Trainer Michael Schulze-Bodes auch von der überraschenden 2:3-Heimniederlage der zuvor zweitplatzierten SG Hettenleidelheim-Wattenheim gegen Weisenheim am Sand II. Somit konnte Mörsch noch mit 63 Punkten auf Platz zwei klettern, Hettenleidelheim-Wattenheim bleibt mit 62 Punkten nur der undankbare dritte Platz.
Auch auf dem ASV-Sportplatz sah es am Sonntag lange nicht nach einem klaren Heimerfolg aus. Erst mit der Einwechslung von Torjäger Roberto Bertolotti zu Beginn der zweiten Halbzeit änderte sich das Bild. Der Torschützenkönig der Liga entschied mit vier Toren innerhalb weniger Minuten das Spiel. In der ersten Halbzeit brachten die favorisierten Hausherren jedoch kaum etwas zustande. Im Spielaufbau zu langsam, mit vielen Stockfehlern und reihenweise Fehlpässen konnte sich kein Spielfluss einstellen.
Die Gäste machten aus ihren Möglichkeiten das Beste und suchten ihre Chance in der Offensive. Einen Freistoß von Nico Bernzott konnte ASV-Keeper Leon Weingärtner nur nach vorne abprallen lassen (5.), auch Etnik Kelmedi hatte eine gute Schusschance (27.). Auf der anderen Seite scheiterte ASV-Stürmer Tristan Hof an VT-Schlussmann Dennis Folk (20.). Überraschend die Gästeführung: Timo Venneri bekam im eigenen Strafraum den Ball an die Hand. Den Strafstoß verwandelte Marcel Ackermann. Wenig später dann die beste Chance für den ASV Mörsch. Mikail Coskun verfehlte mit einem Schlenzer nur knapp (32.). Später zögerte Routinier Steffen Jaeschke allein vor dem gegnerischen Tor zu lange (44.).
ASV-Trainer Schulze-Bodes wechselte zur zweiten Halbzeit gleich drei neue Spieler ein. Dies waren Torjäger Roberto Bertolotti, Robert Heilmann und Denis Geißler, die dem Spiel eine entscheidende Wende gaben. Mörsch spielte nun viel druckvoller, die Chancen häuften sich. Heilmann traf mit einem satten Schuss nur Torwart Dennis Folk, der danach benommen liegen blieb (48). Wenig später konnte eine Flanke von rechts auf den freistehenden Bertolotti gerade noch abgefangen werden (50.). Für den Ausgleich brauchte auch der Favorit einen Strafstoß. Pech für die Gäste, dass sich ohne gegnerische Einwirkung Dennis Folk so stark am Knöchel verletzte, dass er nicht mehr weiterspielen konnte. VT-Trainer Patrick Fahlbusch zog sich nun die Torwarthandschuhe an, hatte aber gegen den platzierten Schuss von Bertolotti zum 1:1 keine Chance (68.).
Bertolotti bricht den Bann
Wenig später hatten die Hausherren das Spiel komplett gedreht. Erneut traf Bertolotti (71.) und nun war der Bann gebrochen, innerhalb weniger Minuten folgten gegen eine nun zu passive und langsame VT-Abwehr drei weitere Treffer. Zweimal startete Roberto Bertolotti in den freien Raum und überwand Ersatzkeeper Fahlbusch mit überlegten Lupfern (74., 76.) Zudem verwandelte Routinier Steffen Jaeschke, der zur neuen Saison als Trainer die Herren II des SC Bobenheim-Roxheim übernimmt, einen Strafstoß nach Foul von Kelmedi an Coskun (78.). Den Endstand gegen nun resignierende Gäste besorgte der ebenfalls eingewechselte Lukas Friedmann nach starker Vorarbeit von Geißler. Patrick Fahlbusch im Gästetor spielte nach einer starken Parade nur unter großen Schmerzen zu Ende.
Steffen Jaeschke, der unter großen Applaus in seinem vermeintlich letzten Spiel für den ASV Mörsch ausgewechselt wurde, machte für den schwachen Auftritt in der ersten Halbzeit den Druck als Grund aus. „Der Kopf hat nicht mitgespielt. Wir waren verkrampft. Das erste Tor für uns war dann der Wendepunkt.“ Ähnlich sah es ASV-Trainer Michael Schulze-Bodes. „In der ersten Halbzeit haben wir ohne Tempo und Selbstvertrauen gespielt, der Druck war spürbar. In der Pausenansprache musste ich etwas lauter werden. Drei Wechsel auf einmal sind auch ungewöhnlich. Dass Roberto Bertolotti dann gleich so einschlägt, macht er auch nicht immer. In der zweiten Halbzeit waren wir dann klar überlegen. Mein Dank geht auch an Weisenheim am Sand II. Das sie gewinnen, hätte ich nicht für möglich gehalten. Nun freuen wir uns auf die beiden Relegationsspiele gegen den Zweiten der Gruppe Süd, Arabia Frankenthal.“
Fahlbusch bleibt gelassen
Gelassen nach dem Spiel mit zwei unterschiedlichen Halbzeiten äußerte sich VT-Trainer Patrick Fahlbusch. „Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt. Nach der Pause konnten wir nur noch solange mithalten, wie unsere Kräfte gereicht haben. Wir hatten am Donnerstag noch ein Nachholspiel. Mörsch hatte da mit seiner starken Ersatzbank viel bessere Möglichkeiten. Ich kann meinen Jungs keinen Vorwurf machen. Wir hatten nach der Vorrunde nur elf Punkten und beenden die Saison jetzt mit 27. Wir sind zufrieden, dass wir nie auf einem Abstiegsplatz standen.“